Landtagswahl

Reserveoffizier aus Blankenburg mit politischen Ambitionen

Bei der Landtagswahl kämpfen am 6. Juni im Wahlkreis 15 (Blankenburg) sieben Direktkandidaten um die Gunst der Wähler. Die Volksstimme stellt die Kandidaten und ihre Ziele vor. Für die AfD geht der 43-jährige Christian Brandt aus Cattenstedt ins Rennen.

Von Jens Müller
Christian Brandt an einem seiner Lieblingsplätze: Am Braunschweiger Löwen im Blankenburger Barockgarten. Der 43-Jährige bewirbt sich für die AfD um ein Direktmandat für den Landtag im Wahlkreis 15 - Blankenburg, Ilsenburg, Nordharz, Osterwiek.
Christian Brandt an einem seiner Lieblingsplätze: Am Braunschweiger Löwen im Blankenburger Barockgarten. Der 43-Jährige bewirbt sich für die AfD um ein Direktmandat für den Landtag im Wahlkreis 15 - Blankenburg, Ilsenburg, Nordharz, Osterwiek. Foto: Jens Müller

Cattenstedt - „Der Schlossgarten war unser“, sagt Christian Brandt und schwingt sich auf die Bronzefigur des Braunschweiger Löwen im Blankenburger Terrassengarten. In Kindertagen war das Areal für ihn und seinen Bruder ein großer Abenteuerspielplatz. Dafür mussten sie auch nur ein paar Schritte vor die Tür gehen. „Wir sind am Schnappelberg aufgewachsen und haben damals direkt neben dem Kleinen Schloss gewohnt“, erzählt Christian Brandt. Auch wenn er nach dem Abitur im Gymnasium „Am Thie“, der anschließenden Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr und der vohergehenden Ausbildung zum Fluggerätemechaniker inzwischen als Zivilangestellter der Bundeswehr in Munster arbeitet, sei er seiner Harzer Heimat immer verbunden geblieben. „Wenn ich frei habe, fahre ich immer nach Hause,“ sagt der 43-Jährige. Und das ist seit einigen Jahren bereits der Ortsteil Cattenstedt, wo er mit seinen Eltern unter einem Dach lebt.

Kreisgeschäftsstelle im Ferienbungalow

„Ich möchte ihnen auch etwas davon zurückgeben, was sie mir haben zukommen lassen“, sagt Brandt, der auch nach wie vor von seinen Eltern unterstützt wird. So dient beispielsweise ein ursprünglich als Ferienwohnung eingerichteter Bungalow auf dem Familiengrundstück als Kreisgeschäftsstelle der AfD.

Während er in seiner Freizeit schon einige Sportarten ausprobiert hat – von Judo über Tennis, Badminton und American Football bis hin zum Rennrodeln – ist Christian Brandt begeisterter Downhill-Fahrer geblieben. „Das haben wir früher schon am Vogelherd gemacht – nur ohne Federung“, scherzt der Fahrradfan. Eine zweite Leidenschaft gilt zudem zwei schwarzen VW Golf – Baujahr 1993 und 94. „Die sind bald Oldtimer“, freut sich der Christian Brandt über die beiden Autos, wobei er an einem besonders hängt: „Es ist das erste, das ich mir nach der Lehre selbst gekauft habe. Ich schraube regelmäßig an den Fahrzeugen.“ Technik fasziniere ihn einfach. Ebenso wie uniformierte Berufsgruppen. „Ich wollte schon immer Soldat, Polizist oder Feuerwehrmann werden“, erzählt Brandt.

Bundeswehr-Karriere mit Hürden

Das spiegelt sich auch in seinem beruflichen Werdegang wieder. Nach dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr begann er zunächst 1998 eine Elektrikerausbildung in Blankenburg. Als sich im Jahr darauf die Möglichkeit ergab, doch noch länger zur Bundeswehr zu gehen, schlug er die Offizierslaufbahn ein, ließ sich zum Luftfahrzeugtechniker ausbilden und war danach auf dem Heeresflugplatz Celle für Infrastruktur und Sicherheit zuständig.

Zurück ins zivile Leben

Ursprünglich wollte er auch die Dienstzeit als Zeitsoldat weiter verlängern, Maschinenbau oder Politik und Geschichte studieren, doch durch die Umstrukturierungen innerhalb der Bundeswehr schlugen diese Versuche fehl. „Mehrere Anträge wurden abgelehnt“, so Brandt, der stattdessen das Angebot der Bundeswehr annahm, als ziviler Angestellter einen Dienstposten im Ausbildungszentrum Munster zu bekleiden: als Kraftfahrer für Gefechtsfahrzeuge für die dortigen Offiziersanwärter. Sein Ziel, sich weiterzubilden, habe er aber nicht aus den Augen verloren: So strebe er aktuell eine mittlere oder gehobene Verwaltungsausbildung an, wenn möglich von Blankenburg aus.

Flüchtlingskrise Auslöser für politisches Engagement

Unabhängig davon möchte Christian Brandt aber ein Landtagsmandat für seine Partei erringen, für die er seit 2016 aktiv ist. „Auslöser war damals die Flüchtlingskrise, als am 4. September 2015 die Grenzen geöffnet wurden“, blickt Brandt zurück. Als schließlich zur Landtagswahl 2016 in Blankenburg die AfD keinen Direktkandidaten aufgestellt hatte, sei für ihn ein Punkt erreicht gewesen, sich politisch zu engagieren. 2018 wurde er auf Anhieb zum Kreisvorsitzenden gewählt. Seit 2020 ist er Vize-Chef des 123 Mitglieder zählenden Harzer Kreisverbandes der AfD – jener Partei, die vor allem durch den als rechtsextremistisch eingestuften und offiziell aufgelösten „Flügel“ für Negativ-Schlagzeilen sorgt.

Plakate selbst aufgehängt

Christian Brandt störe besonders, dass damit medial gleich alle Parteimitglieder in die rechte Ecke gestellt würden. „Das kann man so pauschal einfach nicht sagen“, betont er und beschreibt sich selbst als offenen, neutralen Menschen. „Ich bin humanistisch und offen erzogen worden. Und so gehe ich auch mit allen Menschen um. Für mich zählt, wer die besseren Argumente hat“, sagt er. Dabei gehe es ihm vor allem um Eigenverantwortung. Das trifft aktuell auf die Corona-Regeln zu. „Ich sehe diese Regeln alle kritisch, halte mich aber immer daran, wenn andere wegen meines ordnungwidrigen Handeln in Regress genommen werden könnten. Ich plädiere deshalb an die Eigenverantwortung jedes Menschen - ob es um das Maske-Tragen oder das Impfen geht.“

Aufruf, wählen zu gehen

Dazu gehöre aber auch, wählen zu gehen. Deshalb habe er T-Shirts bedrucken lassen mit dem Slogan „Deine Stimme zählt – Geht wählen“. „Mich stört einfach die Wahlmüdigkeit der Menschen. Denn wenn man nichts probiert, ändert man auch nichts“, ist Christian Brandt überzeugt. Deshalb möchte er jenen eine Stimme geben, die sich von den anderen Parteien gar nicht oder nicht mehr wahrgenommen fühlen. „Was ich persönlich den anderen Parteien vorwerfe ist, dass sie sich einfach nicht an ihre Wahlversprechen halten. “

Ein großes Problem sei für ihn allerdings der durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkte Wahlkampf. So setze er vor allem auf den Internetauftritt, Plakate und Banner sowie seinen knallroten VW-Bulli als Wahlkampf-Mobil. „Die Plakate habe ich größtenteils selbst aufgehängt – mit Unterstützung von Freunden und Parteimitgliedern. Allerdings haben wir noch nicht geschafft, alle aufzuhängen.“