Wernigerode l Für Touristen und Pendler ist er das Tor nach Wernigerode: der Bahnhof. 2020 soll die Anlage ein neues Gesicht erhalten. Am alten Lager der Bahnreinigung entsteht eine moderne Toilettenanlage, ein Graffitikünstler verschönert den bislang eher tristen Personentunnel zum Parkplatz Feldstraße mit harztypischen Motiven.

„Die Pergola zum nahen Busbahnhof der Harzer Verkehrsbetriebe soll erneuert werden und das Bäcker-Café einen Außensitzbereich mit Schlossblick erhalten“, ergänzt Mieter- und Objektmanagerin Claudia Roth von der Deutschen Bahn. Dazu bringt der Konzern Schließfächer nach Wernigerode, die bargeldlos und ohne Schlüssel bedient werden. „So können Ausflügler den Tag ohne Gepäck genießen“, erläutert Roth.

Diese Neuerungen sind Teil eines großen Projekts: Die Station der bunten Stadt am Harz ist einer von bundesweit 16 sogenannten Zukunftsbahnhöfen. An denen testet die Deutsche Bahn, wie Besuchern und Fahrgästen die Wartezeit angenehmer gestaltet und die Weiterreise erleichtert werden kann.

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Mehr Infos über öffentlichen Nahverkehr

In Wernigerode wird dafür nicht nur in die bauliche In-frastruktur investiert, sondern auch in die digitale: Kostenloses WLAN soll ab nächstes Jahr im ganzen Bahnhof verfügbar sein. Dazu soll nach Plänen des Transportunternehmens mehrsprachige Wegeleitung internationalen Reisenden helfen, sich zu orientieren.

Noch bis Freitag, 13. Dezember, können Besucher zwei weitere neue Angebote testen: Ein digitales Info-Terminal im Foyer gibt einen schnellen Überblick über touristische Ziele, Veranstaltungen in der Stadt wie aktuell den Weihnachtsmarkt und die Anbindung zum Nahverkehr.

„Diese Vernetzung ist ein echter Fortschritt“, sagt Christian Fischer, Geschäftsführer der Harzer Verkehrsbetriebe. Neben dem Busfahrplan seines Unternehmens sollen Passagiere erfahren, wann die Züge des Dieselnetz-Betreibers Abellio und der Harzer Schmalspurbahnen nebenan fahren.

Vor dem Bahnhofsgebäude steht seit Montag zudem ein sogenannter Spielideen-Automat. Der bunt leuchtende Kasten liefert 80 Varianten des Zeitvertreibs rund um Bahnthemen und mit Bezug zur Harzregion. „Die Spiele sind sowohl für die Wartezeit als auch die Zugfahrt geeignet“, erläutert Mitentwickler Willy Durmaz vom Hallenser Büro für Sinn und Unsinn. Zuvor war das kostenlos nutzbare Gerät bereits im Bauhaus Dessau zu sehen.

Neue Qualität für Wernigerodes "Visitenkarte"

„Der Bahnhof ist die Visitenkarte unserer Stadt – von daher ist das Zukunftsbahnhof-Projekt für uns eine tolle Auszeichnung“, reagiert Wernigerodes Baudezernent Burkhard Rudo auf den Programmstart am Dienstag. Mit der neuen Schnittstelle zu Busverbindungen, der Umgestaltung der Unterführung und dem Toilettenneubau erhielten die Bemühungen der Stadtverwaltung für einen attraktiveren Bahnhof seit 2006 eine neue Qualität.

Das Rathaus ist wie die Wernigerode Tourismus GmbH seit einem Workshop im Mai in die Umgestaltung des Bahnhofs eingebunden. „Dieses Konzept ist speziell auf Wernigerode zugeschnitten – mit 5000 Gästen pro Tag ist er einer unserer kleinsten Zukunftsbahnhöfe“, erläutert Projekt-Referentin Doreen Dämmrich von der Deutschen Bahn. In der Umgebung sind Halle/ Saale mit 36.000 Besuchern sowie Wolfsburg mit 21.000 Pendlern und Berufsreisenden die nächsten Zukunftsbahnhöfe. Nach der Testphase 2020 könnten weitere Stationen im Harz folgen, so Dämmrich weiter.