Wernigerode l Um Wernigerodes Stadtwald steht es schlecht. Zahlreiche Bäume leiden unter Borkenkäfer- und Pilzbefall sowie Trockenheitsschäden. Hunderte Bäume in Wernigerode und Schierke müssen deshalb gefällt werden. „Die Lage ist ernst“, sagte Ordnungsdezernent Christian Fischer in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Das hat finanzielle Folgen: Im Ordnungsausschuss war noch von rund 100.000 Euro die Rede, die zusätzlich für die Beseitigung von Schadholz fließen müssen.

Zwei Wochen später im Stadtrat legte die Verwaltung noch eine Schippe drauf. Noch einmal rund 130.000 Euro würden für die Verkehrssicherung an Waldwegen gebraucht, sodass insgesamt nun rund 230.000 Euro mehr veranschlagt werden. Der Stadtrat genehmigt die Ausgabe bei einer Enthaltung.

Wie es sein könne, dass sich die Lage innerhalb von zwei Wochen seit der Ordnungsausschussitzung so verändert habe, wollte Matthias Winkelmann (CDU) wissen. Das liege zum einen daran, dass die Inventur just in dem Moment abgeschlossen wurde, als der Ausschuss tagte, antwortete Dezernent Fischer. Die Ergebnisse hätten erst danach vorgelegen. Zum anderen verändere sich die Lage im Wald laufend – und das nicht zum Vorteil. „Wir führen mit dem Borkenkäfer einen Wettlauf, der an Hase und Igel erinnert.“ Und allzu oft finde sich die Stadtverwaltung in der Rolle des Hasen wieder, der den Ereignissen hinterherlaufe. „Bäume, die im Juli oder August noch gesund aussahen, sind jetzt tot“, so Fischer.

Summe mehr als verdoppelt

Dass sich die vorgesehene Summe mehr als verdoppelt hat, liege vor allem daran, dass die Stadt ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen müsse. An vielen touristischen Wanderwegen sei Gefahr im Verzug, heißt es in der Begründung für den Stadtratsbeschluss. Rund um Winde, Salzbergstraße und Blindenweg müssten 50 Bäume gefällt werden, ebenso in Hasserode rund um Papental und Schmiedeberg. Am grünen Käseweg sind 30 Bäume als Gefahrenquelle ausgemacht worden, ebenso viele Bäume müssen an der Schloßstraße weichen. Jeweils zehn Bäumen müssen am Bohlweg und am Zillierbach entfernt werden, zwei sind es im Zwölfmorgental.

In Schierke sind es 80 Bäume an der Sandbrinkstraße und der Straße Am Winterbergtor, die gefällt werden müssen. 45 potenziell gefährliche Bäume stehen rund um die Schierker Baude, 20 weitere befinden sich am Bothoweg.

Von der Trockenheit betroffen sind zudem die städtischen Grünanlagen. Mit dem Budget, das bisher für 2019 vorgesehen ist, könnten lediglich dringend notwendige Arbeiten im Lustgarten erledigt werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Wenn aus Geldmangel in den anderen Grünanlagen nicht gefällt und beschnitten werden könne, dann seien Schäden für Leib und Leben sowie Sachschäden zu befürchten.

Massiv bruchgefährdet

Dies betreffe insbesondere den Bereich rund um das Karl-Marx-Denkmal in Wernigerode, die Blutbuche an der alten Musikschule, eine Straßenlinde in Silstedt und eine massiv bruchgefährdete Kastanie am Vorwerk. Ebenso seien am alten Liebfrauenfriedhof, an der Flutrenne und am Stadtgarten dringende Arbeiten zu erledigen.

Die Probleme, die Trockenheit und Schädlinge verursacht haben, betreffen nicht nur Wernigerode, sondern den ganzen Harz, sagt Fischer. Er warnte in der Stadtratssitzung davor, die Genehmigung für die zusätzlichen Ausgaben zu verschieben und damit zu riskieren, dass Wege gesperrt werden müssten. „Ich glaube nicht, dass wir uns das wünschen.“ Wichtig sei nun, Firmen zu finden, die noch in diesem Jahr aktiv werden. „Ohne Haushaltsmittel kann ich keine Vergabe vornehmen.“

Ob es realistisch sei, die nötigen Kräfte dafür zu finden, wollte Frank Diesener (CDU) wissen. „Ist es überhaupt möglich, diese Summe umzusetzen?“ Falls der Betrag nicht ausgegeben werde, verbleibe er im Haushalt, sagte dazu Kämmerer Frank Hulzer. Wenn es um Gefahrenabwehr gehe, könne die Stadtverwaltung aber „anders agieren“ als bei anderen Vergaben, so Hulzer. „Wir sind optimistisch, dass wir den größten Teil ausgeben können.“

Geld steht bereit

Finanziert werden soll der Mehraufwand aus der Summe, welche die Stadt wegen der Absenkung der Kreisumlage gespart hat. Dadurch hat die Stadt mehr als 500.000 Euro zusätzlich zur Verfügung. Diesener erinnerte jedoch an die Mahnung Hulzers, das Geld nicht sofort auszugeben. Der Kämmerer hingegen kann erklärtermaßen damit leben, das Geld für die Arbeiten im Stadforst auszugeben. „Es ist eine Ausnahmesituation. Es scheint, dass sich der Zustand des Waldes von Woche zu Woche verschlechtert.“

Zwar sei eigentlich noch eine Diskussion im Ordnungsausschuss angebracht, gab Matthias Winkelmann zu bedenken. Klar sei aber: „Die Verkehrssicherungspflicht steht für uns an erster Stelle.“ Für grünes Licht ohne Zeitverzug warb Siegfried Siegel (SPD). „Jeder, der in den Wald schaut, weiß, worum es geht. Es ist Gefahr im Verzug. Wir müssen handeln.“