Wernigerode l Für die Bewohner der Elisa-Crola-Straße ist es ein Schreck in der Abendstunde. Sturmtief „Victoria“ hat am Sonntagabend in Wernigerode gewütet – auch im Wohngebiet Stadtfeld. Eine Windböe ist so heftig, dass sich gegen 20 Uhr die Dachhaut des Wohnblocks 17 bis 19 löst. Die Bitumenbahn reißt teilweise ab, hängt kurz darauf der Länge nach an der Hausfassade herunter. Ein Schornsteinkopf fällt scheppernd vom Dach des Fünfgeschossers. Das riesige Betonteil kracht auf ein parkendes Auto und verursacht wohl einen Totalschaden. Ein Riesenglück, dass sich zu diesem Zeitpunkt kein Mensch in der Nähe befindet.

Die Schäden in der Elise-Crola-Straße seien „sehr bedauerlich“, sagt Christian Zeigermann, Chef der Gebäude- und Wohnungsbaugesellschaft (GWW) nach der Sturmnacht. Wichtig sei es nun, schnell zu reagieren. „Wir werden vorsorglich alle Dächer unserer Wohnblocks überprüfen lassen, um sicher zu gehen, dass sich nicht weitere Stellen lösen.“ Das beschädigte Dach soll so schnell wie möglich repariert werden. Die abgerissene Bitumenbahn sei inzwischen abgeschnitten worden. „Da besteht keine Gefahr mehr.“ Das Dach sei dicht, sagt Zeigermann. Es sei nur die obere Schicht der Abdeckung betroffen. Alle Mieter seien informiert, das Haus sei weiter bewohnbar.

Elf Einsätze

Parallel habe die GWW Kontakt zum Besitzer des beschädigten Autos aufgenommen. „Das ist eine Versicherungsfrage“, so Zeigermann.

Bilder

Die Elise-Crola-Straße ist am Sonntagabend nur einer von vielen Einsatzorten der Feuerwehr. Allein zwischen 20 und 23 Uhr rücken die Kameraden aus Wernigerode, Benzingerode, Minsleben und Silstedt elf Mal aus. „Mit 53 Mann und zehn Fahrzeugen“, bilanziert Vize-Stadtwehrchef Marco Söchting. Koordiniert werden die Fahrten von der technischen Einsatzleitung im Gerätehaus in Wernigerode.

Dachteile lösen sich

Um 19.56 Uhr sind die Kameraden in Minslebens Hauptstraße gefordert. Dort hat der Sturm die Teerdachpappe eines Wohnhauses komplett von einer Seite auf die andere gewedelt, berichtet Ortswehrleiter Frank Siedenberg. „Wir haben die lose Pappe mit Brettern provisorisch festgenagelt.“ Die Wernigeröder rücken mit der Drehleiter aus, um die Kameraden in Minsleben bei der Sicherung des Daches zu unterstützen. In der Blankenburger Straße in Benzingerode lösen sich ebenfalls Teile einer Dachabdeckung.

Nicht nur Dächer werden in Mitleidenschaft gezogen. Auch viele Bäume halten dem Sturm nicht Stand. Bereits kurz nach 17 Uhr müssen die Schierker Wehrleute ausrücken, weil ein Baum am Stern auf die Straße gekracht ist. Gegen 18.53 Uhr liegt ein weiterer quer über der Brockenstraße. Umgestürzte Bäume auch auf dem Weg zum Wernigeröder Schloss, auf der Landesstraße 100 zwischen Wernigerode und Drei Annen Hohne, auf der Umgehungsstraße zwischen Reddeber und Wernigerode sowie in der Straße Steinesche in Silstedt. In der Johann-Sebastian-Bach-Straße in Wernigerode rollt ein Toilettenhäuschen über die Straße. Zwischen Silstedt und Derenburg wedelt der Sturm den Anhänger eines Pkw um. In der Straße Unter den Lehden wird ein Gartenhäuschen vom Wind zerstört.

Mobil-Toilette scheppert durch Wasserleben

Gegen 21.30 Uhr werden die Kameraden zur Schlachthof-Straße/Ecke Feldstraße gerufen. Vom Altbau der Firma Getriebe- und Antriebstechnik haben sich Teile des Daches gelöst und sind auf die Straße gestürzt. „Viel machen können wir da als Feuerwehr nicht“, sagt Marco Söchting. Die Brandschützer hätten die Feldstraße abgesperrt. Die Schäden müsse nun eine Fachfirma begutachten.

In Ilsenburg und der Gemeinde Nordharz waren es vor allem ganz oder halb umgestürzte Bäume, die für Feuerwehreinsätze sorgten. Schwerpunkt war die Zeit von Sonntag 21 Uhr bis Mitternacht. Gleich doppelt wurde die Ortsfeuerwehr Wasserleben angefordert. Zum einen versperrte gegen 21.45 Uhr ein umgestürzter Baum die Kreisstraße zwischen Wasserleben und Schmatzfeld. Nachdem die Fahrbahn dort wieder frei war, musste in der Ortsmitte von Wasserleben eine durch den Ort scheppernde, zum Glück aber „unbemannte“ Mobiltoilette eingesammelt und sturmsicher abgestellt werden. Schon um 20.35 Uhr waren die Stapelburger im Einsatz. Sie mussten Bäume im Kreuzungsbereich Wasserstraße/Beckerstaße entfernen. Einer war bereits umgestürzt, ein anderer schwankte im Wurzelbereich, sodass auch er zersägt wurde.