Hüttenrode l Grills, einen Schlafsack, haufenweise Plastikverpackungen – all das hat die Trockenheit am Grunde des Blauen Sees zu Tage gefördert. Das Naturwunder an der Bundesstraße 27 zwischen Hüttenrode und Rübeland gleicht zum Ende des Winters eher einem Mondkrater als der bekannten blauen Lagune.

Schockiert über den Zustand war der Wernigeröder Ulrich Eichler, als ihm sein Freund Ronald Langer aus Benneckenstein Aufnahmen des trocken gefallenen Gewässers im Tagebaurestloch zeigte. „Seit meinen Jugendtagen ist der Teich eine Herzensangelegenheit für mich. Ich bin, wie viele Harzer, zu Himmelfahrtsausflügen hierher gewandert und habe am Ufer gezeltet“, berichtet der Vizechef des Wildfisch- und Gewässerschutzvereins.

Der 67-jährige Eichler habe den von Karstquellen gespeisten See schon in allen Schattierungen von seiner typisch azur- bis türkisblauen Färbung im Frühjahr über Grüntöne im Sommer bis hin zu Niedrigwasser im Herbst bewundert – aber noch nie komplett leer. „Ich kann mich nicht erinnern, den Teich schon einmal so erbärmlich gesehen zu haben“, pflichtet ihm Hüttenrodes Ortsbürgermeister Frank Wieckert (CDU) bei, als er am Mittwoch vom Steilufer in den einstigen Steinbruch hinabblickt.

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Wassermangel als Folge des Klimawandels

„Der Blaue See ist ein Paradebeispiel für die Folgen des Klimawandels in unserer Region“, steht für Ulrich Eichler fest. Zwei trockene Jahre hintereinander hätten ihre Spuren hinterlassen. „Es fehlt das Wasser von der Schneeschmelze, dazu fällt der Grundwasserspiegel“, ergänzt Wieckert, seines Zeichens Landwirt.

Umso dankbarer ist der Hüttenröder für die Soforthilfe, die der Wildfischverein für den Blauen See angeboten hat: Eichler, Vereinschef Otfried Wüstemann und Bernd Lochau nutzen die Trockenheit, um am Grund des normalerweise bis zu 15 Meter tiefen Gewässers aufzuräumen.

Acht Säcke voller Müll und alte Geländer

Binnen drei Stunden füllen sie acht große Pastiksäcke mit Unrat vom Boden des Teichs. „Es ist erstaunlich, was wir alles finden – von Taucherbrillen über ein Schlauchboot und Kinderschuhe bis hin zu Resten eines alten Metallgeländers“, berichtet Eichler. Der Technische Eigenbetrieb der Stadt Blankenburg habe sich kurzfristig bereit erklärt, den Müll abzutransportieren und den Grund des Sees von großen Baumstämmen zu bereinigen. „Für diese unkomplizierte Zusammenarbeit“ sei Eichler einfach dankbar.

Schließlich handele es sich es beim Blauen See längst nicht mehr nur um einen Geheimtipp unter Ausflüglern, sondern ein touristisches Aushängeschild des Harzes. Hintergrund: Das Landesamt für Geologie und Bergwesen hat den in den 1950er Jahren stillgelegten Kalkstein-Tagebau als wertvolles Geotop eingestuft. Seine leuchtend blaue Färbung im Frühling verdankt das glasklare Wasser seinem hohen Kalkgehalt. Im Sommer sorgt Algenwachstum für ein kräftiges Grün. Das malerische Idyll diente schon als Kulisse für zahlreiche Defa-Filme.

Ob sich Harzer und Touristen nun auf Dauer vom azurenen Wasser inmitten der weißen Kalkklippen verabschieden müssen? „Ich hoffe nicht, aber die Wetterextreme in unserer Gegend werden weiter zunehmen“, füchtet Ulrich Eichler.