Ilsenburg l Die beiden Forellenteich-Schwäne hatten in den vergangenen Jahren immer wieder für Nachwuchs gesorgt. Je nach Wetter waren es ein bis fünf Junge, die nach dem Schlupf bis zur Brutvorbereitung des Folgejahres mit ihren Eltern als Familie über den See schwammen. Wenn die Alttiere die jungen Schwäne zum Beginn des Folgejahres verbissen, wurden die Jungen meist eingefangen und auf anderen Teichen der Stadt ausgesetzt.

Doch in diesem Jahr ist nur noch ein Schwan zu sehen - höchstwahrscheinlich das Männchen. Die Schwänin ist im Frühjahr kurz vor Beginn der Brutsaison tot aufgefunden worden. „Ich hatte sie schon ein paar Tage im Blick, denn sie verhielt sich auffällig und war offenbar an irgendetwas erkrankt. Da sie sich aber noch sicher schwimmend im Wasser bewegte, schien der Schutz vor Räubern ausreichend zu sein. Eines Morgens fanden wir sie aber arg zugerichtet und verendet am Ufer. Irgendein Raubtier muss sie gerissen haben“, sagt Wilma Giesecke, die bis Ende Juni in der Stadtverwaltung unter anderem für Tiere zuständig war.

„Ich habe sogar versucht, aus benachbarten Kommunen Ersatz zu besorgen, aber an allein schwimmenden Schwanendamen scheint offenbar zurzeit Mangel zu herrschen“, fügt sie hinzu. Auch der Versuch, ein Paar schwarzer Schwäne nach Ilsenburg zu holen, scheiterte an finanziellen und logistischen Hürden. Nun soll die Natur selbst regeln, wann das Witwer-Dasein des Schwans beendet ist.

Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgangen sein, dass die aktuelle Schwanenpopulation in Ilsenburg gering ist. Waren noch vor ein paar Jahren waren fast alle Ilsenburger Teiche mit Schwänen besetzt, so hat sich die Zahl der Tiere inzwischen reduziert. Aktuell schwimmt nur noch ein Schwanenpaar auf den innerstädtischen Teichen - das Paar vom Zentralteich.

Warum es dort keine Jungen gibt, kann nur gemutmaßt werden. Vielleicht war es zur Brutzeit zu kühl und ein mögliches Gelege konnte nicht gerettet werden.

Angriff auf Leibwächter

Auf dem nach dem kürzlichen Entschlammen des Zentralteiches geschaffenen schwimmenden Häuschens wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Nest geben - weder vom Schwan noch von den Enten. Für ein Schwanennest ist nicht genügend Platz und für Enten gibt es keine passenden Bedingungen.

Da das schwimmende Häuschen beweglich ist, können die gelegten Eier je nach Wetter auf dieser Fläche herumrollen. So wie es vor Jahren im Wernigeröder Wildpark geschehen ist. Verschiedene Entendamen hatten Eier auf dem dort schwimmenden Häuschen gelegt. Dann gingen sie bei schönen Wetter selbst baden. Als sie zurückkamen, hatte der Wind die Gelege erfasst, und die Eier rollten bunt gemischt über die Fläche. Die Folge war, dass die Enten ihr Gelege nicht wiedererkannten und das Brüten einstellten. Als die Eier nach Wochen streng rochen, wurden sie entfernt und die zur Brut genutzte Fläche des Häuschens mit Leisten segmentiert. Auf dem Häuschen im Ilsenburger Zentralteich besteht da noch etwas Nachholbedarf.

Die Schwäne jedoch waren alljährlich die heimlichen Stars des Ilsenburger Forellenteiches. Die großen weißen Vögel hatten auch schon vielfach für Schlagzeilen gesorgt.

Weltweit durch die Medien ging der nunmehr allein seine Runden auf dem See ziehende „Schwanenmann“, als er sich vor einigen Jahren mit George Clooneys Leibwächter anlegte und diesen in den Allerwertesten biss. Clooney und sein Filmteam hatten sich 2013 während der Dreharbeiten zum Film „Monuments Men“ in Ilsenburg einquartiert. Der Leibwächter wollte, so berichteten es damals Augenzeugen, der auf dem Hotelgelände brütenden Schwanendame Futter bringen, näherte sich dabei dem Nest zu weit und forderte dadurch die Reaktion ihres gefiederten Partners heraus, der den Leibwächter vertrieb und für viel Unterhaltung im damals im Hotel untergebrachten Filmstab von Clooney sorgte.

Die Ilsenburger selbst wünschen sich zumindest wieder auf dem Forellenteich ein Schwanenpaar, denn Nachwuchs würde dem Stadtfest 2021 gut zu Gesicht stehen.