Wernigerode l Wernigerodes Altstadtkreisel rostet vor sich hin. Hier ein brauner Fleck auf der Fußgängerbrücke, da eine Roststelle. Die Schadstellen auf der Oberfläche des Gehwegs seien bei einer Überprüfung der Brücke entdeckt worden, informiert Rathaussprecher Tobias Kascha. „Das Brückenbauwerk ist eine Konstruktion aus Stahl.“ Die Oberfläche sei eine Verschleißschicht. Wenn sich diese abnutze, könne es zu Rostbildung kommen.

Deshalb soll die Fußgängerbrücke saniert werden. Die beschädigte Oberfläche müsse mit einem Stahlkugelstrahler erst abgetragen werden, informiert Kascha „Im Anschluss werden die notwendigen Schichten aufgetragen.“ Die Aufarbeitung gehöre in regelmäßigen Abständen von zehn Jahren zu den ganz normalen Unterhaltungsaufwendungen einer Brücke.

Kein Bautermin

Eine Fachfirma ist bereits gefunden. Das Ausschreibungsergebnis lag mit 26.000 Euro sogar unter der Kostenschätzung der Stadtverwaltung. Bloß wann gebaut wird, ist die Frage.

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Eigentlich sollten die Arbeiten in der zweiten August-Hälfte beginnen und nach zwei Wochen abgeschlossen sein, hieß es noch vor einigen Tagen aus der Stadtverwaltung. Das ist jetzt jedoch nicht mehr aktuell.

Komplexität unterschätzt

Grund ist die erforderliche Umleitung des Fußgänger- und Radverkehrs. Denn die Brücke muss während der Bauarbeiten für zwei Wochen voll gesperrt werden. „Uns ist die Komplexität der Umleitung erst jetzt bewusst geworden“, so der Rathaussprecher.

Mit der Diesterweg-Grundschule, dem Gerhart-Hauptmann-Gymnasium und der Müntzer-Sekundarschule liegen gleich drei Schulen in unmittelbarer Nähe des Altstadtkreisels. Das heißt, etliche Kinder- und Jugendliche überqueren die Brücke täglich, um zur Schule und wieder nach Hause zu gelangen. Auch sonst wird die Brücke, unter der sich nicht nur eine unterirdischen Kreuzung, sondern auch die Bahngleisen befinden, sehr gern von Radfahrern und Passanten genutzt.

Die kürzeste Umleitungsstrecke würde durch die Bahnhofsunterführung führen. „Wir haben dazu eine Anfrage an die Deutsche Bahn gestellt und warten auf die Antwort“, so Kascha. Eine Umleitung über die Schmatzfelder Chaussee oder den Veckenstedter Weg wäre bedeutend länger. „Wir überlegen gerade intensiv, wie wir es hinbekommen. Wir prüfen in alle Richtungen.“

Teilsperrung nicht möglich

Laut Kascha habe bereits eine Verkehrszählung stattgefunden. „Wir wollen sehen, wie häufig die Brücke genutzt wird. Diese Verkehrsachse ist einfach für die Stadt zu wichtig, als dass wir da eine schnelle Entscheidung treffen.“ Eine Teilsperrung käme nicht in Frage. „Wenn wir halbseitig bauen, würden Fugen entstehen, in die verstärkt Wasser eintreten kann.“

Wann die Bauarbeiten starten, und auch ob in diesem Jahr überhaupt noch gebaut wird, kann Tobias Kascha im Moment nicht sagen. Die Arbeiten seien aber in jedem Fall notwendig.

Hintergrund: Der Bau des Altstadtkreisel mit unterirdischer Kreuzung und Fußgängerbrücke war von 2004 bis 2006 ein Gemeinschaftsprojekt von Bund, Land, Deutscher Bahn, Harzer Schmalspurbahnen und der Stadt Wernigerode. Bei insgesamt rund 32,4 Millionen Euro Gesamtkosten musste Wernigerode rund 2,7 Millionen Euro aufbringen.