Blankenburg l Sie werden immer frecher. Bis an den Rand von Blankenburgs Innenstadt wagen sich Wildschweine inzwischen vor. Volksstimme-Leser berichten davon, dass ganze Rotten der Schwarzkittel über die Straße Am Mönchenfelde in Richtung Anlage des Kleingartenvereins „Burg Regenstein II“ ziehen.

„Das Problem haben wir seit Jahren“, bestätigt Andy Schmitt auf Volksstimme-Anfrage. Wie der Chef der Kleingärtner erläutert, hätten die anpassungsfähigen Allesfresser im Photovoltaikpark auf dem Schlackeberg direkt nebenan eine Heimat gefunden. Nun schlichen die Schweine auf Nahrungssuche regelmäßig zu den Gärten.

Deren Pächter haben laut Schmitt schon vor Jahren auf die eindringenden Wildtiere reagiert – mit einer Stahlbewehrung für den Zaun rund um die Sparten. „Nun beginnt die Zeit, in der die Wildschweine sich besonders weit vorwagen.“ Der Blankenburger habe die Wildtiere im Winter sogar schon auf dem Parkplatz des nahen Nordharz-Centers beobachtet.

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Jäger versuchen, Population einzudämmen

Dies seien nicht die einzigen Stellen im Stadtgebiet, an denen sich Autofahrer vor Wildwechseln in Acht nehmen sollten, ergänzt Hans Sonnberger. Rund um die Straße Am Hasenwinkel habe er die Schwarzkittel ebenfalls des Öfteren beobachtet, berichtet der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft „Hubertus“ Blankenburg.

Positiv aus Sicht des Experten, der seit zwölf Jahren Chef der Jagdgenossen ist: „In diesem Jahr haben wir noch keine Beschwerden von Landwirten zu Wildschwein-Schäden auf ihren Feldern“, sagt Sonnberger. Das habe in der jüngeren Vergangenheit noch ganz anders ausgesehen. „Im zurückliegenden Jagdjahr konnten wir die Population im Stadtwald eindämmen.“ 2018/19 wurden 93 Schwarzkittel erlegt – fast dreimal so viele wie noch 2014/15, als es 35 Tiere waren. Sonnberger prognostiziert, dass im aktuellen Jagdjahr, das am 31. März endet, die Abschusszahl im Stadtwald wieder sinkt.

Gleichzeitig warnt er: „Spaziergänger mit Hunden müssen zu dieser Jahreszeit in Wald und Feld ihre vierbeinigen Schützlinge besonder gut im Griff haben.“ Denn Herbst ist Mastzeit, erläutert Jens Richter, Revierleiter im Wald der Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt (SUNK) rund um Blankenburg. „Die Frischlinge sind nun etwa sieben bis acht Monate alt, müssen sich Winterspeck anfressen.“

Wildschweine lernen schnell

Deshalb wagten sich die Tiere nun weiter in Richtung von Menschen bewohnter Gebiete vor. „Wildschweine sind intelligente Tiere und lernen schnell: Sie merken, dass in Stadtnähe niemand auf sie schießen darf“, erläutert Richter, der sein Büro im Jugendwaldheim Jugendwaldheim „Lindenberg“ in der Oesig hat.

Im mehr als 2000 Hektar großen Stiftungswald um Blankenburg, Hüttenrode, Heimburg und Cattenstedt zeichne sich bereits jetzt ein deutlich größere Wildschwein-Strecke als noch im vergangenen Jagdjahr ab. „Die Zahlen von 2018/19 haben wir inzwischen schon übertroffen“, sagt der gebürtige Ballenstedter. Kommentar