Wernigerode l Den Anwohnern am Lustgarten gehen Lärm und Vandalismus in ihrer Nachbarschaft gehörig gegen den Strich. Mit einer Unterschriftenliste fordern sie Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) zum Handeln auf. „Ich wohne seit 50 Jahren dort“, so ein gefrusteter Anwohner. „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Er beschreibt die Lage als „sehr extrem“. Die Berichterstattung in der Volksstimme hätten ihn und seine Nachbarn bestärkt, ihren Ärger öffentlich zu machen.

Katastrophale Zustände

„Es ist eine Katastrophe, was dort passiert“, klagte der Mann deshalb in der Sitzung des Ordnungsausschusses. Und das seit der Schulabschlussfeier im Frühjahr. „Von April bis Ende August – nahtlos.“ Täglich um 14 Uhr sei es losgegangen. „Da kamen die ersten Jugendlichen, haben dort Hip-Hop gehört.“ In den Abendstunden seien es andere Gruppen gewesen. „Die haben dort regelmäßig bis 1 oder 2 Uhr nachts gefeiert.“ Gegen vier Uhr morgens würden dann die ersten Flaschensammler die Parkanlage durchstreifen. „Und wieder sitzt man senkrecht im Bett“, so der Mann. „Das muss aufhören. Wir wollen das nicht mehr tolerieren.“

Von Stadt und Polizei fühlen sich die Wernigeröder allein gelassen. „Das ist ein Offenbarungseid. Aus dem Ordnungsamt hieß es, wir prüfen.“ Weiter sei nicht passiert. „Für uns ist das sehr unbefriedigend.“ Die Anwohner erwägen nun sogar eine Klage gegen die Stadt. „Um einzuklagen, dass die Stadt entsprechende Regeln schafft und durchsetzt.“ Die Entscheidung stehe aber noch aus.

Zu wenig Personal

„Auch für uns ist die Situation nicht befriedigend“, reagierte Ordnungsamtschefin Anja Münzberg auf die Vorwürfe. Sie kenne das Lärmprotokoll. Es sei „erschreckend und erschütternd“, was die Bürger an Lärm ertragen müssen.“

„Von heute auf morgen kriege ich es nicht in den Griff“, musste Ordnungsdezernent Volker Friedrich eingestehen. Die drei Außendienstler des Ordnungsamtes hätten weder die Ausbildung noch die materielle Ausstattung. „Es bringt auch nichts, wenn die Polizei dort mit zwei Leuten gegen 50 Mann anrückt. Dafür braucht man eine Kavallerie“, so Friedrich. Er wolle den Leuten das Feiern nicht verbieten. „Aber die Auswüchse zu später Stunde sind nicht hinzunehmen. Wir wollen hier keinen Hasselbachplatz.“

Fürs Frühjahr wappnen

Deshalb sei geplant gewesen, einen externen Sicherheitsdienst zu beauftragen, der abends und nachts im Lustgarten und auf den Schulhöfen, auf denen ebenfalls Randalierer ihr Unwesen treiben, nach dem Rechten sieht. Das Problem ist das Geld. „So eine Streife ist nicht zum Null-Tarif zu haben“, so Friedrich. Zahlen nennen wolle er nicht. „Aber die Summe ist nicht so leicht zu verdauen – auch angesichts der aktuellen Haushaltssituation. Da müssen wir stark nachdenken.“ Mit Beginn des Schuljahres und der herbstlichen Witterung sei es im Lustgarten etwas ruhiger geworden. „Das ist aber nur ein kleines Trostpflästerchen. Im nächsten Frühjahr geht es wieder los“, so der Dezernent. „Und dann müssen wir gewappnet sein.“

Es müsse dringend etwas getan werden, forderte auch Bernd Rettmer (CDU). „Die Nerven der Anwohner liegen blank.“ Sabine Wetzel (Bündnis 90/Die Grünen) warnte davor, die Idee einer Streife wegen zu hoher Kosten fallen zu lassen. „Wir wissen ja, was im Lustgarten noch passiert: Alkohol- und Drogenmissbrauch.“