Krankenhaus

Wernigerodes Harzklinikum startet mit Neubau in neues Zeitalter

Nach und nach zieht Leben ein in den 34-Millionen-Euro-Neubau des Harzklinikums in Wernigerode. Das Gebäude soll für die Patientenversorgung im Harz ein Meilenstein sein.

Von Holger Manigk
Robert Fiedler, Chefarzt der Radiologie, zeigt den Magnetresonanztomografen im Neubau des Harzklinikums in Wernigerode. Seine Abteilung ist im Erdgeschoss des 34-Millionen-Euro-Kolosses untergebracht – mit kurzen Wegen zur Notaufnahme.
Robert Fiedler, Chefarzt der Radiologie, zeigt den Magnetresonanztomografen im Neubau des Harzklinikums in Wernigerode. Seine Abteilung ist im Erdgeschoss des 34-Millionen-Euro-Kolosses untergebracht – mit kurzen Wegen zur Notaufnahme. Foto: Holger Manigk

Wernigerode - Für das Harzklinikum in Wernigerode hat am Freitag, 18. Juni, einer der einschneidendsten Umbrüche seiner Geschichte begonnen. „Wir werden den Standort buchstäblich auf den Kopf stellen“, versprach Geschäftsführer Peter Redemann beim Festakt. Keine Abteilung bleibe, wo sie ist. So stünden 20 Umzüge rund um den Krankenhaus-Komplex an der Ilsenburger Straße an. Die sollen bis zum Ende des Sommers gemeistert sein.

Der Plan hinter der 34-Millionen-Euro-Investition: Alle Bereiche von Diagnostik und Therapie sollen im Koloss auf dem Innenhof der Klinik konzentriert werden, ambulante Leistungen ringsum im historischen Altbau aus der Gründerzeit. Wernigerode habe mit dem Neubau – aktuell die größte Investition eines Krankenhauses in Sachsen-Anhalt – einen „Schatz“ erhalten, betonte Landrat Thomas Balcerowski. Der Christdemokrat – gleichzeitig Aufsichtsratschef der Krankenhaus-Gruppe – erinnerte an den Gewinn für die gesamte Harzregion. Immerhin stamme rund ein Drittel der betreuten Patienten aus dem benachbarten Niedersachsen.

Schlüssel für medizinische Versorgung im Harz

Spezialisierung – wie sie im Wernigeröder Krankenhaus vorgelebt würde – sei „der Schlüssel für Erfolg in der Zukunft“. Dementsprechend lautet Balcerowskis Wunsch und Traum: „Vielleicht gelingt es uns, das Halberstädter Krankenhaus in kommunale Trägerschaft zurückzuführen.“ Mit diesem Schritt sehe er die Versorgung im Landkreis „über Jahrzehnte gut aufgestellt“.

Wie schwierig die Finanzierung des Viergeschossers war, verdeutlichte Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD): Er sei „eines der größten Projekte“, das die gemeinsame Kommission aus Vertretern des Landes, seiner Krankenhausgesellschaft und der Krankenkassen je genehmigt habe. „Wir hatten Glück, dass wir die meisten Gewerke schon vor der großen Baukostensteigerung ausgeschrieben hatten“, ergänzte Joachim Welp. Das Braunschweiger Architekturbüro Schweitzer + Partner um den geschäftsführenden Gesellschafter hatte 2014 den Auftrag für den Neubau erhalten.

Mammut-Projekt mit Schwierigkeiten

Die Arbeiten an der Ilsenburger Straße begannen 2017, ursprünglich sollte das 22 Meter hohe, 51,50 Meter lange und 35 Meter breite Gebäude bereits 2020 in Betrieb genommen werden. Doch die Corona-Pandemie mit Baustopps und teils erheblichen Lieferverzögerungen machte den Planern einen Strich durch die Rechnung.

In die untere Etage ziehen die Notaufnahme und die Radiologie mit modernen Röntgengeräten, einem Computertomografen und einem Kernspintomografen (MRT). „Wir haben damit deutlich kürzere Wege als zuvor, können schneller reagieren“, erläuterte Chefarzt Robert Fiedler. Das Geschoss darüber beherbergt das Herzstück des Neubaus: Die Kinderklinik samt Neonatologie, einer Intensivstation für Früh- und Neugeborene in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Kreißsälen. „Mütter und Kinder erhalten nun deutlich mehr Komfort“, sagte Abteilungsleiter Henning Böhme mit Blick in die großzügigen Räume. In der neuen Kinderklinik sollen bis zu 32 junge Patienten mit ihren Müttern Platz finden, in der Frühchenstation bis zu zwölf Betten. Der Vorgänger an der Steinbergstraße in Hasserode wird mit dem Umzug geschlossen.

Dazu kommen neue Operationssäle, die Intensivstation und die Klinik für Neurologie mit ihrer Schlaganfall-Einheit (stroke unit). Wernigerodes Krankenhaus erhalte damit die „Crème de la Crème“ der technischen Ausstattung, versprach Ministerin Grimm-Benne.

Geschäftsführer Peter Redemann (zweiter von links) erhält von Joachim Welp vom Architekturbüro Schweitzer + Partner den symbolischen Schlüssel für den Neubau des Harzklinikums an der Ilsenburger Straße in Wernigerode. Bei der feierlichen Übergabe waren Pflegedirektorin Gundula Kopp, Sozialministerin Petra Grimm-Benne, Harz-Landrat Thomas Balcerowski und der ärztliche Direktor Tom Schilling (von links) dabei.
Geschäftsführer Peter Redemann (zweiter von links) erhält von Joachim Welp vom Architekturbüro Schweitzer + Partner den symbolischen Schlüssel für den Neubau des Harzklinikums an der Ilsenburger Straße in Wernigerode. Bei der feierlichen Übergabe waren Pflegedirektorin Gundula Kopp, Sozialministerin Petra Grimm-Benne, Harz-Landrat Thomas Balcerowski und der ärztliche Direktor Tom Schilling (von links) dabei.
Foto: Holger Manigk