Gastronomie

Vorm Abschied vom Christianental

Nachfolger gesucht für eine der beliebtesten Ausflugsgaststätten in Wernigerode: Familie Lux gibt das Haus im Wildpark Christianental ab.

Von Holger Manigk

Wernigerode l Das Zwitschern der Vögel, dazu das Röhren der Hirsche und das Gebrüll von Luchsin Finnja – diesen morgendlichen Weckruf werden Jutta und Siegfried Lux vermissen. Denn das Ehepaar will nach Jahrzehnten Gaststätte und Pension im Wildpark Christianental in Wernigerode in neue Hände weitergeben – und sich einen anderen Lebensmittelpunkt suchen.

Der Abschied fällt beiden nicht leicht, ist aber lange geplant: „Ich werde 67 – Zeit, dass wir uns zur Ruhe setzen. Andere hören mit 65 Jahren auf“, sagt Siegfried Lux. Die beiden hätten alle Optionen durchdacht: Verkürzte Öffnungszeiten seien keine Alternative. „Was, wenn unsere Stammgäste und Tierparkbesucher plötzlich vor verschlossenen Türen stehen?“. Aus Lux‘ Sicht wäre es schade, „wenn es in dieser traditionsreichen Gaststätte nicht so weitergeht wie bisher“. „Wir wollen auch weder die Stadt noch unsere Mitarbeiter vor den Kopf stoßen“, ergänzt seine Frau Jutta.

Diese hätten die beiden im Herbst bei einem Wandertag mit Kaffekränzchen von ihrer Entscheidung informiert. „Wir wollen mit unserem Personal möglichst offen und ehrlich umgehen“, ergänzt die 61-Jährige. Das Gastronomen-Duo habe einen Makler mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt.

Der solle nach Möglichkeit zum Ende der nächsten Sommersaison im Oktober 2021 einsteigen – am liebsten mit einer Übergangszeit zur Eingewöhnung in das Team und die Besonderheiten des beliebten Ausflugsziels für Familien im Südosten Wernigerodes. „Wir würden aber auch noch über den Winter 2021/22 weiterarbeiten, wenn es hilft“, verspricht Siegfried Lux.

Er betont, dass ihre Abschiedspläne nichts mit der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen zu tun habe. Die Entscheidung sei lange zuvor gefallen. „Im letzten Sommer haben wir so viel Andrang erlebt wie selten zuvor“, sagt Jutta Lux. Vor allem noch mehr junge Familien seien ins Christianental geströmt, die ohne Reisebeschränkungen ihren Urlaub vielleicht anderswo verbracht hätten. Mit dem zweiten Lockdown ist die Gaststätte wieder in Winterschlaf verfallen. „Unsere Mitarbeiter erhalten Kurzarbeitergeld, wir stocken das zusätzlich auf“, erläutert die Wernigeröderin.

Sie lebt seit 1983 im Waldgasthaus, ihr Mann schon seit 1979. Der gebürtige Wittenberger kam vier Jahre zuvor in die bunte Stadt am Harz, arbeitete zunächst in der Storchmühle und in der Grünen Gurke. „Dann wurde ich mit der Christianental-Gaststätte mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sich Lux. Eröffnung feierte er am 1. Mai. Das Paar habe nach dem Schritt in die Selbständigkeit Anfang der 1990er viel in das Restaurant investiert und renoviert.

„Der Wildpark und wir profitieren voneinander, über all die Jahre hat die Zusammenarbeit mit Frank Lüddecke und seinem Team super funktioniert“, resümiert Lux, der bis zum Herbst als Schatzmeister im Förderverein des Tierparks ehrenamtlich mitarbeitete. Das Schönste für seine Frau sei die generationsübergreifende Verbindung der Wernigeröder zum Gasthaus: „Gäste, die wir zuerst als Kinder begrüßt haben, kommen später mit ihren Familien als Eltern und Großeltern wieder.“ So habe es selten Tage gegeben, „an denen es keinen Spaß gemacht hat“.

Doch damit soll ab nächstem Jahr Schluss sein. „Wir sind zwar schon Wanderkaiser, aber wollen gern noch mehr wandern und Radtouren unternehmen“, sagt Siegfried Lux zu den Zukunftsplänen der beiden. Dazu freuten sich die Enkelkinder aus der Nähe von Hamburg, dass Oma und Opa dann endlich mehr Zeit für sie hätten. „Und wir können endlich mal im Sommer an die Ostsee fahren – nicht nur im November oder März, wenn die Gaststätte geschlossen bleibt“, ergänzt seine Frau.

Dennoch werde ihnen der Abschied aus dem Christianental nach rund 40 Jahren schwerfallen. „Wir haben hier ja nicht nur gearbeitet, sondern auch gelebt“, sagt Jutta Lux. Das empfehlen sie und ihr Mann auch ihrem Nachfolger. Von dem wünschen sich die beiden vor allem, dass er ihr Lebenswerk fortführt und den familiären Charakter von Waldgasthaus und Pension erhält.