Staudenknöterich

Wie sich invasive Pflanzenart im Oberharz ausbreitet

Vor fast 200 Jahren als Zierpflanze eingeführt, wird der Japanische Staudenknöterich zur Plage. Das Gewächs breitet sich rasant aus – auch im Oberharz.

Von Jürgen Kohlrausch 06.07.2021, 19:42
Wasserökologe Otfried Wüstemann warnt vor einer Ausbreitung des Staudenknöterichs am Moserteich bei Benneckenstein. Dem Angelverein bietet er seine Hilfe an.
Wasserökologe Otfried Wüstemann warnt vor einer Ausbreitung des Staudenknöterichs am Moserteich bei Benneckenstein. Dem Angelverein bietet er seine Hilfe an. Foto: Jürgen Kohlrausch

Benneckenstein - Weltweiter Handelsverkehr hat in Verbindung mit der Klimaerwärmung bewirkt, dass viele neue Arten, vorwiegend aus dem asiatischen Raum, sich in der Harzer Fauna und Flora ausgebreitet haben. Der giftige Riesenbärenklau ist bereits weit verbreitet. Zu den problematischsten dieser invasiven Neophyten gehört der Japanische Staudenknöterich, der sich praktisch ungehemmt in Deutschland vermehrt und somit die heimische Pflanzenwelt verdrängt.

Der unbedarfte Gartenfreund, der die schnell wachsende und nicht schmucklose Pflanze aus Unwissenheit in seinem Garten angepflanzt hat, wird diese kaum mehr los.

Die Problempflanze, deren Wurzeln bis zu zwei Metern in das Erdreich eindringen, kann eine Wuchshöhe von drei Metern erreichen. „Mit ihrem dichten Blattwerk überschatten sie die einheimische Flora und verdrängen diese“, erläutert Umwelt-Experte Otfried Wüstemann.

Ausbreitung in Benneckenstein und am Moserteich

Der Wasserökologe des Nationalparks Harz hat sich bereits mehrere Male mit der Bekämpfung der Problempflanze befasst und benennt einige Vorkommen auch im Oberharz. Zu erkennen ist die Pflanze an ihren aufrechten, bald aber schräg herunterhängenden kahlen, bambusartigen hohlen Stängeln und den großen Blättern.

Einige erste Exemplare wurden am Brennereiweg in Benneckenstein gesichtet, ein größeres Vorkommen hat sich am Moserteich ausgebildet. Das idyllische Angelgewässer könnte ohne sofortige Eingriffe in Gefahr geraten, warnt Wüstemann.

Ausgraben und Verbrennen als erste Hilfe

„Dass gezielte Gegeninitiativen Erfolg haben können, zeigen einige vorangegangene Arbeitseinsätze in den Jahren 2010 und 2012 im Ilsetal. Dort haben sich die Knöterichbestände schon stark gelichtet und an einer weiteren Stelle war der Neophyt bereits wieder verschwunden“, erläutert der Naturfreund.

Er rät, die oberirdischen Pflanzenteile abzuschneiden und die Wurzeln sorgfältig auszugraben. Jedes noch so kleinste Wurzelteil könne aber Ausgangspunkt für einen neuen Spross werden. Blatt- und Wurzelmaterial sollten verbrannt, die Reste über längere Zeit mit schwarzer Folie abgedeckt werden.

Wenn sich der Knöterich bereits großflächig ausgebreitet habe, helfen Rodung und Verbrennung jedoch kaum noch, mahnt Wüstemann. Dann sei es meist zu spät. Umso wichtiger sei es daher, durch Aufklärung und achtsamen Umgang einer massiven Ausbreitung dieser Problempflanzen vorzubeugen.

Wüstemann bezeichnet die Unwissenheit der Leute als größte Gefahr. Häufig führe Sorglosigkeit dazu, dass die Pflanzenrückstände abseits der Wege entsorgt werden. Ein kapitaler Fehler.

Jeder Betroffene müsse sich darüber bewusst sein, dass ein leichtfertiges Entsorgen nach dem Motto „Das macht doch nichts, das merkt doch keiner“ nicht nur den Schaden in der Natur vergrößert, sondern auch einen Strafbestand darstellen kann.