Wienrode/Blankenburg l Für Brigitte Pelz aus Wienrode hat kurz vor Weihnachten ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Die Zustellerin, die rund 450 Haushalte in Cattenstedt und Teilen Wienrodes mit der Volksstimme versorgt hat, ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Und den hat sie sich wahrlich verdient. „Sie ist immer pünktlich und zuverlässig gewesen, hat in den mehr als 20 Jahren nur einmal gefehlt und hatte nie schlechte Laune“, so Hannelore König, Chefin des Dienstleistungscenters DLC in Blankenburg, die sich auch mit einem kleinen Präsent bei ihrer Kollegin bedankte.

Brigitte Pelz, die als gelernte Köchin nach turbulenten Wendejahren über Umwege zur Volksstimme kam, ist Zustellerin aus Leidenschaft, wie sie sagt: „Ich hab das immer gern gemacht.“ Und das jahrein, jahraus, montags bis samstags, von 0.15 bis 5.30 Uhr in der Nacht, später dann sogar bis 8 Uhr morgens. „Nur einmal war ich wirklich außer Gefecht“, erinnert sich die Wienröderin an jene Nacht, in der sie im tief verschneideten Cattenstedt in ein Loch getreten war und sich den Fuß gebrochen hatte.

Selbst Glatteis habe sie nie aufhalten können: „In einer Stichstraße bin ich auf Knien zum Briefkasten gerutscht, um die Zeitungskunden zufriedenzustellen“, erinnert sie sich. Nur beim Hochwasser habe sie einmal passen müssen. „Da bin ich wirklich nicht mehr hingekommen, habe aber einen Zettel geschrieben, dass die Zeitung beim Nachbarn ist. Er hat sich sehr darüber gefreut, dass er seine Zeitung bekommen hat“, so Brigitte Pelz, der über die Jahre das Schicksal mancher Berufskollegen erspart geblieben ist: „Ich bin nicht einmal von einem Hund gebissen worden, aber ich war kurz davor: Die Schnauze war schon am Ärmel“, sagt sie lachend.

Ungewöhnliche Arbeitszeit

Für sie ist es eine reine Einstellungssache, wie jemand an die Sache herangeht. „Denn Schnupfen und Husten hat im Winter jeder.“ Dabei ist nicht nur die ungewöhnliche Arbeitszeit eine Herausforderung. Immerhin hat sie mit der Volksstimme und den regelmäßigen Beilagen auch eine Menge zu tragen. „An drei Tagen mit Prospekten hab ich schon eine knappe Tonne weggeschleppt“, schätzt sie, um gleich wieder anzufügen. „Es hat Spaß gemacht. Ich bin immer gern Zusteller gewesen.“

Doch nun freut sie sich auf ihren Ruhestand, der ebenfalls einiges bereithält. So freut sich Brigitte Pelz mit Ehemann Wolfgang schon auf den nächsten Besuch eines Andrea-Berg-Konzertes. Als aktive Mitglieder des Andrea-Berg-Fanclubs Braunschweig steht unter anderem das große Open-Air in Aspach (Baden-Württemberg) schon fest im Kalender. Und vielleicht steht dann ihre zehnjährige Enkelin mit dem Schlagerstar wieder gemeinsam auf der Bühne.