Stiege l Es ist verstaubt, demoliert und bringt nicht einen einzigen schönen Ton hervor – doch das soll sich bald ändern. Das Druckwindharmonium aus der Stabkirche Stiege soll zu altem Glanz zurückfinden. Ein Hobby-Restaurator hat sich diesem Projekt angenommen.

„Wir waren nah dran, es zu entsorgen“, erzählt Regina Bierwisch vom Stabkirchen-Verein. Denn eine Restauration schien nahezu ausgeschlossen. „Es waren schon einige Leute da, auch Organisten, die am Verhältnis von Aufwand und Nutzen gezweifelt haben“, verrät sie. Denn das Tasteninstrument, das optisch einer kleinen Orgel und funktional einem Akkordeon ähnelt, ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Neben der Zeit haben auch Vandalen ihre Spuren hinterlassen.

Nur ein Zufall verhinderte, dass das Harmonium nicht im Sperrmüll gelandet ist. Eine Archivarin aus Thale, die mit ihrem Mann aus privatem Interesse die Kirche besichtgt habe, habe beim Betrachten des Harmoniums eine Lösung im Sinn gehabt, berichtet Christian Hauf. Sie stellte den Kontakt zu ihm, einem studierten Kirchenmusiker, der seit 2004 an der Grovesmühle in Veckenstedt Musik unterrichtet, her.

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Hobby-Restaurator will Harmonium reparieren

„Ich habe gleich einen Termin ausgemacht und mir das Instrument angeschaut. Das Harmonium ist natürlich ziemlich ramponiert, aber ich denke, dass ich es wieder in Ordnung bringen kann“, meint Christian Hauf. Ein Restaurator ist er zwar nicht, dafür aber als Autodidakt mit Leidenschaft bei der Sache. „Ich bin ein Fan dieser Instrumente, schon von Kindheit an. Mein erstes Harmonium habe ich mit zwölf gehabt. Ich habe auch immer schon dran rumgeschraubt“, erzählt der in Bad Harzburg lebende 51-Jährige.

Was für andere das Motorrad oder Auto ist, sei für ihn das Harmonium. Rund 30 in Mitleidenschaft gezogene Instrumente habe er bereits restauriert, ausschließlich als Privatmann. „Ich möchte sie einfach für Menschen, wie jetzt für den Stabkirchen-Verein, wieder in Ordnung bringen“, sagt der Musiklehrer.

Über die Sommerferien wolle er sich nun dem Harmonium aus der Stabkirche widmen. „Ich kann natürlich nichts versprechen. Ich habe erst einmal grob reingeschaut. Aber die Substanz ist einigermaßen vorhanden, es scheint reparapel zu sein“, schätzt Christian Hauf ein.

Vandalen haben Gehäuse zertreten

Allerdings ist viel zu tun. Der Hobby-Restaurator will das Instrument zunächst komplett demontieren. Balganlage, Windlader, Zungenkasten, Klaviaturrahmen und Registerbrett werden ausgebaut. „Es muss alles gereinigt werden. Es ist verdreckt und stark verrostet“, beschreibt Christian Hauf. „Die Bälge müssen abgedichtet und gegebenenfalls neu beledert werden. Die Filze zum Verdichten der Ventile und die Anschlagfilze der Tasten müssen ersetzt werden. Sie sind im Laufe der Jahre vertrocknet, verrottet und von Motten zerfressen worden.“ Zudem müsse das Gehäuse aufgrund von Vandalismusschäden instand gesetzt werden. „Es ist mit der Kettensäge reingesägt und ein Seitenteil eingetreten worden“, zeigt er sich erschüttert.

Neben der Reparatur wolle Christian Hauf auch der Frage nach Alter und Herkunft nachgehen. Ein Markenschild ist nicht mehr vorhanden, anhand der Bauart könne man aber Schlüsse ziehen. Nach ersten Recherchen könnte das Instrument laut Hauf zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Ernst Hinkel aus Ulm gefertigt worden sein.

Die Restauration will Christian Hauf kostenfrei realisieren. „Es hätte sicher ein paar tausend Euro gekostet, er will es aber als Denkmalretter umsonst machen“, erklärt Regina Bierwisch vom Verein. Selbst das Material wolle er stellen. „Das möchten wir ihm aber bezahlen“, betont sie. Deshalb ruft der Verein zu Spenden auf.