Wernigerode l Eigentlich war das Thema Hexenampel vom Tisch. Das Landesverwaltungsamt hat Wernigerode die besonderen Ampelmännchen verboten. Eine Entscheidung, die Thomas Schatz (Linke) und Matthias Winkelmann (CDU) aber nicht akzeptieren wollen. Die beiden Stadträte machen sich jetzt für alternative Leuchtfiguren stark. „Wir haben uns gewundert, dass es nicht gehen soll“, sagt Winkelmann. „In anderen Städte funktioniert es doch. Warum nicht auch in Wernigerode?“

Winkelmann liegt richtig. Duisburg hat sie, Mainz seit einigen Jahren, Trier ebenso. Worms, Friedberg und Erfurt sind ebenfalls dabei. Und ganz aktuell Emden. Immer mehr deutsche Städte setzen auf alternative Ampelmännchen. Ob Otto Waalkes, die Mainzelmännchen oder gar Karl Marx – bei Einwohnern wie Touristen sind die besonderen Leuchtfiguren beliebt. Den Verkehr regeln sie trotz der anderen Optik genauso wie das herkömmliche Ampelmännchen. Auch Wernigerode hätte sich einreihen können, scheiterte bisher aber an den Behörden.

Ernstes Anliegen

Die Idee für eine Hexenampel stammt allerdings nicht aus dem Harz, sondern aus Düsseldorf. Andreas Vogt ist bekennender Wernigerode-Fan. Regelmäßig treibt er zu Walpurgis mit Gleichgesinnten und als Hexe verkleidet seinen Schabernack in der bunten Stadt. Mit der Hexenampel ist es dem Rheinländer allerdings sehr ernst. Nach einer Abfuhr vor einigen Jahren stieß er im Wernigeröder Rathaus Ende 2018 endlich auf Interesse.

Die Stadtverwaltung nahm sich des Themas an, schlug mit den Fußgängerampeln an der Stadtecke, am Westerntor und Bahnhof drei mögliche Standorte vor und beantragte diese bei der Straßenverkehrsbehörde in Halberstadt – allerdings ohne konkreten Entwurf für die Ampelhexe. Die Kreisverwaltung leitete das Anliegen zur Prüfung weiter. Und von da kam bekanntlich das Nein. Als Begründung wurde die bundesweit geltende Straßenverkehrsordnung (StVO) angeführt, die auch das Aussehen der Ampelfiguren festlegt.

Formulierung

Und genau da sieht Thomas Schatz eine Möglichkeit. Die Formulierung in den Verwaltungsvorschriften des Regelwerks ist nämlich alles andere als klar. Es heißt, dass das „rote Sinnbild einen stehenden, das grüne einen schreitenden Fußgänger“ zeigen müsse. „Dieser Fußgänger“, so Schatz weiter, „kann auch eine Frau mit langer Nase sein.“ Der Linke-Stadtrat hat zwei Entwürfe aus dem Hut gezaubert. Bei der Symbolsprache habe er sich am Ampelmännchen orientiert. So halte die rote Ampelhexe die Arme auseinander, währen die grüne samt Besen schreitet.

Für Wernigerode wäre so etwas ein Alleinstellungsmerkmal, ist sich Matthias Winkelmann sicher. „Die Hexen sind ein Symbol für Wernigerode und den Harz.“ Und sie seien auch als Andenken sehr gefragt. Als Noch-Chef des Ordnungsausschusses würde er es sehr begrüßen, wenn die Stadtverwaltung prüft, was möglich ist.

„Das ist kein großer Aufwand“, so Winkelmann. „Uns liegt das sehr am Herzen. Als Stadt sollten wir uns dem annehmen.“ Nach der Prüfung könne dann geschaut werden, wie das Ganze finanziert wird – ob privat oder über Sponsering. Auch Andreas Vogt will nicht aufgeben. Der Düsseldorfer hat angekündigt, eine Website zu gestalten, um weiter für die Ampelhexen zu trommeln.