Wernigerode l Zersplitterte Glasflaschen, zertrümmerte Bänke, beschädigte Bäume – und dazu der Lärm in den Abendstunden. Der idyllische Lustgarten unterhalb des Schlosses ist zum nächtlichen Jugendtreff geworden. Sogar mit Drogen soll dort gehandelt werden. Die Anwohner am Lustgarten sind genervt. Und nicht nur das. „Sie haben Angst“, weiß CDU-Stadtrat Matthias Winkelmann. „Die Leute trauen sich nicht, abends durch den Park zu gehen. Da oben eskaliert es gerade.“

Kontrolldruck

Laut Ordnungsdezernent Volker Friedrich ist das kein neues Problem. „Damit hatten wir schon vor zwölf bis 14 Jahren zu tun“, so Friedrich, als Winkelmann das Thema in der Sitzung des Ordnungsausschusses zur Sprache brachte. Die Tankstelle am Anger, der Johanniskirchhof und der Lustgarten seien früher beliebte Treffs von Jugendlichen gewesen. „Damals haben wir gute Erfolge mit Wachdiensten und nächtlichen Bestreifungen erreicht.“ In Kombination mit einer Intensivierung der Jugendarbeit, wie Friedrich ergänzte. Die Stadtjugendpflege sei eigentlich Sache des Landkreises. Weil aber der Stadt die Probleme „auf die Füße gefallen“ seien, nehme sie diese Aufgabe schon seit 1990 wahr.„Wir können die Jugendlichen nicht zum Basteln zwingen.“ Aber die Streetworker würden die Jugendtreffs aufsuchen und mit den jungen Leute ins Gespräch kommen.

Der Vandalismus-Ärger im Lustgarten sei nach der Abiparty im April wieder hochgekocht, so Friedrich. „Das Gleiche haben wir im Moment auf den Schulhöfen.“ Die Beschwerden der Anwohner seien völlig verständlich. „Wir sind hier zwar nicht in Klein-Manhattan. Aber wir müssen uns etwas einfallen lassen.“ Wie Amtschefin Anja Münzberg informierte, würden die Außendienstler des Ordnungsamtes im Park nach dem Rechten sehen. Gegen 50 Mann könnten sie jedoch nur wenig ausrichten. „Sie sind nur zu dritt und nicht in Selbstverteidigung geschult“, so Münzberg. Deshalb soll nun eine private Sicherheitsstreife für Ordnung sorgen. Dafür soll in den Haushalt 2019 eine Summe X eingestellt werden.

Bilder

Polizei für Strafverfolgung zuständ

Auch der Polizei ist die Situation im Lustgarten nicht unbekannt. Der Park sei im Sommer „angesagter Treffpunkt von Jugendlichen, die sich in unterschiedlich zusammengesetzten Gruppen von bis zum 100 Personen dort versammeln“, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage von Uwe Becker, Sprecher des Polizeireviers Harz. Ruhestörungen und Unrat seien die Folge und würden für „Konfliktpotential“ mit dem nahen Wohngebiet sorgen. Für Strafverfolgung sei die Polizei zwar zuständig. Ein Kriminalitätsschwerpunkt sei der Lustgarten laut Becker allerdings nicht. Es liegen keine konkreten Hinweise auf Straftaten vor. Deshalb sehe er „grundsätzlich“ das städtische Ordnungsamt in der Verantwortung. Die Polizeibeamten würden aber in Abstimmung mit der Stadt gemeinsame Streifen absolvieren, so Becker.

Für Matthias Winkelmann ist es wichtig, dass sich etwas tut. „Wir sind nicht nur für die Jugendlichen da, sondern auch für die Anwohner am Lustgarten“, so der CDU-Stadtrat. Was im Park zu Bruch gehe, sei Eigentum der Stadt. „Das bezahlen wir alle.“ Er sei nicht bereit, diese Zustände zu akzeptieren.