Wolmirstedt l Die steigenden Corona-Zahlen verheißen nichts Gutes. Veranstaltungen stehen zunehmend auf der Kippe. Oder wurden gar nicht erst in den Winterplan aufgenommen. Betriebsweihnachtsfeiern dürften Mitarbeiter in diesem Jahr kaum im Kalender vorfinden, Senioren schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Was bleibt?

Im Rathaus steht schon lange fest: „Wir haben keine Weihnachtsfeier geplant“, sagt Büroleiterin Christiane Pazdyka. Es sei unverantwortlich, viele Mitarbeiter in einen Raum einzuladen, zumal es im Winter auch mit dem Lüften schwieriger wird. Auch das Sommerfest war schon abgesagt worden. Auf eine gemeinsame Aktion müssen die Angestellten der Stadtverwaltung dennoch nicht verzichten. Die heißt „Teambildende Maßnahme“ und wird am 11. November eine gemeinsame Wanderung durchs Küchenhorn sein.

Feier abgesagt

Größter Arbeitgeber Wolmirstedts ist das Bodelschwingh-Haus. „Eigentlich sollte es in diesem Jahr eine Weihnachtsfeier im Katharinensaal geben“, sagt Vorstand Swen Pazina, „doch wir können dort weder ein Hygienekonzept noch die Abstandsregeln einhalten.“ Zwar kommen erfahrungsgemäß nicht alle Mitarbeiter, aber 150 bis 180 Männer und Frauen feiern üblicherweise gemeinsam. Im Corona-Jahr 2020 wird das nicht möglich sein.

Dennoch: Weihnachtsfeiern sind mehr als Zusammenkünfte bei Kerzenschein. Sie geben Belegschaften die Gelegenheit, außerhalb des Dienstes entspannt zusammenzukommen. Gibt es im Bodelschwingh-Haus eine Alternative?

„Wir werden kleinere Teamfeiern finanziell unterstützen“, sagt Swen Pazina. Vor allem aber soll das Gelände des Bodelschwingh-Hauses in diesem Jahr in der Vorweihnachtszeit aufwändiger als sonst geschmückt werden. „Fast das einzige, was zurzeit geht, um ein Weihnachtsgefühl zu vermitteln.“

Zum Alleinsein verdammt

Während Betriebsangehörige mitten im Leben stehen, mit Kollegen arbeiten, Kontakt zu Kunden, Patienten oder Klienten haben, sind Senioren seit Beginn der Corona-Pandemie zunehmend zum Alleinsein verdammt. Die Auswirkungen spürt Marita Albrecht immer mehr. Die Geschäftsstellenleiterin der Volkssolidarität in der Burgstraße erfährt immer wieder: „Für viele ist die Einsamkeit schwer zu ertragen.“ Vor allem das Nicht-mehr-rauskommen schlage betagten Menschen auf das Gemüt.

Hinzu kommt: Mit den steigenden Corona-Zahlen trauen sich immer weniger Angehörige, ihre alten Verwandten zu besuchen. „Zum Teil kommen Kinder nicht mehr“, weiß Marita Albrecht, „sie wollen ihre Eltern schützen, halten nur noch telefonisch Kontakt, besonders wenn sie weit weg wohnen. Psychisch leiden die Senioren darunter zum Teil sehr.“ Besser dran seien diejenigen, deren Kinder in der Nähe wohnen.

Mit dem Wegfall des persönlichen Kontakts bricht für manche auch eine wichtige Hilfe weg. So gut es geht, springen die Mitarbeiter der Volkssolidarität ein, helfen beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen.

Kein Hygienekonzept

Eigentlich hatte die Volkssolidarität eine große Weihnachtsfeier im Katharinensaal geplant, doch die wird es nicht geben. Bei rund einhundert Besuchern sei kein Hygienekonzept einzuhalten. Das hatte sich schon lange herauskristallisiert. Doch nun fällt ein weiterer Baustein der Seniorenarbeit weg: „Gerade wurden alle Reisen abgesagt.“ Marita Albrecht bedauert das und hält trotzdem für ihre Senioren einen Hoffnungsschimmer bereit: „Ich hoffe auf den Frauentag.“

Die Elbeuer Rentner gehören zum Sportverein „Stern Elbeu“ und wollen am Mittwoch eigentlich im Sportlerheim wieder zusammenkommen. „Ob wir eine Weihnachtsfeier ausrichten, werden wir dann besprechen“, sagt Heidemarie Knust, „noch steht es in den Sternen.“

In den vergangenen Jahren haben sie stets im Sportlerheim der Elbeuer Sterne gemütlich zusammen Mittag gegessen, es gab kleine Geschenke und nach dem Kaffee war Schluss. „Ich weiß, dass sich alle auf so eine Feier freuen“, sagt Heidemarie Knust und zeigt sich noch optimistisch: „Wir sind so wenige, da können wir Abstand halten.“ Allerdings ist sie mit ihren 72 Jahren die weitaus Jüngste ihrer Truppe. Das Alter im Zusammenhang mit Corona macht Sorgen.

Alte Leute sind zu bedauern

„Die alten Leute sind zu bedauern“, meint auch Gunhild Jacob, die zur Glindenberger Seniorengruppe der Volkssolidarität gehört. Sie war gerade unterwegs und hat jedem persönlich eine Einladung zum Kaffeetrinken im November gebracht. „Alle haben sich gefreut und sofort ja gesagt und auch, dass es Zeit wird, mal wieder miteinander zu reden.“ Das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist offenbar groß. Über eine große, gemeinsame Weihnachtsfeier gibt es noch Redebedarf. Wenn alle kommen, ist der Sportraum zu klein.

Mit diesem Dilemma kämpft auch Marita Knackmuß, die sich mit ihrem Team um die Farsleber Senioren kümmert. Gewöhnlich feiern sie Weihnachten im großen Saal auf Webers Hof. Gewöhnlich kommen etwa 60 Besucher, gibt es ein Kulturprogramm, gutes Essen und kleine Geschenke. „Ich möchte die Weihnachtsfeier auch in diesem Jahr durchziehen“, sagt Marita Knackmuß, „aber es ist alles sehr fraglich.“

Trotzdem hat sie schon ein Kulturprogramm im Blick, besorgt bereits kleine Geschenke. Die Vorbereitung der Weihnachtsfeier bereitet ihr zurzeit große Freude, denn sie erlebt immer wieder: „Unsere Rentner sind sehr dankbar.“ Und doch ist in diesem Jahr alles anders. Marita Knackmuß sagt, was für alle gilt: „Alles hängt von Corona ab.“