Wernigerode l Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) haben ein wichtiges Etappenziel für ihre zukünftige Finanzierung erreicht: Das Unternehmen erhält bis 2024 jährlich mehr als fünf Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt, um Gleise, Weichen, Bahnübergänge, Brücken und Sicherungstechnik zu erneuern. Insgesamt umfasst das Paket 28 Millionen Euro.

Die HSB verpflichten sich gleichzeitig, während der Laufzeit der Finanzierungsmittel mindestens 19,8 Millionen Euro Eigenmittel einzusetzen. In der Summe entspreche der Betrag dem Bedarf für den Erhalt und die Entwicklung der Schmalspur-Infrastruktur im Harz, der in einem Gutachten ermittelt wurde, teilt die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) mit.

Lebendige Geschichte

Wie HSB-Geschäftsführer Matthias Wagener bei der Vertragsunterzeichnung am Freitag betonte, sei damit ein weiterer Baustein für den Umbruch bei den Bahnern geschafft: „Dazu stehen mit einem Generationswechsel im Unternehmen und dem Bau der Dampflok-Werkstatt in Wernigerode zwei weitere wichtige Veränderungen an.“

Bilder

Für Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel ist der Infrastruktur-Zuschuss „gut angelegtes Geld“. Der CDU-Politiker würdigte die HSB als „ein Stück lebendige Geschichte und Publikumsmagnet über die Grenzen unseres Landes hinaus“. Die Förderung stärke nicht nur das touristische Zugpferd des Harzes, sondern zugleich den Nahverkehr.

Ziel: Anbindung von Braunlage

Die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen unterstützen die HSB seit 1994 beim Betrieb ihres mehr als 140 Kilometer umfassenden Streckennetzes. Aus Magdeburg flossen bislang jährlich fünf Millionen Euro in die 1000-Millimeter-Spur-Schienen zwischen Wernigerode, Quedlinburg, Brocken und Nordhausen. Über einen gesonderten Finanzierungsvertrag erhielt das Unternehmen von 2015 bis 2019 weitere 3,8 Millionen Euro. Diese alten Verträge werden durch weitere neue Vereinbarungen der HSB mit Sachsen-Anhalt und Thüringen ersetzt. Noch in diesem Jahr streben die HSB an, Verkehrsverträge mit beiden Bundesländern abzuschließen, informiert Unternehmenssprecher Dirk Bahnsen.

Anfang 2020 hatten bereits alle neun kommunalen Gesellschafter ihre Zuwendungen verdoppelt. Diese strebten als perspektivisches Ziel zudem eine Verlängerung des Streckennetzes an: „Wir wollen langfristig die Anbindung von Braunlage im Westharz in Angriff nehmen“, sagte Wernigerodes Oberbürgemeister Peter Gaffert. Der parteilose Politiker ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der HSB.

Ein Kilometer Schiene - eine Million Euro

Bis dahin sei man mit dem Erhalt der vorhandenen Anlagen vollauf beschäftigt, ergänzt Uwe John: „Wir nehmen uns vor, pro Jahr rund drei Kilometer Schiene zu sanieren – allein dafür müssen wir mit rund drei Millionen Euro kalkulieren“, rechnet der Infrastruktur-Abteilungsleiter der HSB vor. Die Baukosten seien in den vergangenen Jahren extrem in die Höhe geschnellt.

Dazu sollten im nächsten Jahr marode Bahnübergänge auf der Selketalbahn-Strecke erneuert werden und flächendeckend in ein digitales Betriebsfunknetz investiert werden. Ein weiterer Kostenfaktor: der Erhalt von Brücken. „Wir haben rund 70 dieser Bauwerke. Alle 25 Jahre ist bei ihnen eine Sanierung fällig – jede kostet im Schnitt etwa 250.000 Euro“, erläutert der Experte. Das Problem der HSB: Viele ihrer Bauwerke sind in unzugänglichem Gelände gelegen, mit großen Maschinen kaum zu erreichen. „Deshalb müssen wir auf unseren Baustellen meist sehr kleinteilig arbeiten.“

Auf die technische Sicherung von drei Bahnübergängen in Hasserode – an Kirchstraße, Lutherstraße und Frankenfeldstraße – müssen Wernigeröder allerdings noch warten: „Damit können wir erst beginnen, wenn der dritte Sanierungsabschnitt der Friedrichstraße abgeschlossen ist – sonst droht ein Verkehrschaos“, so John weiter. Die Bauarbeiten auf der Landesstraße 100 auf rund 730 Metern zwischen Lutherstraße und Hasenwinkel kurz vor einem weiteren – bereits sanierten – Bahnübergang sollen im März 2021 starten und 2022 abgeschlossen werden.