Wernigerode l Exotische Pflanzen, tropische Hitze. Der Ort ist nicht etwa ein Urwald am anderen Ende der Welt, sondern ein Gewächshaus in Wernigerode. Es ist eines von dreien, die Dieter Ramme in seinem Garten in Wernigerode aufgestellt hat. Darin befinden sich seine Schätze: tropische Orchideen. Diese stammen alle aus seiner eigenen Züchtung. „Das ist nur das Ausstellungshaus“, sagt Ramme bescheiden.

Die richtige Arbeit an den Pflanzen geschieht jedoch im Verborgenen. In seinem Keller hat sich Ramme ein Labor eingerichtet. „Im Gegensatz zu anderen Pflanzen können Orchideen nicht ausgesät werden“, erklärt der Hobby-Gärtner. „Sie brauchen dazu einen Pilz.“

Mit einem Nährboden wird dieser im Labor nachgeahmt. Mithilfe von Agar, Zucker, Calcium und Eisen werden die Orchideen in Glaskolben umgesetzt und anschließend mit Ananas-Saft gegossen, da dieser besonders viel Zucker enthält. Gegossen wird die Orchidee später von Dieter Ramme nur mit Regenwasser, weil es nicht so kalkhaltig ist.

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Brutschrank für Setzlinge

In seinem Ausstellungshaus hat er einen Brutschrank, indem die Setzlinge für künftige Orchideen aufbewahrt werden.

Angefangen mit der Orchideenzucht hat er 1972. „Damals waren wir viele Orchideenzüchter im Harz“, so Ramme, „auch junge Leute waren dabei.“ Doch nach der Wende seien sie plötzlich alle gegangen. Die Leidenschaft für die Orchideen ist bei ihm trotzdem geblieben. Sein Liebling unter den Pflanzen ist die Phallaenopsis, die Hausfrauenorchidee genannt wird. Grund dafür ist die leichte Pflege dieser Pflanze. Diese ist gut in der Wohnung zu halten. Die anderen Orchideen bedürfen tropischer Hitze. Deshalb herrschen Sommer wie Winter 30 Grad in den Rammeschen Gewächshäusern. Das ist nötig, denn die Hauptblütezeit der meisten Orchideenarten ist im Februar. Das Wissen um die Orchideen fing bei Dieter Ramme mit einem Buch an. Seine Frau hatte es ihm gekauft.

Heute ist der 80-Jährige mit der 74-jährigen Blankenburgerin Elke Scholz zusammen. Sie war vor vier Jahren nach Wernigerode gezogen. Wie Ramme ist sie verwitwet. „Durch einen glücklichen Zufall haben wir uns in Wernigerode kennengelernt“, sagt Elke Scholz und beide schmunzeln. Mehr wollen sie aber über ihr Kennenlernen nicht verraten.

Elke Scholz unterstützt ihren Partner sehr in der Zucht. An den Orchideen schätzen sie nicht nur deren exotisches Aussehen, sondern vor allem den intensiven Duft.

Pflanzen nur als Geschenk

Doch zwei Anhänger sind nicht genug für Dieter Ramme. Er vermisst beim Züchten die Gemeinschaft, den gegenseitigen Austausch, das Fachsimpeln und das gemeinsame Bestaunen besonders schöner Blüten. „Vielleicht finden sich ja noch ein paar interessierte Leute, wünschen würde ich es mir auf jeden Fall“, sagt er. Dieter Ramme selbst bietet seine Pflanzen übrigens nicht zum Verkauf an. „Es sind Geschenke für Freunde und Verwandte.“

wer Interesse am Austausch zur Orchideenzucht hat oder sich die Blüten einmal anschauen möchte, kann sich bei Elke Scholz und Dieter Ramme telefonisch melden unter: (0 39 43) 63 21 97