Nationalpark

Vom Hörsaal in den Harz: Was Larissa Jüttner während ihres Praktikums auf dem Hohnehof umsetzen möchte

Für drei Monate arbeitet die Studentin Larissa Jüttner dort, wo andere ihren Urlaub genießen: auf dem Hohnehof im Nationalpark Harz. Hier lernt die 23-Jährige die mystische Natur kennen, arbeitet an ihrem eigenen Projekt und erhält Einblicke in den Beruf eines Rangers.

Von Johanna Ahlsleben
Commerzbank-Mitarbeiter Andreas Prescher (links) und Hohnehof-Chef Henning Möller (rechts) begrüßen die neue Umweltpraktikantin Larissa Jüttner im Nationalpark Harz. Drei Monate verbringt sie im Naturerlebniszentrum bei Drei Annen Hohne.
Commerzbank-Mitarbeiter Andreas Prescher (links) und Hohnehof-Chef Henning Möller (rechts) begrüßen die neue Umweltpraktikantin Larissa Jüttner im Nationalpark Harz. Drei Monate verbringt sie im Naturerlebniszentrum bei Drei Annen Hohne. Foto: Sofia Mönter Jaime

Drei Annen Hohne - Larissa Jüttner ist das neue Gesicht auf dem Hohnehof bei Drei Annen Hohne. Im Rahmen eines von der Commerzbank finanzierten Praktikums, arbeitet die 23-jährige Studentin noch bis Ende Juni im Naturerlebniszentrum.

Sie konnte sich im Vorfeld gegen zahlreiche Mitbewerber durchsetzen. Denn als Henning Möller, Leiter des Hohnehofes und der Nationalparkwacht, ihre Bewerbung auf dem Tisch vor sich hat, war ihm klar: „Mensch, das passt ja wie die Faust aufs Auge! Sie möchte ich haben!“ Larissa erhält die Zusage, und sie macht sich von Gießen aus, wo sie Umweltwissenschaften studiert, auf den Weg in den Harz.

Hier angekommen, ist sie von der Schönheit des Nationalparks überwältigt. „Meine Erwartungen wurden einfach übertroffen“, erzählt sie. Nicht einmal die abgestorbenen Fichten können ihre Freude trüben. „Ich finde den Waldwandel gar nicht so tragisch. Schließlich wächst ja etwas Neues heran“, gibt sich die Studentin optimistisch. Auf manchen Flächen, ergänzt Henning Möller, wird es auch schon grüner.

Zu den Aufgaben der Studentin zählt unter anderem das Pflanzen neuer Bäume. Vorrangig werden Rotbuchen in die Erde gesetzt, erklärt Möller. Diese seien sehr beständig. Zusätzlich finden aber auch Ahorn-, Eschen sowie Eichen-Setzlinge ihren Platz im Nationalpark Harz.

Touren mit dem Ranger

Im Normalfall beginnt Larissa Jüttners Tag auf dem Hohnehof gegen 8.30 Uhr - meist mit einer Tour mit einem Ranger. Während der Tour wird darauf geachtet, dass die Wege sauber sind und die Nationalpark-Regeln eingehalten werden.

Die zahlreichen Facetten des Harzer Waldes erkundet sie auch bei ihren Wanderungen. Dabei liegt das Augenmerk mal auf den verschiedenen heimischen Pflanzen, mal auf den unterschiedlichen Gesteinen oder auf den tierischen Bewohnern, die der Nationalpark beherbergt. Am besten habe ihr bis jetzt die Wanderung auf den Brocken gefallen. „Wenn man mit einem Ranger wandert, dann nimmt man die Natur auch ganz anders wahr, finde ich. Man achtet auf einmal auf Dinge, an denen man vorher einfach vorbei gelaufen wäre“, beschreibt Larissa Jüttner.

Aber auch im Bereich der Umweltbildung, der Hauptarbeit des Naturerlebniszentrums, soll die aus dem niedersächsischen Peine stammende Studentin aktiv werden. Doch Besucher-Touren sind zurzeit nicht erlaubt und der Hohnehof bleibt weiterhin für die Öffentlichkeit geschlossen.

Rallye in Corona-Zeiten

Daher hat sich Larissa Jüttner überlegt, wie Besucher trotz Pandemie den Nationalpark erkunden können und eine Rallye, sprich eine Art Schnitzeljagd, entwickelt. Unterstützung erhält sie dabei von Henning Möller. Die Idee: Besucher erhalten Aufgaben und müssen einfach nur mit offenen Augen durch den Harzer Wald wandern, um sie zu lösen.

Ist Larissa Jüttner nicht draußen an der frischen Luft unterwegs oder büffelt für ihr Studium, dann taucht sie gerne ins kühle Nass ein und zieht ihre Bahnen in der Schwimmhalle.

Anfangs wollte sie auch gar nicht Umweltwissenschaften studieren, sondern interessierte sich für Ernährungswissenschaften, verrät sie. Doch je länger sie sich mit diesem Fach beschäftigt, desto deutlicher merkt sie, dass das Arbeiten in und mit der Natur ihr wesentlich mehr gefällt. Eines Tages auch im Nationalpark Harz zu arbeiten, könne sie sich gut vorstellen.

Das Umweltpraktikum wird seit mehr als 30 Jahren von der Commerzbank für Studierende aus allen Fachbereichen ausgeschrieben. Jährlich bewerben sich viele Interessenten bei dem Geldinstitut, erzählt Andreas Prescher aus Wernigerode. Der Kundenberater der Commerzbank in der bunten Stadt am Harz begleitet das Projekt schon seit 15 Jahren. „Ich finde es gut, dass wir auch gerade jetzt an dieser Tradition festhalten“, freut sich Prescher.

Neuer Schwung durch Praktikanten

An deutschlandweit 27 Standorten, vom Watzmann bis zum Wattenmeer, können die Bewerber Erfahrungen mit der Arbeit in der Natur sammeln. Dabei erhalten die Auserwählten ein Praktikumsentgelt. Zusätzlich werden auch die Kosten für die Unterbringung übernommen. „Bisher hat sich das dreimonatige Praktikum immer positiv auf die weitere Entwicklung der Teilnehmer ausgewirkt“, berichtet Andreas Prescher.

Auch Hohnehof-Leiter Henning Möller begrüßt das Umweltpraktikum. Es sei immer eine schöne Abwechslung zum alltäglichen Geschehen, wenn ein neues Gesicht auf dem Hohnehof zu Gast sei. „Die Praktikanten bringen immer noch mal neuen Schwung und andere Ideen mit hierher“, lobt Möller.

Vielleicht bleibt Larissa Jüttner auch noch länger als ursprünglich geplant zu Besuch im Nationalpark Harz. Denn eventuell wird sie inmitten der malerischen Natur ihre Masterarbeit in Umweltwissenschaften schreiben.