Wernigerode l Er könnte vor Wut glatt in den Tischtennis-Schläger beißen. „Aber der kann ja nichts dafür“, sagt Bernhard Klinge, schaut auf seine „Kelle“ und entscheidet sich, die Trainingsstunde mit den Kindern fortzusetzen. Stein des Anstoßes für seine Wut sind ein Knöllchen und das Gefühl, „vom Rathaus veräppelt zu werden“, wie der Wernigeröder im Volksstimme-Gespräch sagt. Auf seine jüngste „Auseinandersetzung“ mit dem Ordnungsamt „hat man mir als ehrenamtlichen Sportfunktionär sogar mit einem Gerichtsverfahren gedroht“, macht sich der 70-Jährige Luft.

Seit 1990 im Sportbereich aktiv

Seit 1990 ist Bernhard Klinge Vorsitzender des Harzer Sportvereins Wernigerode (HSV). Im HSV treiben aktuell rund 400 Mitglieder in unterschiedlichen Abteilungen Sport. Klinge hat den Vorsitz inne, daneben ist er Übungsleiter der Abteilung Tischtennis, trainiert vom Kinder- bis zum Erwachsenenbereich die Aktiven.

Bislang in der Sporthalle der Berufsschule in der Feldstraße. Diese Halle wird seit vorigem Sommer saniert und ist geschlossen. Als Ausweichquartier steht den HSV-Tischtennis-Spielern nun die Turnhalle der Rabe-Schule – sie gehört zum Gerhart-Hauptmann-Gymnasium – zur Verfügung.

Bilder

Alternativen inakzeptabel

„Das ist gut und schön, doch die Parkerei gegenüber der Turnhalle in der Pfarrstraße ein Problem“, sagt Klinge. Dieser Sackgassenabschnitt ist als Anwohner-Parkbereich ausgeschildert. Daraufhin habe er öfters mit dem Ordnungsamt telefoniert, um eine Lösung zu finden. Ihm sei vorgeschlagen worden, entweder eine Anwohner-Parkkarte beim Amt käuflich zu erwerben, sein Auto im Parkhaus neben dem HKK-Hotel abzustellen oder sich irgendwo in der Stadt einen kostenlosen Parkplatz zu suchen.

Die Anwohner-Alternative lehnt Klinge ab: „Das ist doch Schmuh, ich bin kein Anwohner.“ Das Parkhaus, wo das Tagesticket drei Euro koste, komme für ihn aus zwei Gründen nicht in Frage: „Bei dreimal Training pro Woche, kann sich jeder ausrechnen, was mir meine ehrenamtliche Tätigkeit dann kosten würde.“ Außerdem müsse er aus Sicherheitsgründen in unmittelbarer Nähe der Trainingsstätte parken. „Verletzt sich ein Kind, kann ich es schnell ins Krankenhaus fahren“, nennt Klinge ein Beispiel.

Genehmigung für drei Tage das Ziel

Deshalb sei für ihn auch Vorschlag Nummer drei, sich einen kostenlosen Parkplatz in der Stadt zu suchen, „völlig unakzeptabel“. Klinge unterstreicht seinen Wunsch: „Ich möchte eine Genehmigung vom Amt, um an drei Tagen in der Woche ab 16 Uhr in der Pfarrstraße/Sackgasse kostenlos zu parken.“

Diese hat Bernhard Klinge nicht bekommen, das erste Knöllchen ließ nicht lange auf sich warten. Sein Widerspruch auf das Zehn-Euro-Ticket wurde vom Ordnungsamt abgelehnt, sein Bußgeldbescheid erhöhte sich fast um das Vierfache.

Streit um zwei Knöllchen

Den zweiten Bescheid erhielt er dann Mitte Januar. Daraufhin habe er den Oberbürgermeister geschrieben, seine Situation geschildert und ihn gebeten, ihm das kostenlose Parken zu ermöglichen. „Der OB hat bis heute nicht geantwortet“, hadert Klinge, „dafür wurde mir vom Ordnungsamt mitgeteilt, dass man den Bußgeldbescheid nicht zurücknehmen kann und den Fall der hiesigen Staatsanwaltschaft übergibt.“

Für den Trainer steht fest: „Ich akzeptiere das Knöllchen nicht. Mir geht es nun ums Prinzip.“ Welches Prinzip? Aus Sicht des Bestraften sei es „ein Witz“, die Sackgasse der Pfarrstraße für Anwohner freizuhalten, da sich dort neben einer Eisdiele lediglich drei Grundstücke befinden und diese sogar Einfahrten und eigene Stellplätze hätten. „Welche Anwohner, frage ich also. Vielmehr parken dort tagsüber viele Lehrer – klar mit Sondergenehmigung.“ Aber, so Klinge weiter, „sie sind am Nachmittag weg. Dann gibt es dort viel Platz für wenig Anwohner. Und dafür soll ich bezahlen?“

Stadt sieht bislang wenig Möglichkeiten

Eine andere Möglichkeit sieht Ordnungsamtsleiterin Anja Münzberger aber nicht. „Schon wegen der Gleichbehandlung.“ Die Lehrer bezahlten für ihre Sondergenehmigung vom Ordnungsamt im Jahr 51,20 Euro. Solche Genehmigungen gebe es auch schon für Tischtennis-Übungsleiter des Wernigeröder Sportvereins Rot-Weiß. Auf Klinges Kritik, der diesen Anwohner-Parkplatz als solchen in Frage stellt, sagt Anja Münzberg: „Sicher lohnt es sich zu prüfen, zumal wir das Parkkonzept überarbeiten wollen.“ Es werde jedoch keinen „Schnellschuss geben“.

Und was den konkreten Fall Bernhard Klinge betrifft? „Hier sind wir dabei, Kontakt zu ihm aufzunehmen, um nochmals ins Gespräch zu kommen“, so die Amtsleiterin.