Wernigerode l Im Jahre 1463 hatte Heinrich Graf zu Stolberg Ländereien in der Nordharzer Auenlandschaft an die Benediktiner-Mönche zu Ilsenburg übertragen. Damit verbunden war die Genehmigung, Teiche zur Fischzucht anzulegen. Von da an holten die Ilsenburger Mönche Karpfen auch aus dem heutigen Großen Mönchsteich - fast genau so, wie es am vergangenen Sonnabend die Veckenstedter Teichwirte Diethard Trick und Bernd Alisch mit 25 Gehilfen taten.

Zwei Bottiche für Karpfen

Mit einem kurzen Kaffeetrinken zur Stärkung hatte um 7 Uhr der diesjährige Fischzug begonnen. Zunächst wurde das Wasser aus dem Teich abgelassen. Danach wateten einige Helfer, geschützt von wasserdichter Bekleidung, durch das schlammige Gewässer. Sie zogen mit einem langen Netz die Fische zum Abfluss des Teiches. Von dort gelangten hunderte Karpfen, aber auch einige Welse, Barsche und Zander, auf die direkt neben dem Teich aufgebauten Sortiertische. Neben den Tischen standen wasserbefüllte Bottiche, je einer für die im Teich befindlichen einzelnen Fischarten. Bei Karpfen wurden sogar zwei Bottiche aufgestellt, für große und kleine Tiere getrennt. Einige dieser Speisefische wogen über fünf Kilogramm. Diese werden, da nur selten solche großen Fische nachgefragt werden, filetiert und in Stücken verkauft, berichteten die Teichwirte.

16 Tonnen Fisch

Gegen Mittag zogen Diethard Trick und Bernd Alisch Bilanz: 15 Tonnen Karpfen und etwa eine Tonne Beifisch hatten sie mit Hilfe der Helferschar geerntet. Für die beiden Teichwirte nähert sich ein schwieriges Jahr dem Ende. Das längere Zeit sehr warme Wetter sorgte für steigende Temperaturen in den Gewässern – gut für die Karpfen, aber schlecht für die Forellen, die sich in kälteren Gewässern wohler fühlen. Dazu kamen die stets hungrigen Kormorane, die häufig über dem Wasser kreisten und sich Leckerbissen holten. Wenig Freude bereiteten auch Ausflügler, die ihre Hunde trotz des Verbotes ins Wasser ließen, die Fische aufschreckten und sich am bereitgestellten Fischfutter bedienten.

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Mit Jahr 2019 zufrieden

Dennoch sind die Teichwirte mit dem Jahr 2019 zufrieden. Die beiden früheren Angestellten des VEB Binnenfischerei Magdeburg hatten nach der Wiedervereinigung die Teiche von der Treuhandanstalt erworben und sich seitdem einen großen Kundenkreis aufgebaut, der inzwischen bis nach Niedersachsen reicht. So verwundert es nicht, dass zu den freiwilligen Helfern während der Fischernte auch Helfer aus dem Nachbar-Bundesland erschienen waren. „Wir kommen 2020 wieder“, versicherten beispielsweise die Angler aus Winnigstedt. Auch deren Hilfe könnte schon im zeitigen Frühjahr 2020 wieder erforderlich werden. Ein zweiter Fischteich soll kurz vor dem Osterfest abgelassen werden. Die sich momentan noch dort tummelnden Karpfen sind dann als Karfreitagsschmaus reserviert.