Wernigerode l Freud und Leid liegen in der Friedrichstraße dicht beieinander. Einerseits Autofahrer, die auf der Landesstraße 100 über eine desolate Asphaltdecke holpern und Anwohner, die beim Vorbeifahren schwerer Laster Erschütterungen bis in ihre Häuser ertragen müssen. Andererseits werden monatelange Staus und einspurige Verkehrsführung so in die Zukunft verschoben. Und: Gut möglich, dass die aktuell auf Landesebene aufgekommene Debatte um die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge für die Anlieger positive Fakten mit sich bringt, wenn der Projektstart als solcher um drei Jahre auf 2021 verschoben wird.

Wobei die von Stadtsprecher Tobias Kascha genannten drei Jahre noch nicht verbindlich sein müssen. „Es laufen Gespräche zwischen Land, Landkreis und Stadt mit dem Ziel, den Maßnahmebeginn so weit wie möglich nach vorn zu verlagern.“

Dass der Straßenbau zwischen dem bereits sanierten Abschnitt in Höhe der Lutherstraße und dem Bahnübergang der Harzer Schmalspurbahn (HSB) nicht heute und morgen, sondern bestenfalls übermorgen startet, hat nach Kaschas Angaben letztlich finanzielle Gründe: Die Förderperiode des angepeilten Programms ende im Jahr 2019, das setze einen Abschluss des Vorhabens bis dahin voraus.

Zwei bis drei Jahre Bauzeit

„Für den Bau sind jedoch bis zu zwei Jahre zu veranschlagen. Bei unverzüglicher Ausschreibung hätte damit nur ein Baujahr zur Verfügung gestanden.“ Und damit wäre die Finanzierungssicherheit hinsichtlich der Fördermittel nicht gesichert, denn Überhänge ins neue Fördermittelprogramm ab 2020 werde es nicht geben.

Deshalb verschieben die Verantwortlichen des Gemeinschaftsprojektes von Landesstraßenbaubehörde (LSBB), der Stadt und den Ver- und Entsorgungsunternehmen das Vorhaben in die Zukunft, haben dabei besagte nächste Förderperiode im Blick und hoffen obendrein auf höhere Fördersätze. Die Kosten seien im gegenwärtigen Haushaltsplanentwurf verankert, so Kascha mit Blick auf den kommunalen Anteil.

Stichwort Kosten: Im Rahmen der Planungen habe es bereits eine enorme Kostensteigerung auf rund 1,7 Millionen Euro als städtischen Anteil für Nebenanlagen, Beleuchtung, allgemeine Umlagen und Planungen gegeben. Die Kostensteigerung sei nicht nur dem gestiegenen Preisniveau im Bausektor geschuldet, sondern auch der Bautechnolgie und Verkehrsführung während der Bauphase.

Umleitung über Bahnübergänge

Der Verkehr müsse einspurig aufrecht erhalten werden, da Umleitungsstrecken über aktuell noch ungesicherte Bahnübergänge der HSB an der Kirch-, Luther- und Frankenfeldstraße nicht genehmigungsfähig seien. „Das verlängert die Bauzeit und erhöht die Baukosten“, so Kascha.

Positiver Aspekt, der zumindest die Hoffnung aufkommen lässt, das ambitionierte Projekt doch noch vor 2021 zu beginnen: Die Entwurfs- und Genehmigungsplanungen für den dritten Bauabschnitt lägen seit September dieses Jahres fertig in der Schublade. Das erlaube bei Vorliegen der Voraussetzungen eine unverzügliche Ausschreibung der Bauleistungen, so Tobias Kascha.

Besagter dritter Abschnitt ende am bereits sanierten HSB-Bahnübergang und sei der letzte Abschnitt der Friedrichstraße. Die Sanierung des vierten Bauabschnitts mit Amtsfeldstraße und Drängetal soll ab 2023 erfolgen.

2019 Vorbereitung für Sturzbach

Die Verschiebung bis 2021 sei auch Bauvorhaben anderer Projektträger im Bereich Hasserode geschuldet. So sollen besagte HSB-Bahnübergänge im Jahr 2020 saniert werden. Zudem soll 2019 die Vorflut für Regenwasser aus der Friedrichstraße mit dem Sturzbach vorbereitet werden.

Die Baulastträger LSBB und Stadt garantierten bis zum angepeilten Baustart im Jahr 2021 einen verkehrssicheren Zustand in der Friedrichstraße, so Stadtsprecher Kascha.