Wernigerode l Der VW Caddy ist in Wernigerode bekannt wie ein bunter Hund. Vor allem Schnellfahrer kennen das graue Fahrzeug, das bevorzugt in der 30-Zone auf Raser lauert und deren Vergehen mit unbeliebten Fotos festhält.

Was viele nicht wissen, die Technik im städtischen Blitzerauto ist veraltet und soll nach Wunsch des Ordnungsamtes aufgerüstet werden. „Die alte Anlage ist seit 2007/08 im Einsatz und hat ihre Nutzungsdauer erreicht“, sagt Amtschef Gerald Fröhlich auf Volksstimme-Nachfrage. Die Geschwindigkeitsüberwachung sei eine Pflichtaufgabe der Stadt, habe eine erzieherische Wirkung, so Fröhlich. Deshalb ist die Anschaffung neuer Technik unumgänglich. Die neue Anlage soll nach Wunsch des Amtsleiters flexibler eingesetzt werden. „Wir haben ein Gerät im Auge, das sowohl vom Auto aus, als auch auf einem Stativ und von festen Messpunkten betrieben werden kann.“

Für diese Säulenmesspunkte seien drei feste Standorte vorgesehen. „Die Nöschenröder Straße wäre sinnvoll, wo die Anwohner seit Jahren unter dem Schwerlastverkehr leiden.“ Weitere Säulen könnten beispielsweise vor Kindertagesstätten aufgestellt werden.

Rentiert sich

Der große Vorteil der Anlage: Autofahrer wissen nicht, ob die jeweilige Messsäule gerade mit einem Blitzer bestückt ist oder nicht. Für die flexible Anlage spreche laut Gerald Fröhlich außerdem, dass der Verkehr in der Stadt an sieben Tagen die Woche und 24 Stunden am Tag überwacht werden könnte – also weit über die Arbeitszeiten der Politessen hinaus.

Gut 162 500 Euro würden Anschaffung und Installation kosten. Ein großer Posten in Zeiten knapper Stadtkassen. Doch die neue Blitzeranlage würde, so habe eine Kalkulation der Verwaltung ergeben, durch Rund-um-die-Uhr-Messungen für geschätzte 170 000 Einnahmen pro Jahr sorgen.

„Wir wollen unsere Überlegungen den Mitgliedern des Ordnungsausschusses vorstellen“, kündigt Gerald Fröhlich an. Im Zuge der anstehenden Haushaltsplanungen hoffe er darauf, dass sich die Stadträte für die Neuanschaffung stark machen.

Fakt ist, Wernigerodes Schnellfahrer werden von der flexibel einsetzbaren Blitztechnik wenig begeistert sein, den Geschwindigkeitsüberschreitungen bleiben dadurch seltener ungesühnt. Abzocke? „Das sehe ich nicht so“, reagiert Amtchef Fröhlich auf den gängigen Vorwurf ertappter Raser. „Es gibt nun einmal Vorschriften. Und an Tempobegrenzungen müssen sich Autofahrer genauso halten, wie beispielsweise an eine rote Ampel.“ Die Straßenverkehrsordnung schreibe das vor.

Die Politessen würden deshalb nicht nur dort blitzen, wo Fußgänger gefährdet seien, sondern auch da, wo Vorschriften nachweislich missachtet werden. „Unser Ziel ist die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit“, so Fröhlich.

Hintergrund: Im Jahr 2015 wurden 5194 Fahrer geblitzt und mit insgesamt 105 589 Euro an Verwarn- und Bußgeldern zur Kasse gebeten.