Wernigerode l Historisches Fachwerk, die roten Ziegel auf dem Dach, die Blumenkästen vor den Fenstern, die Pflastersteine vor den dekorierten Schaufenstern. Man muss sich wirklich die Augen reiben. Original und Kopie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Nur die Größe passt nicht. Kati Müller deutet auf das Miniaturmodell vom Wernigeröder Cafè Wien. „Es ist wirklich wieder schön geworden“, sagt die Mitarbeiterin des Wernigeröder Bürgerparks. „Und es gibt so viele winzige Details zu entdecken.“

Die meisten der 60 Häuschen des Miniaturenparks „Kleiner Harz“ stehen derzeit noch in ihrem Winterdomizil. Nicht nur, weil sie dort vor Sturm und Kälte geschützt sind. Im Obergeschoss des Schafstalls werden die Modelle generalüberholt. „Fünf Monate Winterpause – viele denken, das ist lang“, sagt Kati Müller. „Aber das ist Arbeit im Akkord. Wir schaffen es gerade so bis zur Wiedereröffnung des Parks im April.“

Feuerprobe für Großes Schloss

Und die Schönheitskur für die Harzer Sehenswürdigkeiten im Kleinformat ist wirklich notwendig. Vor allem die Sonne und die extreme Hitze haben ihnen in der vergangenen Saison zugesetzt. Die Farben der Fassaden sind verblichen, die Dächer sind zerschlissen.

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Besonders hart getroffen hat es das Große Schloss Blankenburg, welches erst 2019 fertig gestellt und ausgestellt wurde. „Das Schloss hatte seine Feuerprobe zu bestehen“, sagt Kati Müller. Soll heißen, es war erstmals den Witterungsbedingungen im Freien ausgesetzt. „Durch die starke Sonneneinstrahlung hat sich die ganze Dachanlage verzogen. An einigen Stellen haben sich die Dachschindeln nach oben gebogen“, beschreibt die Bürgerpark-Mitarbeiterin den entstandenen Schaden. Und nicht nur das. Der Unterbau des Blankenburger Schlosses musste ausgetauscht werden. „Auch er hatte sich verzogen. Das Material aus Kunststoff ist immer in Bewegung.“ Die Konstruktion wurde nun komplett neu aus Aluminium gefertigt. „Alu ist formstabiler und wird nicht so schnell porös.“

Viel Zeit hat die Mitarbeiter die Restaurierung der Stiftskirche Quedlinburg gekostet. Bei diesem Wahrzeichen war das Miniaturdach verwittert. Wie auch beim Halberstädter Dom, bei dem die Dachstruktur komplett überarbeitet werden muss. Die winzigen Fialen werden mit Hilfe eines 3-D-Druckers fast originalgetreu gefräst. Alle anderen Mini-Sehenswürdigkeiten wurden auf Schäden überprüft, gesäubert, mit einem neuen Farbanstrich versehen und lackiert. „Damit sie zum Saisonstart wieder richtig strahlen.“

4500 Tulpenzwiebeln

Neue Modelle gibt es laut Kati Müller in diesem Jahr nicht zu bestaunen. „Die Besucher können sich auf ein paar kleine Neuerungen freuen, die im Laufe der Saison getestet werden sollen. Aber nichts Großes“, so die Parkmitarbeiterin. Viele würden fragen, was es an neuen Modellen im Park gebe. „Die meisten können sich gar nicht vorstellen, was es für ein Akt ist, die Gebäude instandzuhalten und die Schäden auszubessern.“

Indes gucken in den Beeten des Bürgerparks schon die ersten Frühblüher. Etwa 4500 neue Tulpenzwiebeln haben Chefgärtnerin Sandra Pech und ihre Mitarbeiter im vergangenen Herbst gesteckt. In wenigen Tagen soll auch der Rest der Frühlingsbepflanzung in die Erde gebracht werden - darunter Stiefmütterchen, Primeln, Vergissmeinnicht und Ranunkeln. „Wann - das richtet sich ein bisschen nach dem Wetter“, informiert Sandra Pech. „Dieses Jahr blüht bestimmt alles ein bisschen früher.“ Die Bepflanzung, so verrät die Chefgärtnerin, wird 2020 in geometrischen Formen gestaltet. „Kreise, Dreiecke und Rechtecke - am Ende ergibt alles ein schönes, buntes Bild.“

Tiere kehren im April in den Bürgerpark zur&#

Ein wenig Sorge bereiten den Mitarbeitern im Bürgerpark noch die Sturmschäden der vergangenen Tage. Zwar hatten die meisten Bäume den heftigen Böen standgehalten. Aber fast die Hälfte der markant-roten Trennwände zwischen den Themengärten an der Zaunwiese sind dem Sturm zu Opfer gefallen. „Die Reparatur ist sehr aufwändig“, so Pech.

Es bleibt also noch viel zu tun, bis der Bürgerpark seine Tore am 10. April wieder öffnet. Mit Vorfreude sieht das Team dem Einzug der tierischen Bewohner entgegen. „Die Tiere kommen eine Woche vor der Eröffnung zurück“, sagt Kati Müller. Die Wintermonate haben die Ponys, Esel, Ziegen, Schweine und das andere Getier in Aspenstedt bei Pfleger Gisbert Bürger verbracht.

Ob die Saison ähnlich erfolgreich wird wie die im vergangenen Jahr, bleibt abzuwarten. „2019 hatten wir 135.177 Besucher“, blickt Müller zurück. Die Feiertage hätte günstig gelegen, und das Wetter sei top gewesen. „2019 war ein Rekordjahr, das wahrscheinlich nicht zu toppen ist.“