Problempflanze

Naturschützerin mahnt zur Bekämpfung des Riesenbärenklaus

Eine Naturschützerin, die sich für die Bekämpfung einer Pflanze einsetzt: Das klingt wie ein Widerspruch, ist es im Fall der Wernigeröderin Marion Walter aber nicht.

Von Sandra Reulecke
Schön und imposant, aber gefährlich: Am Feldrand zwischen Wernigerode und Silstedt - "Dschungel" genannt - breitet sich  der Riesenbärenklau aus.
Schön und imposant, aber gefährlich: Am Feldrand zwischen Wernigerode und Silstedt - "Dschungel" genannt - breitet sich der Riesenbärenklau aus. Foto: BUND Wernigerode

Wernigerode/Silstedt - Vom „Dschungel“ geht eine Gefahr aus. Gemeint sind damit keine exotischen Tiere in fernen Ländern, sondern eine Pflanze am Stadtrand von Wernigerode Richtung Silstedt. Marion Walter, die Sprecherin der Wernigeröder Ortsgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), warnt eindringlich vor dem Riesenbärenklau, der am dortigen Feldrand, im Volksmund „Dschungel“ genannt, wächst.

„Die gefährliche Pflanze blühte in den letzten Wochen und trägt jetzt Samenstände. Noch ein paar Tage und die Samen verteilen sich aus zwei, drei Metern Höhe – so groß sind die Pflanzen dort“, berichtet die Naturschützerin.

Gesundheitsprobleme

Was die invasive Art so gefährlich für Mensch und Tier macht, erläutert das Umweltamt des Landkreises Harz auf Volksstimme-Nachfrage: „Der Riesenbärenklau ist in zweierlei Hinsicht problematisch. Zum einen bildet er Furocumarine; das sind phototoxische Substanzen, die bei Berührung in Verbindung mit Sonnenlicht zu schweren Hautirritationen führen können“, heißt es in der Erklärung. Auch Fieber und Kreislaufprobleme können auftreten, wenn jemand der Pflanze zu nahe kommt.

Aus diesem Grund kümmern sich die kommunalen Ordnungsämter als Gefahrenabwehrbehörden um die Beseitigung an relevanten Standorten. Dies seien zum Beispiel Bushaltestellen, Kindergärten oder Sportplätze.

Bekämpfungsaktionen

„Zum anderen kann Riesenbärenklau die heimische Vegetation verdrängen“, informiert das Umweltamt weiter. In diesem Punkt werde der Landkreis aktiv, indem die Naturschutzbehörde Bekämpfungsaktionen in Naturschutzgebieten und an sonstigen Standorten mit wertvollen Artvorkommen organisiert.

Bei dem „Dschungel “ zwischen Wernigerode und Silstedt handelt es sich jedoch nicht um eine kommunale Fläche. Laut Wernigeröder Stadtverwaltung befindet er sich teilweise in Privateigentum, die städtischen Flächen sind verpachtet.

Verweis an Behörden

„Nach meiner Erkenntnis ist das Ackerrandstück Gelände der Agrargenossenschaft Vorharz“, berichtet Marion Walter von ihren Recherchen. Sie habe schon vor Wochen Kontakt zum Vorstand aufgenommen und zur Eile gedrängt, die Herkulesstaude zu bekämpfen – bevor sie ihre Samen verteilen kann.

Jörg Weidemann, der Chef der Agrargenossenschaft Silstedt-Benzingerode, bestätigt auf Volksstimme-Nachfrage, dass er Kontakt zur BUND-Sprecherin hatte. Öffentlich wolle er sich zum Sachverhalt jedoch nicht äußern. Nur so viel: „Ich habe Frau Walter an die entsprechenden Behörden verwiesen.“

Corona-Einfluss

Dazu gehört das Umweltamt. Dieses lässt über die Pressestelle des Landkreises bestätigen, dass am Wernigeröder Stadtrand, zwischen Autobahn und der Straße nach Silstedt, Riesenbärenklau auf mehreren Flurstücken seit Langem bekannt ist. „Abgesehen von der regulären Mahd durch den Flächennutzer erfolgte die Bekämpfung in den letzten Jahren meist durch die Teilnehmer von Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes“, heißt es weiter in der Mitteilung.

Am effektivsten geschehe dies mit dem Ausstechen der Jungpflanzen – und das bereits Anfang April.

Finanziert werden solche Bekämpfungsaktionen normalerweise je nach Standort aus verschiedenen Quellen, am häufigsten als freiwillige Aufgabe über die Kommunale Beschäftigungsagentur an Bildungsträger oder Beschäftigungsgesellschaften. „Viele Kosten werden auch von Eingriffsbehörden – Straßenbau, Landwirtschaft, Wasserbau – im Rahmen naturschutzrechtlicher Kompensationsmaßnahmen übernommen“, informiert der Landkreis.

Jedoch hat die Pandemie auch in diesem Bereich Spuren hinterlassen. „In den letzten beiden Jahren waren im Frühling coronabedingt keine Arbeiten möglich. Dadurch mag das Vorkommen etwas größer und auffälliger geworden sein“, teilt das Umweltamt mit.

Keine Verpflichtung

Eine vollständige Beseitigung des Herkuleskrauts, das im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus dem Kaukasus eingeführt wurde, sei an dieser Stelle jedoch ohnehin nicht zu erwarten. Aufgrund des großen Samenvorrats im Boden würden immer wieder junge Pflanzen austreiben.

Auch wenn die Staude, die eine stattliche Höhe von bis zu drei Metern erreichen kann, eine Gefahr darstellt, gibt es kein Gesetz, das Grundstücksbesitzern und –pächtern vorschreibt, gegen sie vorzugehen. „Eine rechtliche Verpflichtung zur Beseitigung der Pflanze gibt es nicht“, informiert das Umweltamt.