Wernigerode l Der Gastraum der „Bodega“ sieht aus, als wäre nie etwas geschehen. Im Regal sind die Weinflaschen akkurat aufgereiht, Gläser stehen auf dem Tresen bereit, die polierten Tischplatten glänzen. Seit dem verheerenden Brand am 1. Juli waren die Sitzplätze in dem beliebten spanischen Restaurant jedoch verwaist (die Volksstimme berichtete). Das wird sich nun ändern: Ab kommenden Sonnabend bevölkern wieder Gäste das Lokal in der Wernigeröder Marktstraße.

In den vergangenen Monaten waren die Eigentümer des Brandhauses damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Bis Oktober dauerten die Abbrucharbeiten an dem Gebäudeteil, an dem das Feuer ausgebrochen war – inklusive Beräumung von Schutt und unbrauchbar gewordenem Material. „Da war einiges zu tun“, berichtet Inhaber Alexander Kasten. Denn alles, was sich hinter der Brandschutztür zwischen den beiden Hausteilen befand, fiel den Flammen zum Opfer. Und das war nicht wenig: Auf dem Dachboden lagerten zum Beispiel Tische, Stühle und Dekorationsgegenstände. „Das ist alles verbrannt.“

Dabei seien die Eigentümer noch mit einem blauen Auge davongekommen. „Wir können von Glück sagen, dass Juli war“, sagt Kasten – nach der Biergartensaison seien Tische, Stühle und weitere Ausstattung, die sonst auf der Terrasse stehen, stets auf dem nun zerstörten Speicher gelagert worden.

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Dach, Strom und Brandschutz

Ein Lichtblick war die Zusammenarbeit mit den Behörden, die zügig die nötigen Genehmigungen erteilten, lobt Kasten. Nach den Abbrucharbeiten wurde das Gebäude verschlossen und ein provisorisches Dach aufgesetzt, das bis zum Herbst bestehen bleiben soll. Neue Stromleitungen mussten verlegt und eine Brandschutzanlage installiert werden – die gesamte Haustechnik für die „Bodega“ wie auch für das benachbarte „Altwernigeröder Kartoffelhaus“ und das dazugehörige Hotel waren in dem abgebrannten Gebäude mit der Hausnummer 10 untergebracht. Ebenso befanden sich dort die Sanitäranlagen für das Restaurant, die ebenfalls bald fertig werden sollen. Einstweilen weichen die Gäste auf das stille Örtchen des „Kartoffelhauses“ aus.

Auch wenn es nicht so aussieht: Im „Bodega“-Gastraum war ebenfalls viel zu tun. Rauch und Löschwasser hatten nicht nur den Fußboden in Mitleidenschaft gezogen. „Es hat allein mehr als vier Monate gedauert, bis der Gestank draußen war“, berichtet Kasten. Nach langem Lüften und chemischer Reinigung sowie neuen Tapeten samt Anstrich ist der Raum wieder nutzbar. Die offene Küche wurde bei der Gelegenheit mit Glas verkleidet, um Gerüche abzuhalten.

Der Wiedereröffnung der „Bodega“ steht damit nichts mehr im Wege. Am Sonnabend ab 17 Uhr werden Gäste empfangen – allerdings nur solche, die sich vorab angemeldet haben, denn das Restaurant ist an dem Tag bereits restlos ausgebucht. Auch für die folgenden Tage hat Alexander Kasten bereits zahlreiche Vorbestellungen entgegengenommen. Schon die drei spanischen Abende, die er von Oktober bis Dezember veranstaltet hat, seien gut angekommen. „Viele interessieren sich für den Fortgang der Bauarbeiten und freuen sich, dass sie wieder kommen können“, berichtet der Gastwirt.

Hoffen auf den März

Derweil blicken die Inhaber – Alexander Kasten führt die Restaurants und das Hotel gemeinsam mit seinem Vater Siegfried – bereits auf den zweiten Bauabschnitt. „Wir hoffen, dass im März die Arbeiten im Außenbereich losgehen können.“ Beschädigtes Holz werde ausgetauscht, die Fassade wieder hergerichtet. Ab Herbst soll ein neuer Dachstuhl errichtet werden. Im Inneren werde sich ebenfalls einiges tun. Künftig soll der Raum, bisher eher ein Durchgang, stärker in das Lokal integriert werden. „Das wird ein richtiger Gastraum, in dem Familienfeiern mit bis zu 30 Personen möglich sind“, kündigt Alexander Kasten an.

Auf dem erneuerten Dachboden sollen Umkleideräume und voraussichtlich eine Wohnung entstehen. „Das alles ist aber noch Zukunftsmusik“, sagt der „Bodega“-Inhaber. Mit Voraussagen zum Zeitplan will er sich nicht festlegen, hofft aber, dass das Restaurant Anfang Dezember wieder voll hergestellt ist. Eins ist aber sicher: „Der Biergarten öffnet auf jeden Fall im April.“

Das historische Gebäude mit der Hausnummer 10 ist eines der ältesten in der Marktstraße. Das ehemalige Stellmacherhaus wurde um das Jahr 1650 errichtet und ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude der Barockzeit in der Umgebung.

Historisch wertvoll

Am Morgen des 1. Juli 2019 geriet der Dachstuhl des Hauses in Flammen. Rund 100 Feuerwehrleute aus Wernigerode und der Umgebung kämpften rund zwei Stunden lang gegen die Flammen und konnten ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarten Gebäude verhindern. Grund für den Brand war ein Gasbrenner, mit dem nahe der holzverkleideten Fassade Unkraut entfernt worden war. Am Gebäude entstanden rund 500 000 Euro Schaden.