Soziales

Neuer Campus für Pflegeschüler in Quedlinburg geplant

Wie vier Einrichtungen im Harz künftig die Pflegeausbildung organisieren wollen

Von Katrin Schröder
Stellten im Quedlinburger Harzklinikum den geplanten ?Care Campus Harz" vor (von links): Thomas Balcerowski (CDU), Hans Jaekel, Peter Redemann, Martin Montowski, Thomas Schilling und Reiner Holmer. Foto: Katrin Schröder

Elbingerode/Quedlinburg

Angehende Fachleute für Pflege und Soziales sollen ihre Profession im Harz künftig an einer zentralen Akademie erlernen. Die Einrichtung, die unter dem Titel „Care Campus Harz“ firmiert, wird von vier Partnern getragen. Angesiedelt werden soll die neue Akademie in Quedlinburg, hieß es am Freitag bei der Vorstellung des Vorhabens im dortigen Harzklinikum.

Neben dem Krankenhaus mit seinen Standorten in Wernigerode und Quedlinburg sind das Diakonissen-Mutterhaus und das Diakonie-Krankenhaus in Elbingerode sowie die Evangelische Stiftung Neinstedt mit im Boot. Die Initiative dazu kam aus Elbingerode: Dort besteht bereits seit Mai 2020 die Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe. „Wir wussten, dass das nicht das Ende ist“, sagt Martin Montowski, Geschäftsführer des Diakonie-Krankenhauses in dem Oberharz-Ortsteil.

Mit der Einbindung des Harzklinikums und der Evangelischen Stiftung Neinstedt werden auch deren Ausbildungsstätten unter das gemeinsame Dach geholt. „Es ist gut, dass die Schulen unterschiedliche Traditionen haben“, so Thomas Schilling, der bisher die Elbingeröder Akademie leitete und nun der Care-Campus-Gesellschaft vorsteht. Jede Einrichtung bringe eigene Vorstellungen und spezielle Expertise in den neuen Verbund ein.

Für die Schulen und ihre Schüler ändere sich vorerst nichts, so Schilling weiter. Während die Ausbildung wie bisher fortgesetzt wird, sollen sich mehrere Arbeitsgruppen zusammenfinden, um die Schulstandorte zu analysieren. „Wir müssen erst einmal genau verstehen, wie es an den Schulen läuft“, so Thomas Schilling.

Standorte bleiben erhalten

Im Anschluss könne man beginnen, den gemeinsamen Rahmen zu erarbeiten. Zum Beispiel sollen die Lehrpläne zusammengeführt und Themen wie die Digitalisierung, die die Schulen gleichermaßen betrifft, angegangen werden.

Unverändert bleiben zunächst auch die Schulen mit ihren Gebäuden. „Die Standorte bleiben erhalten, bis ein Umbau oder Neubau umgesetzt werden kann“, so Peter Redemann, Geschäftsführer des Harzklinikums. Es sei zwar das Ziel, ein gemeinsames Schulzentrum in Quedlinburg zu schaffen. Wann dies verwirklicht werde, hänge jedoch maßgeblich davon ab, wann das bereits beantragte Fördergeld für das Bauprojekt fließt. Mittelfristig sollen die Schüler aber gemeinsam in Quedlinburg lernen – zur Freude von Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU). „Das ist eine große Wertschätzung für die Welterbestadt.“

Die vier beteiligten Einrichtungen versprechen sich vom geplanten Ausbildungszentrum mehr Strahlkraft. Man wolle „für junge Leute einen attraktiven, zukunftsfähigen Standort schaffen, mit einem breiteren Angebot, als das jede Schule für sich alleine kann“, formuliert Hans Jaekel, pädagogisch-diakonischer Vorstand der Neinstedter Stiftung.

Das sei nötig, um im Wettbewerb mit anderen Einrichtungen zu bestehen und genügend Nachwuchs zu rekrutieren. „Wir wollen die Ausbildungszahlen nicht nur halten, sondern erhöhen“, kündigt Schilling an. Derzeit werden in den Schulen der vier Träger insgesamt 269 Auszubildende unterrichtet. Der neue „Care Campus“ soll perspektivisch Platz für bis zu 400 Schüler bieten, die künftig neben bereits bestehenden Ausbildungsangeboten weitere Möglichkeiten bis zur akademischen Weiterbildung erhalten sollen.

Interesse für die Pflege

Das Interesse für die Pflege sei vorhanden, da sind sich die Campus-Gründer einig. Seit 2020 werden die Inhalte der zuvor getrennten Ausbildungsgänge der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege in der übergreifenden Pflegefachausbildung gelehrt. Seitdem seien die Ausbildungszahlen um gut zehn Prozent gestiegen, berichtet Thomas Schilling. Mit rund 25 Prozent sei aber auch die Fluktuation recht hoch: Man müsse sich bemühen, die Azubis bei der Stange zu halten. Der Schwerpunkt liege auf der Erstausbildung, doch auch Quereinsteiger seien willkommen und zunehmend bedeutsam. „Viele fragen sich in der Mitte ihres Berufslebens, ob ihre Arbeit sinnvoll ist“, sagt Hans Jaekel.

Zudem solle man nicht nur den eigenen Standort im Auge haben, sagt Reiner Holmer, Direktor des Diakonissen-Mutterhauses. „Wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag.“ Er setzt auf das „Wir-Gefühl“ in der gemeinsamen Schule. Bei der Vermittlung von Auszubildenden funktioniere die Zusammenarbeit bereits, erklärt Hans Jaekel. Größere Einrichtungen erhielten oft mehr Bewerbungen, als sie berücksichtigen könnten. Wer dort nicht zum Zuge komme, werde an Partner vermittelt, die Nachwuchs suchen. Kommentar