Gasexplosion

Unglücksblock in Blankenburg weicht für Sozialstation

Ein schwarzes Loch in einem Wohnblock in Blankenburg erinnert noch an die Gasexplosion Ende 2019. Doch das ändert sich: Der Abriss hat begonnen.

Von Holger Manigk
Das Unternehmen Roth aus Aschersleben hat mit dem Abriss des bei einer Gasexplosion Ende 2019 stark beschädigten Wohnblocks an der Bertolt-Brecht-Straße in Blankenburg begonnen.
Das Unternehmen Roth aus Aschersleben hat mit dem Abriss des bei einer Gasexplosion Ende 2019 stark beschädigten Wohnblocks an der Bertolt-Brecht-Straße in Blankenburg begonnen. Foto: Holger Manigk

Blankenburg - Alte Badewannen werden aus den leeren Wohnungen geräumt, Dämmung und Verkleidung von der Fassade des Unglücksblocks im Regenstein gestemmt. „Wir arbeiten uns von außen zur Wohnung vor, in der am 13. Dezember 2019 die verheerende Explosion stattfand“, erläutert Thomas Kampf, Geschäftsführer der Blankenburger Wohnungsgesellschaft (BWG).

Nachdem alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen, hat ein Unternehmen aus Aschersleben im Auftrag des Vermieters begonnen, den Fünfgeschosser an der Bertolt-Brecht-Straße abzureißen. „Jede Wohnung muss entkernt werden: Türen, Fenster und Sanitäranlagen werden entfernt, dann der Estrich, bevor das Dämmmaterial abmontiert wird“, berichtet Kempf. Erst danach könnten die einzelnen Platten des DDR-Baus ausgebaut und gebrochen werden.

Neubau für zwei Millionen Euro wird 2022 begonnen

Denn sie sollen laut des BWG-Chefs eine neue Verwendung finden: Im Fundament eines Neubaus, der an der Stelle der Katastrophe entstehen soll. „Anträge dafür haben wir parallel schon gestellt, hoffen auf einen Baubeginn im Frühjahr 2022.“

Geplant sei für das Erdgeschoss eine Sozialstation mit maximal 40 Plätzen inklusive Begegnungsstätte. „Die Gespräche mit dem Gemeinnützigen Vereins für Sozialeinrichtungen Blankenburg, unserem städtischen Schwesterunternehmen, dafür sind schon sehr weit“, so Kempf zuversichtlich.

Darüber will die BWG auf drei Etagen sechs barrierearme Wohnungen einrichten. „Wir sehen gerade im Regenstein einen steigenden Bedarf von Menschen mit eingeschränkter Mobilität“, begründet der Geschäftsführer. Nach ersten Schätzungen rechne das Unternehmen für das Projekt mit Kosten von gut zwei Millionen Euro.

Komplizierter Abriss kostet 450.000 Euro

Zunächst müsse jedoch der Abriss von drei der vier Eingänge des alten Blocks erledigt werden. Dafür kalkuliert die Wohnungsgesellschaft mit Ausgaben von 450.000 Euro. „Ziel ist, dass wir Ende September fertig sind“, so Thomas Kempf. Dann soll nur noch Haus Nummer Vier an der Brecht-Straße stehen, das erst kurz vor der Gasexplosion einen neuen Aufzug erhalten hatte und weitgehend unbeschädigt blieb.

Bis dahin werde es für Nachbarn im Wohngebiet Regenstein Einschränkungen geben, räumt Kempf ein und nennt die Geräuschkulisse sowie Staubbelastung, auf die sich Anwohner in den nächsten Wochen einstellen sollten. „Ich bin aber überzeugt, dass wir das in einem überschaubaren Zeitraum schaffen.“ Schließlich werde mit Abriss und Neubau ein „Schandfleck“ im Quartier getilgt.

31 von 36 Mietparteien bleiben bei Wohnungsgesellschaft

Der Weg dahin sei ein langer, ergänzt Kempf. Begonnen habe er noch am Tag der Explosion vor rund 20 Monaten: „Zunächst ging es darum, möglichst schnell für die betroffenen Mieter einen Ersatz zu finden“, sagt Kempf. 31 der 36 Parteien seien der BWG treu geblieben, fanden überwiegend im Regenstein eine neue Bleibe. „Wir haben bis April 2020 gebraucht, um für sie alle Wohnungen herzurichten.“ Schließlich hätten dem Vermieter nach der Tragödie auf einen Schlag 44 Wohneinheiten gefehlt.

„Es war ein großer Kraftakt, mit Behörden und Versicherung eine Lösung für das Unglückshaus zu finden“, erinnert sich Kempf. Im Juli 2020 fiel schließlich die Entscheidung für den Abriss. „Da wir einen Hauseingang stehen lassen, brauchten wir dafür eine Baugenehmigung“, ergänzt der Chef der Wohnungsgesellschaft.