Wernigerode l Es waren weder das Bauernbaguette mit Frikadelle noch der Super-Sommer-Burger, die jüngst im Bauausschuss für allgemeines Magengrummeln sorgten. Diese Gerichte bekommt man aktuell in „Rosi‘s Autohof“ – und eine solche Anlage soll, wenn es nach den Plänen des Investors geht, bald in Wernigerode errichtet werden. Die Raststättenkette Tank und Rast plant einen Autohof mit Tankstelle, Parkplätzen für Autos und Lkw, Restaurant und Motel unmittelbar an der Abfahrt Wernigerode-Zentrum der A 36. Es wäre der erste an dem Anfang des Jahres zur Autobahn hochgestuften Verkehrsweg.

Entstehen soll die Raststätte auf dem rund 17 500 Quadratmeter großen Gelände neben der Wernigeröder Straßenmeisterei. Rund zehn Millionen Euro soll der Bau kosten, 32 Dauerarbeitsplätze könnten dort entstehen. Mit dem bisherigen Bebauungsplan lasse sich das Vorhaben nicht vereinbaren, sagt Michael Zagrodnik vom Stadtplanungsamt. Deshalb sollen nun die Voraussetzungen geschaffen werden. Nach Vorberatungen im Bauausschuss und im Stadtrat, welche für Donnerstag, 12. September, vorgesehen ist, wird der Vorentwurf öffentlich ausgelegt. Behörden und Institutionen können Stellungnahmen abgeben. Der möglicherweise geänderte Entwurf wird den Stadträten erneut vorgelegt.

Werbung

Bewegung erhoffen sie sich in dem Punkt, der vielen auf den Magen geschlagen ist. Tank und Rast will einen 38 Meter hohen Werbepylon errichten, um Fahrer auf die Rastmöglichkeit aufmerksam zu machen. „Der Invstor weiß, dass wir damit Bauchschmerzen haben“, sagte Michael Zagrodnik – und viele Ausschussmitglieder teilen dies.

Regelrechte „Krämpfe“ verspürt etwa der Ausschussvorsitzende Matthias Winkelmann (CDU) beim Gedanken an den riesigen Werbemast. „Ich werde dem nicht zustimmen.“ Ähnlich äußerte sich Matthias Bosse (SPD). „Ästhetisch gruselig“ fände er den Pylon, der seinen Angaben nach das drittgrößte Bauwerk der Stadt wäre. „Das geht gar nicht. Ich möchte, dass der Tourist, der nach Wernigerode kommt, auf das Schloss und in den Harz schaut und nicht auf Aral oder Shell.“

Hinweisschilder

Hinweisschilder an der Autobahn seien die bessere Lösung, so Winkelmann. Das sei aber nicht möglich, sagte Oliver Maszutt – seine Firma AZ Projekte hat das Vorhaben für Tank und Rast entwickelt. Damit ein Autohof eigene Tafeln am Fahrbahnrand erhalte, müsse er mindestens 50 Lkw-Stellplätze bieten. In Wernigerode seien aber nur 25 geplant, weil für mehr der Platz fehle.

Daher könne das Unternehmen nur durch den Werbepylon auf sich aufmerksam machen. „Bei der relativ geringen Frequenz von 25 000 Fahrzeugen pro Tag auf der A 36 müssen wir jeden ansprechen“, so Maszutt. Auch das Smartphone und die einschlägigen Apps lieferten nicht immer alle Informationen – zum Beispiel dass 24 Stunden geöffnet sei, Fernfahrer duschen können und es einen Supercharger für Elektroautos geben solle. Die Höhe des Pylons sei nötig, damit er wahrgenommen werde. Daher: Ohne Pylon kein Autohof. „Damit steht und fällt das Projekt.“ Zudem gebe es erstmals für Lkw-Fahrer an der A 36 eine Rastmöglichkeit. „Hier besteht ein öffentliches Interesse.“

Blick erhalten

Doch ebenso liege es im öffentlichen Interesse, den Blick auf Stadt, Schloss und Brocken von der Ortszufahrt aus zu erhalten, sagte Baudezernent Burkhard Rudo. „Das Ortsbild ist von außerordentlicher Bedeutung.“ Vom Ja zum hohen Pylon könne man nur abraten.

Dass der Autohof werben müsse, sei keine Frage, sagte hingegen Hagen Bergmann (CDU). Eventuell könne der Werbemast durch die farbliche Gestaltung optisch erträglicher werden. Nach der Sitzung hieß es, dass sich der Investor bei der Landesstraßenbehörde um eine Ausnahmegenehmigung für Hinweisschilder bemühen würde. Bei einem Erfolg könne der Pylon verkleinert werden.

Verkehrsanbindung

Bergmann sorgt sich vielmehr um die Verkehrsanbindung. Damit Besucher auf den Autohof gelangen, müssen an der Halberstädter Straße Abbiegespuren gebaut werden. Nur über diese solle der Verkehr auf die Anlage und von ihr weg geführt werden, heißt es in der verkehrstechnischen Untersuchung, die in Auftrag gegeben wurde. Die benachbarte Kreuzung von Halberstädter Straße und Otto-von Guericke-Straße, die ins Gewerbegebiet führt, sei zu Spitzenzeiten ohnehin überlastet. Daher könnten die Autohof-Besucher nicht über Theodor-Fontane-Straße und Otto-von-Guericke-Straße geleitet werden.

Das bedeutet aber, dass kurz vor der Autobahnauffahrt Richtung Quedlinburg eine neue Kreuzung mit Ampelanlage errichtet wird. „Die Ampel bereitet mir mehr Bauchschmerzen als der Pylon“, sagte Bergmann in der Sitzung. Er schlug vor, die Straße zu verbreitern und ebenjenen Weg über die Fontane-Straße einzuplanen. „Dann wäre keine Ampel mehr nötig.“

Pro und Contra

Das Vorhaben an sich erntete aber durchaus Beifall. „Ein Autohof ist für eine Stadt und eine Abfahrt immer ein Gewinn“, so Winkelmann. Ebenso sprachen sich Hagen Bergmann und Thomas Schönfelder (Linke) dafür aus. Grundsätzliche Kritik übte hingegen Matthias Bosse. Nur rund 200 Meter entfernt befinde sich bereits eine Tankstelle, es gebe mehrere Fastfood-Restaurants, eins werde bald in unmittelbarer Nähe gebaut. Mit fünf Ja- und zwei Neinstimmen hat der Ausschuss aber grünes Licht für den Fortgang des Verfahrens gegeben. „Wir arbeiten weiter daran mit erhobenem Zeigefinger“, so Winkelmann.