Tierischer Harz

Zoo-Spaziergang: Zwischen Tigern und Zebras

Auf rund zehn Hektar können die Gäste des Zoos Aschersleben 800 Tiere aus aller Welt erleben, Großkatzen und die kleinsten Schafe der Welt bewundern.

Von Johanna Ahlsleben 04.07.2021, 05:45
Wenn Alexander Beck, Leiter des Zoos Aschersleben, seinen Rundgang durch die Anlage absolviert, darf ein Besuch – Begrüßung inklusive – am Areal der Lamas nicht fehlen. Insgesamt leben etwa 800 Tiere in diesem Zoo.
Wenn Alexander Beck, Leiter des Zoos Aschersleben, seinen Rundgang durch die Anlage absolviert, darf ein Besuch – Begrüßung inklusive – am Areal der Lamas nicht fehlen. Insgesamt leben etwa 800 Tiere in diesem Zoo. Foto: Johanna Ahlsleben

Aschersleben - Es ist früh am Vormittag. Die Sonne lacht, so wie Alexander Beck, der schon am Eingang des Zoos Aschersleben wartet. Seit 2018 hat er die Leitung des Zoos in der ältesten Stadt Sachsen-Anhalts inne. Er selbst behauptet von sich, dass ihm die Liebe zu den verschiedensten Tieren in die Wiege gelegt worden sei. Zunächst habe er die klassische Ausbildung zum Tierpfleger absolviert, dann die zum Meister. Das habe ihn dazu befähigt, selbst einen Tiergarten zu leiten. Heute koordiniert er 20 Mitarbeiter.

Mittlerweile kennt er die Wege des rund zehn Hektar großen Naherholungsgebietes „Alte Burg“ wie seine Westentasche. Vor allem in den heißen Sommermonaten lässt es sich hier gut aushalten. Der alte und dichte Baumbestand spendet großzügig Schatten.

Nach einer lauten Begrüßung der Roten Varis und der Kattas geht es auf Entdeckungstour im Zoo Aschersleben. Erster Stopp: das größte Gehege der gesamten Anlage. Dort haben die vier weiblichen Litschi-Wasserböcke und ihr Männchen rund 8000 Quadratmeter Platz, um die Sonne zu genießen. Schon hier wird klar, dass die Mitarbeiter des Zoos großen Wert darauf legen, dass die Gehege wie der eigentliche Lebensraum der Tiere gestaltet sind. So steht beispielsweise den Wasserböcken eine große Freifläche, die an eine Steppe erinnert, zur Verfügung. Gegenüber schnattern die Flamingos wie wild durcheinander.

Verweildauer etwa zwei Stunden

Ein paar Schritte weiter liegt ein Ozelot zusammen gekuschelt auf einer Empore. Der Zooleiter weiß, dass die Besucher die meiste Zeit über an diesem Gehege verharren. „Wahrscheinlich ist seine besondere Musterung der Grund dafür.“ Insgesamt verbringen die Zoo-Gäste rund zwei Stunden in der Anlage.

Nach einem kurzen Abstecher zu den Muntjaks, kleinen asiatischen Hirschen, erreicht Alexander Beck nach einem Schlenker nach rechts die Voliere der Uhus. Anmutig sitzen diese in der alten Burgruine. Ihre Augen verfolgen jeden Besucher. Und das sind jährlich 90.000 bis 100.000.

Weiter geht es zu den Amurleoparden. „Sie sind sehr aktiv und nutzen auch die gesamte Größe ihres Geheges“, erzählt der Zooleiter. Jedoch leben in freier Wildbahn, vor allem im Leopardovy Nationalpark in Russland, nur noch wenige Exemplare. Laut der Tierschutzorganisation World Wildlife Found (WWF) zählt der Gesamtbestand nur noch etwas mehr als 100 Tiere.

Tiger-Singles

Unmittelbar hinter dem Gehege der Minischweine erstreckt sich das Zuhause von Tiger „Kalle“. Ein schüchterner Vertreter seiner Art, selten zeigt er sich den Besuchern. Zudem wohnt er seit kurzer Zeit allein. Seine Mitbewohnerin, eine weiße Tigerdame namens „Kimmy“. erlag vor einigen Wochen einem Tumor.

Nachdem sich Alexander Beck von „Kalle“ verabschiedet hat, geht es zum Highlight des Zoos. Hier fühlt sich der weiße Löwe Sambesi sichtlich wohl. Entspannt sitzt er auf einer Erhöhung und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Hin und wieder öffnet er verschlafen ein Auge, wenn Besucher laut staunen. Zurzeit wird an einem neuen Gehege für ihn gebaut. Wenn das Projekt beendet ist, dann können die Besucher den Löwen auch bestaunen, wenn er sich drinnen aufhält oder gefüttert wird.

„Aber wer denkt, dass er die Katzen hier groß in Aktion sieht, liegt leider falsch“, erklärt Alexander Beck. Die Tiere schlafen und dösen die meiste Zeit des Tages. Außer zu den Mahlzeiten. Dass das so ist, bestätigen auch die beiden Sibirischen Tiger ein Gehege weiter. Sie haben es sich im Schatten gemütlich gemacht. Auch der weiße Tiger „Karim“ – in Ostdeutschland einzigartig – liegt fast regungslos in seinem schattigen Unterschlupf. Dabei präsentiert sich das Tier, das seit 2007 im Aschersleber Zoo heimisch ist, in ganzer Pracht den großen und kleinen Besuchern.

Eine Tonne Futter pro Monat

Die Großkatzen verputzen bestimmt eine Menge, oder? „Ja, auf jeden Fall“, antwortet Beck. Pro Monat werde rund eine Tonne Nahrung an die Katzen verfüttert. Neben Fleisch stehen auch Obst sowie andere Leckereien auf dem Speiseplan. Der Tigerpfad, der sich hinter den Großkatzen-Gehegen herumschlängelt, wird derweil saniert, informiert der Zooleiter. Finanziert werde dieses Vorhaben mit Hilfe des Zoofördervereins. Wieder vorbei an den Uhus geht der Rundgang mit dem 50-Jährigen weiter.

Nach einem kurzen Stopp bei den Lamas, die im Sommer von ihrem dichten Fell befreit werden, geht es für Beck weiter zu den beiden Trampeltierdamen. Kaum haben sie ihn erblickt, kommen sie, um sich eine Streicheleinheit abzuholen. „Hin und wieder kommen sie nach vorne und lassen sich von den Gästen streicheln“ berichtet Beck, der seine Schützlinge kennt. Gegenüber haben die Rotluchse ihr Zuhause.

Ein Gehege weiter lässt sich schon anhand der schwarzen und weißen Streifen, die durch das dichte Grün schimmern, erahnen, wer hier wohnt: Zebras. Gleich gegenüber kann man die in Aschersleben heimischen „Amerikaner“ sehen. In dem Gehege fühlen sich Vikunjas, die wilden Verwandten von Alpakas, wohl. „Amerikaner“ deshalb, weil alle Tiere eigentlich in Südamerika zu Hause sind, ebenso wie die Nandus sowie Araucana-Hühner.

Höchster Niedlichkeits-Faktor

Als nächstes spaziert Beck zu den Tieren, die wohl den höchsten Niedlichkeitsfaktor der Anlage haben: die Erdmännchen. Manche dösen entspannt in der Sonne, andere tollen miteinander herum. Zudem hält immer einer des Rudels die Augen offen, um mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen.

Beim nächsten Stopp wartet schon Esel „Pino“ sehnsüchtig am Zaun auf seine Streicheleinheit. „Er ist zwar noch nicht lange bei uns, aber hat sich schon zum Publikumsliebling hochgearbeitet“, erzählt Alexander Beck. Er teilt sich sein Zuhause mit Shetland-Ponys.

Danach zeigt der Zooleiter den Weg zu den Meerkatzen und den Graupapageien. Eigentlich müssen Besucher einfach nur ihrem Gehör folgen, dann finden sie die Primaten auch ohne Hilfe. Freudig springen die Diana- und Brazza-Meerkatzen in ihrem Gehege herum. Klettern und schreien. „Manchmal sind sie ein bisschen aggressiv“, sagt Beck schmunzelnd. Aus diesem Grund weisen Schilder daraufhin, Finger und sonstige Gegenstände nicht ins Gehege zu stecken.

Wohlfühlambiente

In unmittelbarer Nähe zu den Affen wohnen zwei Schleiereulen. „Sie fühlen sich auch in der Nähe des Menschen wohl“, erläutert Beck. So haben die Mitarbeiter liebevoll einen halboffenen Schuppen für die Vögel gebaut. Dort sitzen sie versteckt in der Ecke aneinander gekuschelt. Nebenan verschlingt eine Schnee-Eule gerade geschwind ein kleines Küken. Dabei lässt sie sich nicht von den vorbeiziehenden Besuchern aus der Ruhe bringen.

Anschließend zeigt der Zooleiter das Streichelgehege, das in der Nähe des Planetariums Ziegen und die kleinsten Schafe der Welt beherbergt. Quessantschafe werden nur bis 48 Zentimeter hoch. Unter anderem werde ihre Wolle sowie die der Lamas zu einem späteren Zeitpunkt laut Beck beispielsweise zur Beschäftigung der Tiger weiterverwendet. Doch coronabedingt bleiben beide Attraktionen geschlossen.

Kein Tag wie der andere

Nach einem kurzen Besuch bei den Berberaffen endet der Spaziergang im Aschersleber Zoo schon. Denn das Tropenhaus, in dem Riesenschlangen, Nilflughunde sowie Süßwasserfische auf Gäste warten, bleibt vorerst coronabedingt geschlossen.

„Bei uns im Zoo verläuft kein Tag wie der andere“, freut sich Alexander Beck. Aber wer darf sich überhaupt Zoo nennen? Beziehungsweise wo liegen die Unterschiede zwischen Zoos und Tierparks? Beck weiß es: Rein juristisch gesehen, seien alles Zoos. Doch im Normalfall beherbergen Zoos größtenteils exotische Bewohner. Tierparks dagegen noch einen Teil heimischer Tiere.

Verlosung

Die Volksstimme verlost fünf Familienkarten für jeweils einen Besuch im Zoo Aschersleben. Dafür muss folgende Frage richtig beantwortet werden: Wie heißen die kleinsten Schafe der Welt und wie groß können sie werden? Schicken Sie die richtige Antwort bis zum 8. Juli einfach per Mail an redaktion.wernigerode@volksstimme.de oder per Post an die Redaktion der Harzer Volksstimme, Breite Straße 48 in 38855 Wernigerode, Kennwort: kleine Schafe. Wichtig: Geben Sie Ihren Namen, Ihre vollständige Adresse und Ihre Telefonnummer mit an. Die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt.

Der weiße Tiger Karim ist seit etwa zwei Jahren Single, seit seine Partnerin Kiara verstorben ist.
Der weiße Tiger Karim ist seit etwa zwei Jahren Single, seit seine Partnerin Kiara verstorben ist.
Foto: Marko Litzenberg
Schnell noch eine Küken-Mahlzeit, dann posiert die Schnee-Eule für die Kamera.
Schnell noch eine Küken-Mahlzeit, dann posiert die Schnee-Eule für die Kamera.
Foto: Johanna Ahlsleben
Die Zoo-Bewohner mit dem wohl höchsten Niedlichkeitsfaktor: Während das eine Erdmännchen sich ausruht, beobachtet das andere aufmerksam die Umgebung.
Die Zoo-Bewohner mit dem wohl höchsten Niedlichkeitsfaktor: Während das eine Erdmännchen sich ausruht, beobachtet das andere aufmerksam die Umgebung.
Foto: Johanna Ahlsleben
Die Zebras im Zoo Aschersleben ziehen sich bei Hitze und Sonnenschein lieber in den Schatten zurück.
Die Zebras im Zoo Aschersleben ziehen sich bei Hitze und Sonnenschein lieber in den Schatten zurück.
Foto: Johanna Ahlsleben
Der Ozelot verbringt, wie die meisten Vertreter der Katzenfamilie, die meisten Stunden des Tages mit Dösen und Schlafen.
Der Ozelot verbringt, wie die meisten Vertreter der Katzenfamilie, die meisten Stunden des Tages mit Dösen und Schlafen.
Foto: Johanna Ahlsleben