Wernigerode l „Pferde sind schon immer meine Leidenschaft“, schwärmt Lukas Paulix. Als Kind habe er angefangen, bei Tanja Gräfling vom Cattenstedter Parforcejagd-Reitverein Reiten zu lernen. Mit seinem ersten eigenen Pferd nahm er früh erfolgreich an kleineren Turnieren teil. Richtig großen Erfolg erzielte er dann aber als junger Pferdezüchter.

„Eigentlich wollte ich nur mein Pferd reiten“, begründete der gebürtige Cattenstedter sein anfängliches Desinteresse an der Pferdezucht. Tanja Gräfling habe ihn dann durch ihre eigene Zucht von Reitponys zu den Jungzüchtern gebracht.

„Ohne Pferdezucht gibt es keinen Pferdesport und anders herum“, sagt Lukas Paulix. Ziel sei es im Leistungspferdesport, immer bessere Pferde hervorzubringen. Dass dies in Deutschland gut gelingt, zeigen die Erfolge deutscher Reiter und Gespannfahrer auf internationalen Turnieren und bei den Olympischen Spielen.

Gefragt sind zunehmend Pferde für den Breitensport, denn Reiten ist längst kein Sport mehr für Gutbetuchte. In den letzten 20 Jahren habe sich die Zahl der Reitvereine in im Harz mehr als verdoppelt, so Lukas Paulix.

Erfahrungen gefragt

Oftmals berät der Pferdenarr Reiter beim Kauf eines Tieres. Hier ist sein Wissen als mehrmaliger Kreismeister im Harz und in der Altmark, Silbermedaillengewinner im Team des Zuchtverbandes Brandenburg-Anhalt bei den Deutschen Meisterschaften 2016 in Graditz und Gewinner der Süddeutschen Meisterschaften in Moritzburg gefragt. Höhepunkt seiner Karriere war der dritte Platz der Jungzüchtermannschaft Brandenburg-Anhalt bei den Weltmeisterschaften in England im Jahr 2016. Und auch 2017 will er sich wieder mit den Besten messen.

„Es war erst gar nicht sicher, ob wir vom 20. bis 22. Juli zu den Weltmeisterschaften nach Calgary fahren können“, berichtet Paulix. „Die Reise ist mit hohen Kosten verbunden, und wir haben keine großen Sponsoren.“

Groß sei die Freude bei ihm und dem Zuchtverband gewesen, als sie im Februar eine Einladung vom Minister für Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Jörg Vogelsänger, erhielten. „Er überreichte uns einen Scheck über 15.000 Euro aus dem Fördertopf von Lotto Toto.“ Der Pferdezuchtverband Brandenburg-Anhalt steuerte den Rest des notwendigen Geldes bei.

Lukas Paulix und seine Teamkollegen Linda Bebe, Christian Wachtel und Theodor Grüber (Altersklasse bis 19 Jahre) sowie in der Altersklasse bis 25 Jahre Henning Dressel, Theresa Jürgens, Hanna Edler und Lisa Wachtel bereiten sich nun intensiv auf die Weltmeisterschaften in Calgary vor. Unterstützt werden sie dabei von den Züchtern des Verbandes.

Denn ältere Züchter setzen gerne auf die Unterstützung der jungen Pferdezüchter bei Leistungsprüfungen. Sie stellen die zu bewertenden Pferde vor. So können sie ihren Blick fürs Pferd schulen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Außerdem waren neben den Trainingstagen die bisherigen Wettbewerbe – wie die Zuchtverbandsmeisterschaft in Neustadt/Dose und die Deutschen Meisterschaften in Wackrath – eine gute Vorbereitung. Ständiger Gast ist Lukas Paulix auch im Zuchtstall der FBH Stables GmbH in Wernigerode.

Prüfung in Englisch

Die Prüfungen für die Weltmeisterschaften bestehen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. In der Theorie müssen die jungen Pferdezüchter fundierte Kenntnisse über Anforderungen an für die Zucht geeignete Stuten und Hengste nachweisen. Im praktischen Teil muss jeder Teilnehmer drei ausgeloste Pferde bewerten. Dabei wird das äußere Erscheinungsbild des Pferdes sowie im Freispringen, dem Springen ohne Reiter, und beim Vormustern im Stand, Schritt und Trab anhand eines Katalogs mit Punkten beurteilt.

Parallel beurteilt ein internationaler Zuchtrichter das Pferd. Aus den Unterschieden der Punkte des WM-Teilnehmers und des Zuchtrichters wird das Ergebnis errechnet. Die Prüfungen werden in englischer Sprache absolviert.