Wernigerode l Eher unentdeckt vom Fußgängerstrom in der Stadt Wernigerode ist der Seigerhüttenteich. Der Weg dorthin führt über einen schmalen Pfad zwischen den Straßen Dornbergsweg und Im Stadtfelde – und er lohnt sich wieder. Zig Vögel, darunter hin und wieder ein Eisvogel, zwitschern, Insekten summen, Frösche, Molche und Feuersalamander fühlen sich wohl. Am Wasser leben Bläss- und Teichhühner, Sumpfrohrsänger und Stockenten. Teilbereiche der Wasserfläche sind vom Gestrüpp befreit, um der Verlandung entgegenzuwirken.

Die Kopfweiden erhielten einen sogenannten Pflegeschnitt, damit sie nicht auseinander brechen. So bieten die alte Schwarzpappel, ein Naturdenkmal, und die Weiden willkommene Quartiere und Nahrungsquellen für viele Tierarten. „Eine Blühwiese wird gerade angelegt und später im Jahr zu bewundern sein“, berichtet die neue Gartenamts­chefin Christiane Wichmann. Sie und weitere Vertreter der Stadt erläuterten bei einem Besichtigungstermin die Aufwertung des Seigerhüttenteichs zu einem naturnahen Kleinod im Rahmen eines Projektes.

Zu den umfangreichen Arbeiten gehörte auch die Erneuerung des Teichmönchs. Der Seigerhüttenteich wird durch einen etwa einen Kilometer langen Mühlgraben, der am Wehr in der Ilsenburger Straße von der Holtemme abgeschlagen wird, gespeist. „Diese Wasserzuführung ist die Lebensader des Teichs“, betont Ulrich Eichler, Energie- und Umweltbeauftragter der Stadt. Mit Blick auf die Historie ergänzt Eichler: „Der Graben wurde im Jahr 1511 angelegt und diente als Wasserspeicher zur Erzeugung mechanischer Energie für die Seigerhütte, welche Kupfer für die Ilsenburger Messinghämmer geliefert hat.“

Gartenfreunde regulieren Wassermenge

Der Ablauf des Teiches führt übrigens unterirdisch zurück in die Holtemme, in Höhe des Spielplatzes Im Stadtfelde. Eichler ließ nicht unerwähnt, dass die Pächter der Kleingartenanlage „Handwerk“ einen wichtigen Beitrag bei der Regulierung der Wassermenge leisten. „Sie passen stets mit auf, denn fließt zu wenig Wasser, geht das Biotop kaputt, fließt zu viel, können Keller von Wohnhäusern feucht werden.“

Und weil es für Menschen am Seigerhüttenteich nun so einladend zum Verweilen ist, wurde eine Naturbeobachtungsstation mit Sitzbänken errichtet. „Eine Informationstafel weist auf die Besonderheit des Stillgewässers hin“, informiert Projektleiterin Katrin Anders, während Ulrike Hofmüller ergänzt: „Zukünftig wird der Seigerhüttenteich eine Station des Grünen Klassenzimmers sein, das wir bislang hauptsächlich im Bürgerpark angeboten haben.“ So könnten sich Schüler intensiv mit dem Lebensraum Teich auseinandersetzen und „viel über die Bedeutung von biologischer Vielfalt in Städten erfahren“, erläutert Hofmüller, die als Mitarbeiterin im Harzmuseum für das Grüne Klassenzimmer zuständig ist.

Die Kombination von Gärten, Teich und Grünfläche für Arten- und Lebensraumvielfalt mitten in der Stadt Wernigerode. Das 1,5 Hektar große Stillgewässer mit Uferzonen beherbergt ein buntes Mosaik an Lebensräumen: Röhrichte und Seggenriede, Weidensumpf, Schwimmpflanzen und Blühwiesen. „Deshalb gehört der Seigerhüttenteich zu den gesetzlich geschützten Biotopen“, sagt Eichler und bedauert, dass „das leider nicht jedem bewusst ist“.

Müll und Grünschnitt am Teich entsorgt

Immer wieder werden am Teich Müll und Grünabfälle entsorgt. Diese sorgen für unerwünschten Nährstoffeintrag, auch werden Pflanzenarten angesiedelt, die dort nicht hingehören. Deshalb die Bitte, so die Vertreter der Stadt, zur Entsorgung von Grünabfällen das Angebot des Wertstoffhofs am Köhlerteich zu nutzen.

Die Aufwertung des Seigerhüttenteiches gehört zum Projekt „Stadtgrün – Artenreich und Vielfältig“, das vom Bund gefördert wird. Der Teich ist eine von acht Referenzflächen für die Entwicklung eines ökologischen Grünflächenmanagements in der Stadt.