Umwelt

Schlingpflanzen stoppen Bootssaison am Stieger See

Sie wachsen von unten herauf und treiben an der Wasseroberfläche: Der Stieger See ist derzeit von grünen Schlingpflanzen durchzogen. Die Gewächse haben die Bootssaison ausgebremst. Nun wollen Kreis und Stadt etwas dagegen unternehmen.

Von Katrin Schröder 24.07.2021, 08:15
Im Stieger See vermehren sich derzeit massenhaft Wasserpflanzen. Deshalb werde in diesem Sommer die Bootssaison buchstäblich ins Wasser fallen.
Im Stieger See vermehren sich derzeit massenhaft Wasserpflanzen. Deshalb werde in diesem Sommer die Bootssaison buchstäblich ins Wasser fallen. Foto: Katrin Schröder

Stiege - Ramona Börsch greift ins Wasser, fischt einige lange, grüne Schlingen heraus. Vor allem der hintere Teil des Sees sei voller Gewächse, die sich in langen Ranken vom Boden bis an die Oberfläche winden. „Wenn da hinein fährt, ist das echt eklig“, sagt die Geschäftsführerin des Unternehmens Crude Harz, die außerdem den Bootsverleih am Stieger See betreibt. „Ständig sprechen mich Leute an und fragen, wann es losgeht“, berichtet die 41-Jährige. Doch wegen der Wasserpflanzen werde die Bootssaison voraussichtlich ins Wasser fallen.

Seit 2019 beobachtet Ramona Börsch das Wachstum der Pflanzen. „Damals war es noch recht wenig.“ Im vergangenen Jahr habe man aber bereits Probleme mit den grünen Ranken gehabt. Im Juli hätten sich Gäste beschwert, dass diese beim Rudern stören. „Wenn die Pflanzen daran hängen bleiben, kann man die Ruder nicht mehr aus dem Wasser heben“, sagt die Unternehmerin. Es bestehe die Gefahr, dass Ruder brechen oder Paddler sie nicht mehr halten können.

Bei den Wasserfahrrädern sehe es nicht besser aus. „Ihre Propeller würde in kürzester Zeit vollhängen und abbrechen“, sagt Ramona Börsch. Standup-Paddeln sei ebenfalls nicht drin: Auch hier bestehe die Gefahr, dass Gäste hängen bleiben und die Gewächse an den Paddeln hängen bleiben.

Abfischen hilft nicht

Um was für Pflanzen es sich handelt, ist nicht ganz klar. Ein Pflanzenbestimmungsprogramm identifiziert es als Krauses Laichkraut, andere glauben, es könnte die Kanadische Wasserpest sein. Klar ist, dass die Pflanzen am Grund des Sees verwurzelt sind. „Es würde daher nichts bringen, sie oben abzufischen“, sagt Ramona Börsch. Bis Ende Juli hätten sie sich im vergangenen Jahr vermehrt. Dann seien sie verwelkt und auf den Boden gesunken, wo sie die Grundlage für noch mehr Wachstum bildeten. „Das ist eine Kette ohne Ende“, sagt sie.

Bereits 2020 habe sich Ramona Börsch an die Oberharz-Stadtverwaltung gewandt, doch in diesem Jahr sei der Befall noch heftiger geworden. Das habe man ebenfalls beobachtet, sagt Ordnungsamtsleiter Roland Krebs. „Die Ursache kennen wir jedoch nicht.“ Auch wenn die Oberharzstadt Eigentümerin der Stieger Seen sei, könne sie das Problem nicht allein lösen. „Da brauchen wir fachlichen Rat.“

In dieser Woche hat es nun einen Vor-Ort-Termin gegeben, an dem Vertreter der Stadt und der Kreisverwaltung, namentlich der Unteren Wasser- sowie der Naturschutzbehörde, und Ortsbürgermeister Marko Brandt (WG Heimat Stiege) teilgenommen haben. Dies teilt die Pressestelle des Harzkreises auf Anfrage mit.

Sauerstoffmangel und Faulschlamm

Bei dem Treffen hätten die Experten demnach festgestellt, dass nicht nur das Pflanzenwachstum zugenommen habe: Es habe auch an Sauerstoff gemangelt, ferner hätten sich Faulgase gebildet. Ähnliches könne man „in unterschiedlicher Intensität“ auch in anderen Seen beobachten.

Gründe dafür könnten laut Aussage der Fachbehörden des Kreises gesunkene Wasserstände und höhere Wassertemperaturen sein, was sich auf die Witterung der vergangenen Jahre zurückführen lasse. Mehr Fischbesatz und damit ein höheres Nährstoffaufkommen könnten ebenfalls für das gesteigerte Pflanzenwachstum verantwortlich sein.

Problematisch sei der Pflanzenbesatz nicht nur für den Bootsverleih. Aus Sicht des Umweltschutzes sei es ebenfalls von Nachteil, wenn mehr abgestorbene Biomasse für Sauerstoffmangel und die Bildung von Faulschlamm sorge.

Absenken und durchfrieren lassen

Am See haben sich die Experten darüber verständigt, was dagegen zu unternehmen sei. Voraussichtlich ab Ende August solle der Wasserstand im See langsam abgesenkt werden. Über den Winter solle dann das defekte Auslaufbauwerk repariert und damit der Wasserstand stabilisiert werden. Im Winter wolle darüber hinaus man den Teichboden durchfrieren lassen und den Raubfischbesatz reduzieren. Zum Frühjahr hin solle der Teich dann erneut mit Wasser gefüllt werden. „Ob weitere Schritte erforderlich sind, hängt vom Erfolg der ersten Maßnahmen ab“, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Die Reparatur des Auslaufbauwerkes soll die Stadt als Eigentümerin des Sees übernehmen. Um die Umsetzung der Fische und Teichmuscheln könnten sich demnach die Angler kümmern. Der Angelsportverein Hasselfelde, zu dem auch Stieger Angler gehören, habe seine Hilfe angeboten, sagt Mitglied Morris Voigtländer. Die Pachtgemeinschaft Stieger Teiche, die das Fischereirecht an den Seen besitzt, sei aber noch nicht einbezogen worden, sagt ihr Vertreter Andreas Kröger. Daher könne man noch keine Stellungnahme dazu abgeben.

Vom Tisch sei damit ein Vorschlag, den Ramona Börsch vom Bootsverleih vorgelegt hatte. Demnach könnte man eigens dafür gezüchtete Mikroorganismen in den Teichboden einbringen, die die organischen Anteile des abgelagerten Schlamms praktisch verzehren würden. Dadurch würde den Schlingpflanzen die Lebensgrundlage entzogen, diese würden sich zurückentwickeln. „Binnen drei Monaten wäre der See wieder klar“, so die Unternehmerin, die dazu das Angebot einer Fachfirma aus Nordrhein-Westfalen eingeholt hatte.

In der Harzer Kreisverwaltung sieht man diese Vorgehensweise indes skeptisch. „Das Verfahren wurde hauptsächlich für kleine Gartenteiche entwickelt“, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage. Für den Stieger Teich sei diese Methode „nicht geeignet“.

Mit bloßem Auge kann man die Wasserpflanzen erkennen, die dicht unter der Wasseroberfläche treiben.
Mit bloßem Auge kann man die Wasserpflanzen erkennen, die dicht unter der Wasseroberfläche treiben.
Foto: Katrin Schröder