Wernigerode l Die bunte Stadt am Harz in Aufbruchstimmung. Verwaltung und Stadtrat wollen gemeinsam mit den Bürgern die Zukunft von Wernigerode gestalten – mit Blick auf 2030. Dafür sind in einer Konferenz Ideen und Anregungen gesammelt worden, die nun in den nächsten Tagen ausgewertet und zu einer „Gesamtstrategie für ein nachhaltiges Wernigerode“ zusammengefügt werden. Dieser Entwurf wird als eine sogenannte Verweisungsbeschlussvorlage am 8. Dezember in der öffentlichen Stadtratssitzung (Beginn 17.30 Uhr) im Rathaus Thema sein.

Dass die Wernigeröder mit diesem Strategie-Vorhaben auf dem richtigen Weg sind, wurde ihnen von Experten bescheinigt. „Ich spüre hier ein starkes Wir-Gefühl“, betonte René Geißler. Der Projektmanager von der Bertelsmann-Stiftung moderierte die große öffentliche Zukunftskonferenz am Dienstagabend im Wernigeröder Rathaussaal und war von der Beteiligung – rund 250 Besucher – sowie vom Engagement in den Workshops begeistert.

Bürger gestalten konstruktiv mit

„Sie könnten sich auch alle ausruhen, Wernigerode ist eine attraktive Stadt mit einer hohen Lebensqualität“, sagte Geißler nach der Vorstellung der Bürgerbefragung unter Regie von Birgit Apfelbaum. Kurz und knapp stellte die Professorin am Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz in Halberstadt die Ergebnisse der Befragung und Interviews von insgesamt 940 Personen vor. Daraus abgeleitet wurden die zwölf wichtigsten Handlungsfelder, zu denen Leitsätze erarbeitet wurden. Verantwortlich für diesen Part waren Katrin Anders von der Stadtverwaltung und Henrik Riedel von der Bertelsmann-Stiftung.

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Beide luden die Anwesenden ein, sich in einem knapp einstündigen Workshop mit einem Handlungsfeld zu beschäftigen, Leitsätze zu konkretisieren, Ziele und Vorhaben zu erarbeiten, um die Ergebnisse im Anschluss zu präsentieren. Das Duo hatte beste Vorarbeit geleistet, viele der Konferenzteilnehmer nutzten die Chance der „konstruktiven Mitgestaltung“, zu der Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) in seiner Begrüßung eingeladen hatte.

Sport rückt in den Fokus

„Die Ergebnisse haben uns beeindruckt“, sagten die Organisatoren übereinstimmend. Die Beteiligten hätten sich nicht nur mit konkreten Vorhaben beschäftigt, „sondern auch kompetente Rückmeldungen zu den Leitsätzen gegeben“. Ebenso wurden Änderungs- und Ergänzungsvorschläge unterbreitet und bei der Präsentation der Ergebnisse immer wieder deutlich, dass einzelne Handlungsfelder im Zusammenhang mit anderen betrachtet werden müssen. Beispielsweise tauchte das Thema Elektromobilität sowohl in Tourismus als auch in Klimaschutz und in Mobilität auf.

Und es gab Überraschungen: Das nach der Bürgerbefragung priorisierte Handlungsfeld „Ordnung und Sauberkeit“ fand kein Interesse an dem Abend. Spontan hingegen das nicht im Fokus stehende Handlungsfeld Sport. Es wurde auf die Tafel gesetzt, ein Leitsatz entworfen, zu Zielen und Vorhaben debattiert. Der Sport wird nun in die Prioritätenliste aufgenommen, versicherte Janet Anders und fügte hinzu: „Diese Konferenz hat gezeigt, dass unser Zukunftsprozess flexibel ist und die Strategien nicht in Stein gemeißelt sind“.