Schierke l Eine unendliche Geschichte hat doch ein glückliches Ende gefunden. Schierkes Kindergarten ist am Montagnachmittag - und damit mehr als sechs Jahre nach dem Beginn der Sanierung – feierlich eingeweiht worden.

„So einen billigen Kindergarten bauen wir nicht noch mal“, so Wernigerodes Stadtchef Peter Gaffert (parteilos) in seiner Rede. Wobei billig relativ ist. Denn zwei Millionen Euro für eine Sanierung sind nicht wirklich preisgünstig. Wernigerode hatte allerdings das Glück, mit dem Bauprojekt ins Programm „Stadtumbau Ost“ zu rutschen. Dadurch musste die Stadt lediglich 700.000 Euro beisteuern. Der Rest kam als Fördergeld vom Land.

Zeit und Nerven gekostet

Die Modernisierung der Kita hat alle Beteiligten viel Zeit und Nerven gekostet. Das lässt sich nicht verhehlen. Die Arbeiten waren von etlichen Schwierigkeiten geprägt, blickte OB Gaffert zurück. Schierkes Kindergarten ist nämlich bereits seit 2013 Dauerbaustelle. Der Fund einer Gruft in einem der Gruppenräume mit den Überresten eines vor fast 300 Jahren verstorbenen Pfarrers war dabei nur eine Randgeschichte.

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Viel folgenreicher war eine andere Entdeckung: Wie sich erst während der Sanierung herausstellte, hatte das historische Gebäude kein Fundament. Die maroden Außenwände konnten die tonnenschwere Last des Daches kaum noch halten. Dazu kamen Unmengen von Hausschwamm. Der schädliche Pilz hatte sich überall im Gebäude ausgebreitet.

Die beim Baustart eingeplanten Kosten von einer Million Euro reichten bei weitem nicht, verdoppelten sich im Laufe der Arbeiten sogar. Das Verkehrsministerium hatte eine Zweidrittel-Förderung zugesagt. Doch nach der Kostensteigerung stellte sich die Behörde 2017 erst einmal quer. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden. Zu der Zeit stand nicht nur die Finanzierung, sondern das ganze Bauprojekt auf der Kippe. Im Stadtrat wurden Baustopp und Verkauf der Kita erwogen, weil man ein Fass ohne Boden befürchtete. Die Idee fand aber keine Mehrheit. Im Jahr darauf bewilligte das Land weiteres Fördergeld. Nach anderthalbjähriger Baupause konnten die Arbeiten 2018 fortgesetzt und in diesem Jahr beendet werden.

Moderne Gruppenräume

Eltern sei es wichtig zu wissen, dass sich ihre Kinder wohl fühlen, so Staatssekretär Sebastian Putz (CDU) in seinem Grußwort. Das könne er als Vater nachvollziehen. „Im Verkehrsministerium mussten wir nicht lange überlegen. Es ging um Schierke und Wernigerode.“ Die Sanierung sei „mehr als gerechtfertigt und höchste Eisenbahn“ gewesen.

Und wer den Kindergarten noch als Baustelle in Erinnerung hat, der rieb sich am Montag verdutzt die Augen. Das Haus ist nicht wiederzuerkennen. Die Gruppenräume strahlen in den Farben Grün und Orange. Waschräume, Toiletten und Umkleiden sind modern und nigelnagelneu.

Die Kinder, die während der Bauarbeiten im Nachbardorf Elend betreut wurden, haben das Haus schon im Sommer zurück erobert. Die Arbeiten am Außengelände nahmen noch einige Wochen in Anspruch. Auch der Jugendclub wurde inzwischen wiederbelebt.

Dank für Hartnäckigkeit

Kindergartenchefin Katja Tugendheim war die Freude bei der Einweihung anzusehen. „Die ganze Mühe hat sich gelohnt“, sagte sie strahlend. Sie bedankte sich bei allen Beteiligten für ihren Einsatz und für die Hartnäckigkeit, an dem Bauprojekt festzuhalten.

Hintergrund: Das Gebäude in der Alten Dorfstraße war nicht immer Kindergarten, sondern wurde 1691 als Kirche gebaut. 1881 gaben die Schierker das marode Gotteshaus auf und bauten eine neue Kirche. Das Gebäude wurde danach mehrfach vergrößert. Von 1949 bis 1960 wurde es erstmals als Kindergarten sowie als öffentliche Lesehalle und Bibliothek für Touristen genutzt, von 1971 bis 2014 dann wieder als Kindergarten.