Wernigerode l Hinter den Kulissen versteht sich Franz Xaver Schlecht gut mit Lena Kutzner – ganz anders auf der Bühne. Sie singt in der Oper „Faust“ die Margarete, er ihren Bruder. Als Valentin wendet er sich von seiner Schwester ab, verdammt sie sogar. Am Ende wird sie hingerichtet. In dem Stück von Charles Gounod ist Valentin der, der in der Gemeinschaft für Moral und sittliche Ordnung sorgt.

„Valentin ist für einen Bariton eine wunderschöne Rolle“, sagt Franz Xaver Schlecht. Deshalb musste er auch nicht lange überlegen, als ihm der Part bei den Wernigeröder Schlossfestspielen angeboten wurde. „Ich habe zwar nicht viel zu singen. Aber das, was ich singe, ist schön.“ Besonders berührend ist für ihn die Arie im zweiten Akt, wenn Valentin, bevor er in die Schlacht zieht, Gott um Schutz für Margarete bittet. „Da lege ich mein ganzes Herzblut hinein“, sagt der sympathische Sänger.

Vom Dorf in Bayern nach Indien

Seit seinem sechsten Lebensjahr steht der gebürtige Bayer auf der Bühne. Im Bauerntheater seines Heimatdorfes sammelte er seine ersten Erfahrungen, in der Kirche kam er mit dem Gesang in Berührung. Wenn es nach seinem Opa gegangen wäre, hätte er eigentlich das Orgelspiel erlernen sollen. „An dem Instrument habe ich zwei linke Hände“, sagt der 35-Jährige schmunzelnd. „Deshalb habe ich in der Kirche die Psalme gesungen.“

Auch wenn er mit 18 Jahren der Bayrischen Singakademie beitrat – „damals war ich mir nicht sicher, ob die Musik der richtige Weg für mich ist“. Nach der Schule wollte Schlecht erst einmal so weit wie möglich weg aus der bayrischen Provinz. Er brauchte eine Auszeit – um sich als Mensch zu finden und auch um sich über seine berufliche Zukunft klar zu werden.

Es verschlug ihn für ein Jahr nach Indien, wo er seinen Wehrersatzdienst ableistete. „Dort habe ich mich um indische Straßenkinder gekümmert“, erinnert er sich. „Unter anderem habe ich ihnen deutsche Volkslieder vorgesungen.“ Das habe ihn schließlich in seinem Wunsch bestärkt, Sänger zu werden. Nach seiner Rückkehr in Deutschland studierte er Gesang an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg.

Ab September am Landestheater Coburg

2009 debütierte er als Figaro an der Oper in Leipzig. Inzwischen hat sich der Bayer mit den wichtigsten Rollen des lyrischen Fachs einen Namen gemacht, unter anderem als Alfonso in Mozarts „Cosi fan tutte“, Conte Almaviva in „Le nozze di Figaro“ und Dandini in Rossinis „La Cenerentola“. Als junger Bariton sei es für ihn oftmals schwierig, die passenden Rollen zu finden, sagt Franz Xaver Schlecht. Die Stimme entwickle sich noch, ihr fehle die nötige Reife. Erst ab Mitte 40 könne man als Bariton wirklich überzeugen. Seit seinem Studium habe er sich mehr oder weniger von Rolle zu Rolle gesungen – ohne ein festes Engagement. Damit soll nach den Wernigeröder Schlossfestspielen Schluss sein. Ab September ist er Ensemblemitglied im Landestheater Coburg. In der kommenden Saison ist er als Papageno in der „Zauberflöte“ und in „Le nozze di Figaro“ zu sehen.