Wernigerode l Es klingt nicht nur wie ein Weihnachtsgeschenk, es könnte – zeitlich gesehen – auch eines werden: Wenn die Landtagsabgeordneten vom 18. bis 20. Dezember zur letzten Sitzung in diesem Jahr zusammenkommen, werden sie wahrscheinlich auch ein Päckchen für die HSB-Mitarbeiter im Harz schnüren. Es geht darum, den bisherigen jährlichen Landeszuschuss in Höhe von 5,1 Millionen Euro um 1,5 Millionen Euro aufzustocken. Entscheidender Aspekt dabei: Der Geldsegen soll zweckgebunden fließen, um Löhne und Gehälter der rund 260 Bediensteten anzuheben.

Signale, die bei der HSB mit großer Freude registriert werden, wie Sprecher Dirk Bahnsen betont. Schließlich würde, wenn die Erhöhung ab 2019 beginnend in den Landesetat eingestellt wird, ein entscheidender Wettbewerbsnachteil der HSB der Vergangenheit angehören. „Aktuell liegen wir mit unserem Haustarifvertrag rund 15 bis 20 Prozent unter dem branchenüblichen Niveau“, so Bahnsen.

Mit Blick auf diese Zahlen ist die Anpassung der Gehälter nicht nur branchenintern eine Frage der Gerechtigkeit, sondern obendrein auch existenziell für die HSB, lässt Bahnsen durchblicken. Aufgrund des im Vergleich zur Deutschen Bahn und anderen Privatbahnen schlechteren Lohnniveaus gestalte sich die Suche nach Personal zunehmend schwierig.

Nachteil im Kampf um Fachpersonal

Ein erfahrender HSB-Lokführer könne mit entsprechenden Dienstjahren auf jährlich rund 36.000 Euro brutto kommen. „Damit sind wir im Kampf um Fachpersonal nicht konkurrenzfähig.“ Was der Blick in den von der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) ausgehandelten Tarifvertrag für Lokführer bei der Deutschen Bahn beweist: Dort kommt ein gestandener Lokführer nach 27 Dienstjahren beispielsweise auf deutlich mehr als 40.000 Euro brutto im Jahr.

Und auch das sei nur ein Aspekt, erinnert HSB-Sprecher Bahnsen: Weil Lokführer mittlerweile bundesweit wie Goldstaub gesucht werden, zahle die Deutsche Bahn schon Kopfprämien in vierstelliger Höhe, um Fachleute zurückzuholen.

Mehr noch: Aufgrund der sehr speziellen Ausbildung für den Job auf der Dampfmaschine benötigt die HSB keine Lokführer von der Stange, sondern Fachleute, die aufgrund dieser zusätzlichen Qualifikation sogar eine extra Vergütung erwarten dürften. Eigentlich. Die Realität sieht anders aus und hat der HSB zuletzt 2017 eine besonders prekäre Situation beschert. Weil die Personalprobleme bei Lokführern und Heizern extrem waren, musste damals im Selketal Schienenersatzverkehr gefahren werden.

Wahrzeichen für den Harz

Genau das aber widerspreche dem Ansinnen des Landes, die HSB als Imagefaktor und Touristenmagnet auf langfristig solide Gleise zu bringen, erinnern sowohl Dirk Bahnsen als auch Falko Grube, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Die HSB sind kein Verkehrsunternehmen wie jedes andere. Sie sind ein Wahrzeichen für den Harz und sollen es bleiben.“ Daher der Vorstoß der Koalitionsfraktionen mit dem Zuschuss-Plus auf Landesebene. Nachdem schon mehrfach darüber diskutiert worden sei, habe es nun erstmals eine Zustimmung gegeben, erinnert Grube.

Segnet der Landtag die 1,5-Millionen-Euro-Aufstockung ab, könnten die Tarifparteien in den nächsten Verhandlungen die Differenzen zu den anderen Bahnen wohl nahezu überwinden, heißt es seitens der HSB. Ob sofort die Angleichung möglich sei, könne er nicht sagen, so Bahnsen. Letztlich seien hier allein die Tarifparteien verantwortlich. Aber: „Kommen diese 1,5 Millionen Euro, würde uns das bei Löhnen und Gehältern wirklich einen ganz großen und entscheidenden Schritt nach vorn ermöglichen“, bestätigt er.

Dass die HSB bislang mit Blick auf ihre Belegschaft so knausern muss, ist letztlich den in den 1990er Jahren abgeschlossenen Länderverträgen geschuldet. Damals, erinnert Falko Grube, sei keine dynamische Zuschuss-Anpassung vereinbart worden. „Es ist so getan worden, als gäbe es keine Gehaltsentwicklung.“ Heute werde versucht, das auf Landesebene grundsätzlich zu korrigieren. „Im neuen Kinderförderungsgesetz findet sich eine solche dynamische Komponente.“ Soll heißen: Steigen die Tariflöhne um den Faktor x, münde dies automatisch in höhere Landeszuweisungen.

So weit sei man bei den HSB noch nicht. „Im Moment prescht das Land hier ein wenig vor“, sagt Grube. Es gehe auch darum, Zeichen für einen langfristigen Erhalt der einzigartigen Schmalspurbahn zu setzen.

Betriebskosten steigen bei HSB

Wobei der Kostenfaktor nach Angaben von HSB-Sprecher Bahnsen noch anderweitig ins Gewicht falle. „Es geht ja nicht nur um Lohnkosten, sondern um die gesamte Betriebsführung der Bahn.“ Ein Beispiel: Mitte der 1990er Jahre habe die alle acht Jahre fällige Hauptuntersuchung einer Dampflok rund 250.000 Mark gekostet. „Heute bewegen sich die Kosten dafür zwischen 750.000 und einer Million Euro.“ Und die müssten pro Jahr im Schnitt für zwei Maschinen aufgebracht werden.