Wernigerode l Barbara, Hubertus und Maria haben Bastian Märkisch Glück gebracht. Der Achtjährige hat über die drei Heiligen, die die Fenster der Marienkirche in Wernigerode zieren, eine Arbeit geschrieben. Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten wurde er dafür ausgezeichnet - als einziger Grundschüler erhielt er einen Bundespreis.

Sein Thema fand der Viertklässler, der die Francke-Grundschule besucht, in der Kirche seiner Heimatgemeinde. Wie der Rest seiner Familie ist er Mitglied der katholischen Kirchgemeinde St.?Marien. Die drei Fenster im Chorraum des Gotteshauses fielen ihm während der Messen ins Auge.

19-seitige Arbeit

"Jeden Sonntag habe ich viel Zeit, sie mir zu betrachten, besonders während der langen Predigten des Pfarrers", schrieb er in der Einleitung zu seiner 19-seitigen Arbeit. Das passte zum Thema "Gott und die Welt. Religion macht Geschichte", das im Schuljahr 2016/2017 den Geschichtswettbewerb bestimmte.

Bastian ist nicht der erste aus seiner Familie, der historische Recherchen betreibt: Sein Vorbild war die große Schwester Janna. "Sie hat auch schon an dem Wettbewerb teilgenommen", sagt der Junge. Zudem stand ihm eine kundige Helferin zur Seite: Mutter Ines ist Geschichtslehrerin im Landschulheim Grovesmühle in Veckenstedt und hat bereits zahlreiche erfolgreiche Wettbewerbsarbeiten betreut. "Es ist ein sehr schöner Wettbewerb, weil man ein halbes Jahr Zeit", sagt sie. Allerdings sei es für Schüler schwer, so lange an einem Thema dranzubleiben.

Ihr Sohn hatte jedoch von Anfang an eigene Vorstellungen, wie sein Projekt aussehen sollte. "Am Anfang wollte er alles selbst machen", sagt Ines Märkisch mit einem Lächeln. Bastian, der damals die dritte Klasse besuchte, recherchierte in Kirchenchroniken und Büchern zur Geschichte der Heiligen, informierte sich für die Entstehung und die Gestaltung der drei Kirchenfenster und schoss Fotos. Sogar das Tippen am Computer hat der Junge eigenhändig erledigt, bis aus Zeitgründen seine Mutter die Rolle der "Schreibmaschine" übernahm und eingab, was er ihr diktierte.

Spenden für das neue Gotteshaus

Zudem hat der junge Historiker den Kirchenchronisten Lothar Wehr interviewt und nach der Messe Zettel an die Besucher verteilt. Diese wurden gefragt, welche Motive heutige Kirchenfenster zieren sollten und ob sie bereit wären, dafür zu spenden. Vor der gleichen Frage haben im Jahr 1906 die damaligen Gemeindemitglieder der Pfarrei St. Marien gestanden, die mit ihren Spenden und Schenkungen nicht nur den Bau der Kirche, sondern auch die Fenster bezahlten.

Bis dahin hatte die Gemeinde ihre Messen in einer Notkapelle in der Grünen Straße abgehalten, die für die wachsende Zahl der Mitglieder jedoch bald zu klein war. Um Geld für den Kirchenbau und die Fenster aufzubringen, startete der damalige Pfarrvikar Adolf Ostendorf 1903 eine Spendenkampagne und schrieb dafür sagenhafte eine Million Bettelbriefe. 60.000 Mark hat dies eingebracht. Am 12.?Juni 1905 wurde zu Pfingsten der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt, am 1. Juli 1906 wurde die Kirchweihe gefeiert.

Vorschläge für Gestaltung

325 Mark hat damals jedes der drei Buntglasfenster gekostet - gestiftet von Bergrat Weber aus Ilsenburg, Fabrikdirektor Klein aus Elbingerode und dem Kirchenarchitekten Bruns. Entworfen und angefertigt wurden die Fenster aus Bleiglas von der Firma Wilhelm Goergens aus Magdeburg. Die Motive zeigen, was den Menschen damals wichtig war - die Heilige Maria als Muttergottes und Namensgeberin der Kirche ist im Zentrum abgebildet, ihr zur Seite stehen mit der Heiligen Barbara und dem Heiligen Hubertus die Patrone der Bergleute und der Jagd. "Überall hat man die Heiligen, die man zum Schutz für bestimmte Berufsgruppen, die es in einer Gegend gab, angerufen hat, besonders verehrt. Anhand der Heiligen in den Kirchen kann man also häufig erkennen, wovon die Menschen in der Umgebung gelebt haben", schreibt Bastian Märkisch in seiner Wettbewerbsarbeit.

Dies zeigte sich übrigens in den Vorschlägen, die der Viertklässler gesammelt hat: Moderne Fenster sollten zum Beispiel Studenten mit der Hochschule Harz zeigen, Bier mit der Hasseröder Brauerei, Touristen mit Harzquerbahn und Brocken oder der Heilige Bonifatius mit der Kirche.

"Ich glaube, das mit dem Bier war der Pfarrer", verrät Bastian Märkisch, der mit seiner Umfrage für Verwirrung in der Gemeinde sorgte. "Einige dachten, dass wir die Fenster wirklich umgestalten wollen", berichtet seine Mutter.

Bastians Werk schlug bereits bei den Juroren auf Landesebene ein. Sieben Landessieger und sieben Förderpreise sind in Sachsen-Anhalt verliehen worden, berichtet Ines Märkisch. Der Erfolg hat selbst sie überrascht. Zwar wusste sie, dass die Arbeit ihres Sohnes gelungen war. Doch auf mehr als einen Förderpreis auf Landesebene hatte sie nicht gehofft. "Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass er so weit kommen wird", sagt Bastians Mutter. In Magdeburg nahm der Junge Mitte September aus der Hand von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) seine Auszeichnung entgegen.

Erfolg beflügelt jungen Historiker

Als einer von insgesamt 250?Landessiegern nahm Bastian automatisch an der Endrunde auf Bundesebene teil - und wurde als einziger Grundschüler mit einer Auszeichnung bedacht. Fünf erste Preise wurden vergeben, 15 zweite Preise und 30 dritte Preise - einer ging an Bastian Märkisch. 500 Euro Preisgeld hat er überreicht bekommen, die vom Bundespräsidenten unterschriebene Urkunde kam mit der Post. Was er mit dem Geld anfangen wird, weiß er noch nicht. Doch der Erfolg beflügelt den jungen Forscher. "Beim nächsten Wettbewerb will er wieder mitmachen", sagt Ines Märkisch.