Telemann-Kammerorchester ist aus Kostümen gewachsen

Start in Wohnstube des Vaters

Von Andreas Bürkner 30.06.2012, 03:24

Blankenburg l Das Telemann-Kammerorchester (TKO) feiert heute das 60-jährige Bestehen. Der Termin erinnert an den ersten öffentlichen Auftritt des Ensembles am 27. Juni 1952.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte in der Wohnstube von Musikalienhändler Karl Friedrich Thom. Sohn Eitelfriedrich scharrte interessierte Musiker um sich, die auf den alten Instrumenten des Vaters barocke Stücke probierten.

Als "Collegium musicum" bereicherten Schüler und Ältere bereits drei Monate vor dem ersten Konzertabend eine Feierstunde in der Schule. Da sich schnell Profimusiker anschlossen, stieg der Bekanntheitsgrad schnell. Schon zwei Jahre nach dem Start durfte das Ensemble in den Berliner Fernsehstudios aufspielen in schmucke Kostüme gehüllt.

Mit der Vorliebe für den zur damaligen Zeit noch unbedeutenden Georg Philipp Telemann und den Erstaufführungen wiederentdeckter Stücke erhielt das Orchester 1965 den ehrenvollen und zugleich verpflichtenden Namen des Komponisten. Schnell erlangte das TKO internationale Anerkennung, was Interpreten von Weltruf anlockte. Ludwig Güttler, Siegfried Pank und Burkhard Glaetzner sind nur einige in einer langen Liste.

Höhepunkte in der langen Existenz unter Eitelfriedrich Thom waren 1980 eine vierteilige Fernsehsendung über Telemann und Reisen ins Ausland, zunächst im Ostblock, später auch noch in andere Länder. Vieles veränderte sich mit dem frühen Tod des Gründers 1993. "Zwar waren die Zeiten großer Besetzungen längst vorbei", sagt Thoms Witwe Maria, "wir haben als freies Ensemble weitergemacht und das Erbe meines Mannes weiter gepflegt."

Zum Jubiläumskonzert "60 Jahre Telemann-Kammerorchester Michaelstein" erklingen heute um 16 Uhr in der Bartholomäuskirche Blankenburg Werke von Telemann, Bach und Händel.