Wernigerode l Eberhard Schaberich ist ein Mann, der kein Blatt vor dem Mund nimmt. Erst recht nicht, wenn ihm der Kragen geplatzt ist. „Schauen Sie sich mal die schlimmste Dreckecke der Stadt an“, empfiehlt der Wernigeröder der Volksstimme-Redaktion. Es sei die Straße Am Bruchanger, am Rande des Gewerbegebietes Nord-West. In der Stichstraße, an der die Firmen KSM und Ascopharm angrenzen, würden immer wieder Fernfahrer ihre Lkw parken, um Ruhezeiten einzuhalten. Es werde gespeist und getrunken, der Müll lande rechts und links des illegalen Parkareals im Gebüsch. Schlimmer noch, auch mit Fäkalien seien Grünstreifen und eine Wiese übersät. „Es ist echt beschissen dort“, empört sich Schaberich.

Eine Stippvisite bestätigt die Schilderung unseres Lesers. An diesem frühen Nachmittag stehen Am Bruchanger drei Laster, zwei mit ungarischem Kennzeichen, einer ist aus dem Burgenlandkreis. Während zwei Fahrer abwinken, ist einer bereit, der Volksstimme Rede und Antwort zu stehen. Nur seinen Namen möchte er nicht sagen, auch „bitte kein Foto“. Im gebrochenen Deutsch schildert der Mann den Vorzug, im Gewerbepark die Ruhezeit einzulegen: „Kein Krach, genügend Platz, schöne Landschaft.“

Auf die Verunreinigungen, die sich im Gebüsch am Straßenrand befinden, angesprochen, zuckt der Fernfahrer mit den Schultern und sagt, dass er so etwas nicht tue. Warum er nicht die Parkplätze „Brockenblick“ oder „Hasenwinkel“ an der Autobahn 36 nutzt? „Zu laut für schlafen, immer Krach“, sagt der Ungar.

Bilder

Wernigeröder fordert Stadt zum Handeln auf

Ewald Schaberich woll den Fokus seines Zorns nicht auf die Jungs in den Fernlastern lenken. Er habe sogar Verständnis, dass sie lieber solch ein idyllisches Plätzchen nahe dem Köhlerteich zum Ausruhen aufsuchen, vor allem am Wochenenden. „Doch wenn die Stadt das scheinbar duldet, denn Am Bruchanger besteht beidseitig Halteverbot, dann sollte sie sich auch für die Sauberkeit verantwortlich fühlen.“

Beispielsweise könnten Müllbehälter und ein Dixiklo aufgestellt werden. „Wehret den Anfängen“, mahnt Schaberich in Hinblick auf die Zunahme des Schwerlastverkehrs durch die Aufstufung der B6 zur A36 und der Tatsache, wo ein Häufchen liegt, werfen andere gern ihren Müll hinzu. „Es sind sicher nicht nur die Fernfahrer, die all die Dosen, Flaschen und Plastikverpackungen in die Natur geworfen haben.“

Schaberich und die Geschäftsführung von Ascopharm hatten die Verunreinigung im Ordnungsamt angezeigt. Die Antworten gleichen sich mit jener, die auch die Volksstimme auf Anfrage bekommen hat. Fazit: Das Ordnungsamt habe bislang keinen Handlungsbedarf gesehen, weil aus seiner Sicht nur ab und zu Am Bruchanger Lastkraftwagen stehen würden. Beschwerden über Vermüllung habe es in jüngster Zeit nicht gegeben. Und außerdem sieht die Stadt die Grundstückseigentümer in der Pflicht, für Sauberkeit zu sorgen.

Unternehmen fühlen sich nicht verantwortlich

Ewald Schaberich war über die Reaktion der Stadt „schwer enttäuscht“. Bei Ascopharm mit einem Vorzeige-Grün auf dem Firmengelände, das von einem Betriebsgärtner gehegt und gepflegt wird, hegt man derweil noch Hoffnung, dass sich etwas tut.

Bei KSM fühlt man sich für die Müllbeseitigung nicht verantwortlich. Der Unrat liegt vor dem eingezäunten Grundstück des Automobilzulieferers. Andererseits hatte KSM vor Jahren schon dafür gesorgt, dass eine ungenutzte Firmenfläche nicht mehr von Lastern befahren werden kann. Vielmehr sei die Stadt in der Pflicht, zumal Am Bruchanger das Parken nicht erlaubt ist, heißt es auf Nachfrage.