Benneckenstein l Die Corona-Pandemie macht vielen Menschen Angst. Sie fürchten um ihre Gesundheit und die ihrer Liebsten. Aber auch um die eigene Versorgung. Das Ergebnis: Punktuell leere Regale in den Supermärkten. Neben Brot, Konserven und Getränken war und ist vor allem Toilettenpapier Mangelware. Das zeige, wie irrational sich Menschen in der Krise verhalten würden, meint René Golz.

Der Überlebenstrainer – Neudeutsch: Survival-Experte – aus Benneckenstein möchte ein wenig aufklären, wie sich jeder auf diese und sogar weitaus dramatischere Situationen vorbereiten kann. „Wichtig ist hierbei, dass jeder individuell schauen muss, wie weit er die private Vorsorge betreibt“, betont er. Denn das Thema könne man sehr weit ausreizen. Die möglichen Szenarien reichten von der Ausgangssperre über einen Blackout bis hin zu Kriegszuständen. „Das A und O ist es, für 14 Tage in den eigenen vier Wänden abgesichert zu sein. Alles andere muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden.“

Richtige Lagerung

„Die meisten Leute machen einen großen Fehler, wenn es um das Anlegen eines Vorrats an Lebensmitteln geht. Sie haben Panik und kaufen irgendwas ein, ohne wirklich nachzudenken“, beobachtet René Golz. Sein Tipp: Nur das einkaufen, was man auch normalerweise verbraucht. „Wenn ich zum Beispiel immer gerne selber koche, kaufe ich keine Dosenravioli.“ Der Trick sei, keine Lebensmittel in großen Mengen einzulagern, sondern sie nach einem Rotationsprinzip zu nutzen.

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„Ich weiß doch ganz genau, was ich regelmäßig brauche. Und das stelle ich mir in meine Kammer in ein Regal, ähnlich wie im Supermarkt. Fünf Tüten Mehl, sechs Pakete Nudeln, Reis, Konserven, eingelegtes Gemüse“, zählt er beispielhaft auf. Die Lebensmittel sollten dann aber ganz normal verwendet werden. „Und wenn ich das nächste Mal einkaufen gehe, kaufe ich das, was ich verbraucht habe, einfach nach. Ich stelle es hinten ins Regal und schiebe den Rest nach vorn. So habe ich einen permanenten Vorrat zu Hause, der nie schlecht werden kann“, skizziert Golz das Prinzip. Dieser sollte so angelegt sein, dass er im Notfall für etwa 14 Tage reiche.

Zugang zu Wasser

Ähnlich könne man das mit Wasser machen. Doch dabei gelten besondere Regeln. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt pro Tag und Person zwei Liter zu Hause zu haben. „Hier kommt man als Familie natürlich schnell an Kapazitätsgrenzen. Reduzieren kann man die Menge, wenn man beispielsweise einen Brunnen im Garten oder einen Bach vor der Tür hat“, weiß René Golz.

In der Stadt sei das jedoch kaum möglich. Hier seien Vorräte wichtig. „Wenn ich Wasser einlagern muss, dann sollte das prinzipiell in Glasflaschen oder in Keramikgefäßen gemacht werden. Für lange Zeit kann ich das Wasser haltbar machen, indem ich eine Silbermünze hineinlege, da die sich lösenden Silberionen das Wasser sauber halten.“ Geeignet dafür seien beispielsweise noch vorhandene Fünf- und Zehn-DM-Münzen oder die alte Zehn-Euro-Münze. Der Silberanteil der Geldstücke sei damals noch entsprechend hoch gewesen.

Haltbare Nahrung

Ein weiterer Tipp, nicht nur für Großstädter: „Wenn ich merke, dass ein Stromausfall ist, würde ich mir als erstes die Badewanne mit Wasser volllaufen lassen. Solange noch Druck in den Leitungen ist, sollte man alles auffangen, was möglich ist.“

Neben dem Einkauf gängiger Lebensmittel und der richtigen Lagerung sollte man laut Golz auch besonders haltbare Nahrung vorhalten. „Trockenfleisch oder Trockenobst kann man kaufen oder sich selbst herstellen. Beim Fleisch muss beispielsweise das Fett weggeschnitten werden, und dann kann man es ganz normal einlegen, wie man es mit Grillfleisch tut.“ An der Luft oder im Dörrapparat getrocknet, sei es so jahrelang haltbar.

Kartoffeln auf dem Balkon

Zudem könne man selbst Gemüse anpflanzen. „Wer zu Hause die Möglichkeit hat, könnte ein paar Beete anlegen, zumindest mit ein paar grundlegenden Sachen wie Kartoffeln oder Möhren“, empfiehlt er. In der Großstadt könne man zumindest auf dem Balkon ein paar Kartoffelpflanzen hinsetzen. „Wenn nichts passiert, schnabuliere ich die halt weg und setze im nächsten Jahr wieder neue an.“

Als wichtige Zutat sieht er zudem Brühe in Form von Brühwürfeln oder Instantpulver. „Die preiswerteste Packung gibt es für 50 Cent, und man kann damit sieben Liter Brühe machen. Da drin sind sämtliche Mineralstoffe, die der Körper braucht.“ Neben kräftigen Brühen könne man das auch zum Würzen von Nudeln oder Reis nutzen.

Alternative Hygieneartikel

Toilettenpapier und Desinfektionsmittel sind in der Corona-Krise echte Verkaufsschlager und damit zeitweilig Mangelware geworden. Bei Toilettenpapier stockt noch immer der Nachschub, weil die Kunden zuhauf kaufen und die Logistikbranche mit dem Liefern nicht nachkommt.

René Golz kennt ein paar preiswertere, wenn auch ungewöhnliche Alternativen. „Wenn ich im Wald bin, desinfiziere ich meine Hände mit Holzkohle. Ich nehme das, was vom Lagerfeuer übrig geblieben ist, zermörsere es, vermische es mit Wasser und wasche mir damit die Hände“, erklärt er. „Ich habe zwar hinterher kohlschwarze Hände, aber das kann ich mit Wasser wieder abwaschen und habe danach sogar richtig glatte Babyhaut.“ Holzkohle sei antibakteriell. Und mit dem Pulver könne man sich sogar die Zähne putzen.

Kenntnisse aneignen

Auch auf Toilettenpapier könnte er im Notfall verzichten. „Es reichen auch einfach ein Eimer Wasser, den ich mir bestenfalls im Bach füllen kann, und ein Waschlappen. Direkt im Wald helfen auch große Blätter“, meint der Experte. Auf eine Campingtoilette als Notausrüs­tung legt er keinen Wert. „Die muss ja auch wieder sauber gemacht werden. Und Wasser sei in Krisenzeiten kostbar. Es ist für den ein oder anderen vielleicht keine elegante Vorstellung, aber eine Mülltüte tut es auch.“

Wer sich tiefer mit der Materie der Notfallvorsorge auseinandersetzen möchte, sollte sich Survival-Kenntnisse aneignen. „Möchte man darauf vorbereitet sein, sich längerfristig allein versorgen zu können, ist es ganz wichtig, dass man Pflanzenkunde lernt“, sagt René Golz.

Gepackter Fluchtrucksack

Zur richtigen Notfallvorsorge gehöre nicht nur die Vorbereitung für eine Ausgangssperre. Manche Situationen fordern schnelles Handeln und das Verlassen der eigenen vier Wände. Egal, ob Häuserbrand, Hochwasser oder gar ein Bürgerkrieg – der Survival-Experte empfiehlt, sich auch auf solche Fälle vorzubereiten.

„Man sollte immer einen kleinen Ordner haben, in dem Kopien der wichtigsten Dokumente sind, beispielsweise Geburtsurkunden oder auch der Grundbucheintrag. Den Ordner stelle ich neben das Bett oder an einen festen Punkt im Flur und habe ihn so griffbereit, wenn ich das Haus schnell verlassen muss“, sagt er.

Bargeld und Silber

Wer sich auf das Schlimmste gefasst machen möchte, könne zudem Fluchtrucksäcke packen. „Die gibt es in verschiedenen Größen – je nachdem, ob man für zwei Tage, zwei Wochen oder für immer die Bleibe verlassen muss“, weiß er. Hinein gehöre vor allem Trockennahrung. „Sie ist lange haltbar und leicht, weil den Lebensmitteln über 90 Prozent des Wassers entzogen wurde. Wasser muss man dann draußen finden, um die Nahrung wieder aufquellen zu lassen.“ Hinzu kommen unter anderem ein Schlafsack, eine Wolldecke, ein Minimum an Wechselsachen und ein Feuerstarter. „Im Prinzip kann man das wie bei einem Campingausflug gestalten“, fasst er zusammen.

Etwas Bargeld oder Silbermünzen gehören ebenfalls in den Rucksack. „Wenn ein Stromausfall ist, funktionieren auch die Geldautomaten nicht mehr“, gibt der 49-Jährige zu bedenken. „Und Silber ist das Gold des kleinen Mannes. Damit bekommt man immer was getauscht.“

Regelmäßige Arztbesuche

Egal, ob man sich auf bestimmte oder alle möglichen Szenarien vorbereiten möchte, eines ist laut Golz besonders wichtig: „Meiner Meinung nach gehört zu einer Notfallvorsorge ein regelmäßiger Besuch beim Arzt dazu. Damit ich gesund bleibe, lasse ich alle Vorsorgeuntersuchungen machen“, verrät er. „Als allerhöchste Priorität steht auf meiner Liste der Zahnarzt. Wenn ein Zahn wegfault, kann man daran sterben.“ Und dann nütze auch die beste Vorbereitung nichts.

Wer sich ein umfassendes Bild machen möchte, dem empfiehlt René Golz die Broschüre vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Auf knapp 70 Seiten sind in dem kostenlosen „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ Tipps zusammengefasst. „Ich bestelle jedes Jahr 400 Stück und verteile sie in meinen Kursen“, erzählt der Survival-Experte.

Lieber Vor- als Nachsicht

Dabei stellt er eines klar: „Man muss eine gesunde Krisenvorsorge betreiben, die auf jeden Menschen und jede Familie passend zugeschnitten ist.“ Letztendlich gehe es immer darum, lieber Vorsicht als Nachsicht walten zu lassen – egal, wie ausführlich sich Menschen mit möglichen Szenarien auseinandersetzten. „Mir ist es sehr wichtig, dass Leute, die sich intensiver mit dem Überleben in Notsituationen beschäftigen, nicht als Spinner oder Verschwörer abgetan werden. Das merke ich leider noch zu oft“, bedauert René Golz.

Dabei merke er an sich selbst, wie viel Spaß das durchaus ernste Thema mit sich bringe, wenn man sich damit tiefgründig beschäftige. „Es gibt mir eine innerliche Befriedigung, wenn ich mein Feuer nicht mit dem Streichholz, sondern mit Holz auf Holz anzünde oder wenn ich mit einem Schlafsack unter der Plane im Wald liege“, erzählt er.

Vor allem jetzt, wo er keine Kurse geben dürfe, suche er diese besondere Stille. „Ich gehe einmal in der Woche in den Wald, schlafe da draußen und komme am nächsten Tag total erfrischt wieder. Das ist wie nach einer frischen Dusche, nur dass ich pottendreckig bin. Aber ich habe wieder durchgeatmet, meinen Kopf ins Reine gebracht und mich geerdet.“