Ungewöhnliche Pflanzaktion im Lustgarten und an der Lindenallee

Premiere: Maschine steckt tausende Blumenzwiebeln

Von Ingmar Mehlhose

Die bunte Stadt am Harz kann ihrem guten Ruf auch im nächsten Frühjahr wieder gerecht werden. Dafür rollte gestern erstmals Technik aus Holland durch den Lustgarten und an der Lindenallee entlang. 26 000 Blumenzwiebeln wurden per Maschine in den Boden gesteckt. Im Minutentakt.

Wernigerode. Was da gestern Morgen leise durch den vom Regen durchweichten Lustgarten tuckert, sieht auf den ersten Blick aus wie ein etwas zu groß geratener Rasentraktor. Wäre da nicht der Anhänger mit seinem trichterförmigen Aufbau.

Frank Schmidt hat diese Maschine erstmals gechartert. 26 000 Blumenzwiebeln im Wert von 3800 Euro werden damit in die Erde gesteckt. Wernigerodes Gartenamtsleiter: "Per Hand würden wir dafür sonst Wochen brauchen." Die Technik aus den Niederlanden erledigt diese Arbeit wesentlich schneller. Im Park und an der Lindenallee. Ursprünglich sollte eigentlich der Kreisverkehr am Seigerhüttenweg bepflanzt werden. Dafür ist dort allerdings der Radius für das überlange Gefährt zu eng.

"Die Technologie ist absolut überzeugend"

Frank Schmidt hatte in einer Fachzeitschrift "einen kleinen Hinweis" auf die Maschine gefunden und sich daraufhin einen Prospekt der Firma besorgt. Der Gartenamtschef: "Die Technologie ist absolut überzeugend." Nicht nur wegen der hohen Stückzahlen, sondern auch, weil die Zwiebeln gleichmäßig tief in die Erde gelangen. Schmidt: "Manuell würde man das nie so hinkriegen." Für die im Lustgarten ausgesuchte "perfekte Mischung aus Tulpen und Krokussen" genügen etwa fünf bis sechs Zentimeter.

Möglich wären sogar zehn Zentimeter, erläutert Mark Zweers. Der Holländer steuert den Trecker behutsam über die Wiese. Pro Fuhre könnte er theoretisch 15 000 Krokusse "aussäen". Bei großen Narzissen passten 3000 Stück in den Trichter.

"Das funktioniert ungefähr so wie bei einer Kartoffellegemaschine", beschreibt Jolanda van Amerom den Vorgang. Sie ist Beraterin der in Ursem beheimateten Herstellerfirma für die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Zwiebeln werden über ein Förderband geführt. Dessen Geschwindigkeit ist regulierbar. Liegen sie in der Furche, "fällt die Grasnarbe wieder zusammen". Diese Technik gibt es bereits seit beinahe 20 Jahren, sagt Jolanda van Amerom. In Deutschland wird sie zwar noch selten eingesetzt. Dafür aber in Frankreich und Skandinavien. Eine mit solch einer Maschine angelegte Schauoase soll auf der Landesgartenschau in Norderstedt zu bestaunen sein. Schleswig-Holsteins fünftgrößte Stadt fungiert dafür vom 21. April bis zum 9. Oktober 2011 als Ausrichter.

Frank Schmidt will sich "überraschen lassen im nächsten Frühjahr". Allerdings ist er bereits überzeugt, "das wird eine supertolle Rabatte, mit der wir keine Arbeit haben". Und: "Die Holländer sind perfekt. Eben die Weltmeister bei der Blumenzucht." Außerdem garantiert der Anbieter eine Haltbarkeitsdauer von sieben Jahren. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das auch ein wichtiger Aspekt.

Jolanda van Amerom und Mark Zweers müssen weiter. Zur Glasmanufaktur nach Derenburg. Dort sollen am Vormittag sogar 28 000 Blumenzwiebeln gesteckt werden.

Zuvor verrät die Beraterin noch: "Das hier ist eine Premiere für Sachsen-Anhalt." Dabei muss es aber nicht bleiben. Kollegen von Frank Schmidt aus Quedlinburg haben bereits ihr Interesse bekundet. Für 2011.