Wolmirstedt l „Es wurde Zeit, dass ich mein Holz wegbringen kann“, sagt Michael Lange. Er hatte Bäume ausgegraben und die Überbleibsel lagerten schon eine Weile auf seinem Grundstück. Nun konnte er endlich seinen Kofferraum vollstopfen und das Schnittgut nach Elbeu bringen, auf dem großen Platz abladen, der für Baum- und Strauchreste vorgesehen ist. Dass er dabei eine Gesichtsmaske und Handschuhe tragen muss, findet er richtig.

Das sieht auch Manfred Isensee so. Der war mit dem Fahrrad gekommen, hatte Grünabfälle und Sperrmüll auf einen kleinen Hänger geladen und reihte sich ebenfalls ordnungsgemäß in die Schlange ein. Für ihn ist es selbstverständlich, Handschuhe sowie den Mund- und Nasenschutz zu tragen. „Wir müssen weiterhin aufpassen, sonst waren die Schutzmaßnahmen der vergangenen Wochen umsonst.“

Nicht unter Einschränkungen gelitten

Er habe nicht unter den Einschränkungen gelitten, sieht die Region in einer glücklichen Lage: „Es wirkt fast so, als würde die Pandemie an uns vorbeiziehen“, beschreibt er sein Gefühl. In der Tat ist die Börde weit weniger stark betroffen, als andere Gebiete. Bis gestern waren 96 coronainfizierte Personen bekannt, davon gelten 58 als genesen, zwei Personen sind verstorben. Manfred Isensee begründet die kaum ansteigenden Infektionszahlen mit der großen Disziplin der Bürger und dem Platz, der den Bewohnern im ländlichen Raum zur Verfügung steht, um Abstand halten zu können.

Die Disziplin zeigte sich auch am Elbeuer Wertstoffhof, und auch der Abstand spielte eine wesentliche Rolle. Es durften sich jeweils nur fünf Fahrzeuge gleichzeitig auf dem Platz der Abfallentsorgung befinden. Trotz der Reglementierung hielten sich die Wartezeiten in Grenzen. Autofahrer mussten etwa 20 Minuten warten, bis sie am Kassenhäuschen angelangt waren.

Dort achtete das Personal akribisch darauf, dass die Kunden Gesichtsschutz und Handschuhe trugen. Wer damit nicht ausgestattet war, wurde zurückgewiesen. Vorstand Matthias Voigt schätzt, dass nur etwa zehn Prozent der Bürger wieder heimgeschickt werden mussten. „Es lief aber sehr ruhig ab.“

Fast wieder heimgeschickt

Jochen Hirt wäre mit seinen Gartenabfällen auch beinahe wieder heimgeschickt worden, weil er seinen Schal nicht rechtzeitig vor das Gesicht gezogen hatte. Er kann sich zwar mit den Schutzmaßnahmen anfreunden, betrachtet aber skeptisch die Vehemenz, mit der sie bei der Abfallentsorgung durchgesetzt werden. „Auf dem Hof kommt sich sowieso niemand nahe“, hat er beobachtet. Schon allein, weil es seit kurzem einen separaten, großen Platz für Baum- und Strauchschnitt gibt, verteilen sich die fünf zeitgleich anwesenden Kleinanlieferer auf dem weitläufigen Gelände. Der Abstand beträgt weit mehr als die erforderlichen zwei Meter.

Vorstand Matthias Voigt will trotzdem kein Risiko eingehen. Er will einerseits die Kunden geschützt wissen, aber auch seine Mitarbeiter. „Wir müssen die normale Müllentsorgung gewährleisten und dafür brauche ich alle Mitarbeiter“, erklärt er, „nicht auszudenken, wenn sich jemand ansteckt und womöglich noch mehr Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden müssten.“ In so einem Fall blieben die Mülltonnen vor den Haustüren der Region stehen und das will Matthias Voigt unbedingt vermeiden.

Jochen Hirt wünscht sich trotzdem, dass die Annahmestelle wieder täglich geöffnet wird. „Es läuft doch gut.“ Das bestätigt Vorstand Matthias Voigt und deshalb wird sie ab der kommenden Woche wieder zu den gewöhnlichen Zeiten geöffnet. Wer Gesichtsschutz und Handschuhe trägt, kann dort Abfall entsorgen. In dieser Woche heißt es noch: Am heutigen Donnerstag und am Sonnabend ist geschlossen, am Freitag von 8 bis 17 Uhr offen.