Laternenanzünder erinnert an Gründung der Stadtwerke vor 150 Jahren

Stadtwerke lüften Geheimnis

Von Michael Pieper

Wernigerode. Das Geheimnis um die verhüllte Skulptur am Wernigeröder Ölberg ist gelüftet. Eine historische Gaslaterne samt Laternenanzünder erinnert fortan an die Geburtsstunde der Wernigeröder Stadtwerke vor 150 Jahren.

Wernigerode hat wieder einen Laternenanzünder. Der "Mann", der für das Entflammen und Löschen der Gaslaternen zuständig ist, wiegt 400Kilogramm, ist 1,75Meter groß - und aus Bronze. Begrüßt wurde der neueste Mitarbeiter der Wernigeröder Stadtwerke am Freitagvormittag auf dem Ölberg am Anger. Dort erinnern er und eine historisch anmutende Gaslaterne an die Geburtsstunde der kommunalen Energieversorgung.

Es war 1862, als der Magistrat entschied, Wernigerode solle erleuchtet werden. Ein Jahr später, also vor genau 150Jahren, wurde auf dem Ölberg das erste Gaswerk Wernigerodes erbaut und im selben Jahr eröffnet. Das Werk versorgte die in der Stadt verteilten Gaslaternen mit Brennstoff. In der Dämmerung gezündet und am Morgen gelöscht, wurden die Laternen lange Zeit per Hand - von Laternenanzündern.

"Ich kann mich noch daran erinnern. Es war 1964, als meine Familie und ich nach Wernigerode zogen. Damals gehörte der Laternenanzünder auf seinem Fahrrad zum Stadtbild", sagte Andreas Heinrich bei der Enthüllung des Denkmals. "Ein idyllisches Bild - und ein echter Gewinn für die Stadt", so der Bürgermeister. Schließlich war es den Bewohnern der Stadt dank der künstlichen Beleuchtung nun möglich, auch nach Sonnenuntergang sicher durch die Straßen zu flanieren, "das kulturelle Leben blühte auf".

Bis 1900 wurde auf dem Ölberg mit Kohle Gas produziert. "Dann waren die Kapazitätsgrenzen erreicht, ein neues Werk wurde gebaut", erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Steffen Meinecke am Freitag. Er sei froh, dass mit dem Lauf der Zeit auch die manuellen Gasleuchter aus der Stadt verschwanden. "Das war doch recht umständlich. Schließlich mussten die Anzünder abends und morgens jede einzelne Leuchte anfahren."

Die Entwicklung zur automatischen Beleuchtung, wie sie heute in Wernigerode zum Einsatz kommt, verlief in mehreren Abschnitten. Zunächst waren Zünduhren eingebaut worden, die zu einer festgelegten Zeit die Lampen entflammten. Später wurden sie durch dauerhaft brennende Zündflammen ersetzt, mit denen die Stadtwerke per Druckwelle den Zündfunken übertragen konnten.

An der am Freitag erstmals eingeschalteten Gaslaterne ist hingegen modernste Technik im Einsatz. Ein Dämmerungsschalter sorgt dafür, dass die Lampe pünktlich zum Sonnenuntergang aufhellt und am Morgen wieder erlischt.

Die Enthüllung des Denkmals am Anger war für die Mitarbeiter der Wernige- röder Stadtwerke und die Vertreter des Aufsichtsrates der Auftakt in das Jubiläumsjahr. Geplant sind weiterhin eine Festveranstaltung im Fürstlichen Marstall am 12.Juni und ein Tag der offenen Tür in der Zentrale am Kupferhammer am 6. Juli. Zudem soll eine Chronik über die Elektrifizierung der Stadt und die Entwicklung der Stadtwerke erarbeitet werden.