Wernigerode l Die Eckdaten für Wernigerodes Haushalt 2021 sind noch nicht öffentlich. Aber der Kuchen für die nächsten Jahre soll schon jetzt verteilt werden. Für 1,2 Millionen Euro sollen beispielsweise Decke und Dach der Stadtfeld-Turnhalle erneuert werden. Müssten sie zumindest. Das Dach der Stadtfeldhalle besteht aus einer „bituminösen Abdichtung einschließlich Durchdringungen und Lichtkuppeln und einer metallenen Unterdecke“, heißt es dazu aus dem Rathaus. In diese sei die Lüftungsanlage eingebaut. Anfang der 1990er Jahre seien aber nur die Dachbeläge saniert worden. Die innere Decke stamme noch aus Vorwendezeiten. Das Problem: Die Dachabdichtung ist verschlissen, es regnet rein. Hinzu komme der Rückbau der Lüftung sowie eine neue Akustikdecke mit Beleuchtung samt Deckenstrahlheizung. Auch die Dachtragkonstruktion müsse ertüchtigt werden, informiert die Verwaltung. Aufgrund der fehlenden Tragkraft könnten beispielsweise die Basketballkörbe nicht mehr an der Decke angebracht worden. Für 2021 sei die Planung der Sanierungsarbeiten vorgesehen, für 2022 dann die Umsetzung.

Dachsanierung mehrfach verschoben

Die Schäden an der Sporthalle, die von Vereinen und zwei angrenzenden Schulen genutzt wird, sind schon länger bekannt. Die geplante Investition tummelt sich schon seit einigen Jahren in der mittelfristigen Finanzplanung. Für 2016 waren die Arbeiten angesetzt. Sie mussten jedoch aus Geldmangel verschoben werden. Auch momentan sieht es in der Stadtkasse nicht rosig aus. Durch Corona und wegbrechende Steuer- und Gebühreneinnahmen hat sich die Situation noch verschärft. Doch die Stadt hat Fördergeld in Aussicht. Der Bund würde 45 Prozent der Kosten übernehmen, vorausgesetzt Wernigerode bekommt den Zuschlag.

Es ist nicht sicher, ob Fördergeld fließt

„Bei der Größenordnung ist das für uns attraktiv“, so Dezernent Rüdiger Dorff im Finanzausschuss. Aber: Die Stadt darf erst ausschreiben, wenn die Finanzierung gesichert ist. Die Stadträte sollen nun schnellstmöglich grünes Licht für die Sanierung geben, um die Verwaltung zu ermächtigen, das Geld beim Bund zu beantragen.

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„Natürlich wissen wir nicht, ob wir wirklich etwas bekommen“, so Dorff weiter. Sollte Wernigerode eine Absage kassieren, „können wir eine halbe Million nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. Dann müssen wir uns nochmal in die Augen schauen“.

90er-Jahre-Standard reiche nicht

Würde es nicht reichen, nur das undichte Dach zu erneuern und auf Standardverbesserungen wie Akustikdecke und optimierte Statik erst einmal zu verzichten?, wollte Thomas Schatz (Die Linke) wissen. „Das reiche nicht“, entgegnete Verwaltungsmitarbeiterin Claudia Dalichow. Beleuchtung und Decke müssten auch gemacht werden. „Was in den 1990er Jahren Standard war, ist es heute nicht mehr“, ergänzte Dorff. Es bestehe allerdings trotz der Mängel kein Sicherheitsrisiko in der Halle. „Es braucht niemand Angst zu haben, dass ihm die Decke auf den Kopf fällt.“

Haushaltsinfos hinter verschlossenen Türen

Matthias Winkelmann (CDU) störte sich an den „ständigen Vorgriffen auf den Haushalt“ - erst kürzlich habe der Stadtrat sein Okay für die Sanierung des Jugendhauses Center gegeben. „Jetzt ist es die Turnhalle“, so Winkelmann. „Ich erwarte eigentlich, dass wir endlich Zahlen zur Finanzsituation bekommen, damit wir wissen, wo wir stehen.“

Er könne die Bedenken verstehen, meldete sich André Boks (SPD) zu Wort. „Wir können kein Geld ausgeben, wenn wir nicht wissen, wieviel wir haben.“ Aber dennoch: „Den Grundsatzbeschluss können wir jederzeit ändern, falls kein Fördergeld kommt. Die werden nicht einfach heimlich loslegen.“

Entscheidung trifft der Stadtrat

Das Dach müsse gemacht werden, ob mit oder ohne Förderung“, hieß es von Uwe-Friedrich Albrecht (CDU). Sich um Fördergeld zu bemühen, sei wichtig, pflichtete auch Thomas Schatz bei. „Das Niveau der Sanierung wäre allerdings strittig, wenn wir kein Fördergeld bekommen.“ In dem Falle solle die Verwaltung verpflichtet werden, eine zweite Variante vorzulegen, „die damit auskommt, dass keine Basketballkörbe an der Decke hängen“. Die Entscheidung trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am 5. November. Nach den Abstimmungen in den Fachausschüssen ist dort mit einer Mehrheit zu rechnen.

Übrigens: Die Mitglieder des Finanzausschuss wurden nach ihrer Abstimmung über die finanzielle Situation der Stadt mit Blick auf 2021 informiert - allerdings hinter verschlossenen Türen. Und dabei soll es auch erst einmal bleiben. Auf Volksstimme-Nachfrage hieß es dazu aus dem Rathaus lediglich: „Es handelt sich um Zwischenstände, die nicht veröffentlicht werden.“