Wienrode/Cattenstedt l Die Nachricht vom Termin für das Blütenfest im Blankenburger Thiepark ist in Wienrode und Cattenstedt eingeschlagen wie eine Bombe. „Die Ignoranz der Stadt gegenüber ihren Dörfern ist unfassbar“, bringt Rainer Salvey aus dem Organistionsteam des Kirschenfestes das auf den Punkt, was wohl vielen Einwohnern des Ortsteils zwischen Teufelsmauer und Bodetal stinkt.

Der Grund für die Aufregung: Die Stadtverwaltung plant mit der Event-Agentur Studio D4 das Altstadtfest in neuem Gewand für das Wochenende vom 12. bis 14. Juni 2020. Just an jenem zweiten Juni-Sonnabend feiern die Wienröder aber seit 2016 ihr Kirschenfest. Zudem tragen die Cattenstedter traditionell ihr Volks- und Schützenfest zwei Wochen nach Pfingsten aus, ergänzt Ortsbürgermeister Werner Greif (parteilos), was Dorfclub und Ortschaftsrat auf die Palme bringt.

„Alle Ortsbürgermeister sprechen sich bei ihren Veranstaltungen untereinander ab, um sich nicht gegenseitig das Publikum abspenstig zu machen“, erläutert Salvey. „Nur die Stadt und den Tourismusbetrieb scheint das überhaupt nicht zu interessieren. Wo bleibt da die viel gepriesene Zusammenarbeit mit den Dörfern?“

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Sorge um Besucherschwund

Die Wienröder planten seit September 2019 die fünfte Auflage ihres Festes. „Nicht nur die Vereine, unsere Kita, der Pfarrer, die Feuerwehr und ihr Förderverein sowie die Grundschule aus Timmenrode bereiten sich auf unseren Jahreshöhepunkt vor“, zählt der Ortswehrleiter auf. Ebenso seien Verträge mit Gastronomen sowie Schaustellern geschlossen worden. Unter anderem habe sich erneut die Moderatorin Susi Platte angesagt, die eine Wettschuld aus dem Vorjahr einlösen will.

Die Cattenstedter sehen in der Veranstaltung im Nachbarort keine Konkurrenz. „Unser Publikum ist ein ganz anderes“, betont Greif. Der Dorfclub habe seit dem Vorjahr ebenfalls „viel Freizeit und Herzblut in die Organisation und Terminabsprachen für unser Volksfest gesteckt“ – ohne städtisches Geld für eine Veranstaltungsagentur vorzustrecken. Diese Mühen seien nun wohl umsonst, weil besonders in den Abendstunden Besucher zu den – höherwertigen, wie der Ortschef neidlos anerkennt – Partys und Konzerten in der Kernstadt abwanderten.

Sowohl die traditionelle Terminierung der beiden Feste auf den Dörfern wie die nochmalige Meldung der Jahrestermine aus den Ortsteilen hätten dem Blankenburger Tourismusbetrieb bekannt sein müssen, erläutert Greif. Ebenso spreche gegen die Terminwahl der Kernstadt, „dass das frühere Altstadtfest – wofür das Blütenfest ja nun als ‚Ersatz‘ dient – solang es (fast) ehrenamtlich organisiert wurde, immer wenige Tage vor dem Beginn der jeweiligen Sommerferien stattgefunden hat und daher mit keinem Ortsfest kollidierte“.

Stadt Blankenburg setzt auf Ergänzung

Die Stadtverwaltung entgegnet auf Volksstimme-Anfrage, dass viele Faktoren die Terminfindung für das neue Blütenfest 2020 beeinflusst hätten. „Auf Grund der Bindung unserer Medienpartner und deren Bands waren weitere Großveranstaltungen in unserer Umgebung zur berücksichtigen“, auf denen diese bereits eingebunden seien, erläutert Rathaus-Sprecher Bennet Dörge. Gleiches gelte für die Künstler, die das Blütenfest bereichern sollen. Zudem sollte der Termin außerhalb der Ferienzeiten liegen. Auch waren die Daten der Landratswahl am 5. Juli sowie einer möglichen Stichwahl zu berücksichtigen.

„Neben den Festen in den Ortsteilen finden im Sommer auch in Blankenburg zahlreiche Veranstaltungen statt“, ergänzt Dörge. So seien das Löwenstarke Kinderfest im Thiepark oder die Rocknacht auf dem Großen Schloss ebenfalls einzubeziehen gewesen. Ebenso sei „die Frage, wann es in der Natur blüht“, wichtig. Dies habe schließlich zum Wochenende vom 12. bis 14. Juni geführt.

„Es ist gut und richtig, wenn die Menschen in Blankenburg in ihrem Ort feiern. Das gilt für die Ortsteile und für die Kernstadt“, so der Verwaltungssprecher weiter. Das Blütenfest werde diese Kultur bereichern. „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass auch bei mehreren Veranstaltungen in Blankenburg und den Ortsteilen durch die jeweils eigen gesetzten Akzente alle Feste punkten konnten und insgesamt mehr Besucher in unsere gesamte Stadt lockten“, heißt es aus dem Rathaus weiter. Gleiches werde für das Festwochenende im Juni erwartet.