Sport

Anekdoten zum 110. Geburtstag des FSV Barleben

Der Fußballverein FSV Barleben durchlebt aktuell schwierige Zeiten. Einerseits herrscht weiter Ungewissheit, was den geplanten Neubau des Vereinshauses betrifft. Andererseits können die Sportler in diesem Jahr den 110. Geburtstag ihres Vereins nicht feiern. Vor diesem Hintergrund möchte Urgestein Achim Kiesler ein paar Anekdoten zum Besten geben

Von Sebastian Pötzsch
Die Spieler des FSV gegen Stahl Brandenburg (links): Günther Wendlandt, Hans Boeker, Rolf Hartmann, Herbeert Schrader, Ebehardt Schernitz, Steg, Achim Kielser, Günter Jacob, Jürgen  Bethge, Günter Kemmnitz.
Die Spieler des FSV gegen Stahl Brandenburg (links): Günther Wendlandt, Hans Boeker, Rolf Hartmann, Herbeert Schrader, Ebehardt Schernitz, Steg, Achim Kielser, Günter Jacob, Jürgen Bethge, Günter Kemmnitz. Foto: Archiv Achim Kiesler

Barleben - „Nein, wir werden unseren 110. Vereinsgeburtstag in diesem Jahr nicht feiern können“, bestätigt Andreas Ibe. Mehrere Gründe zählt der Vize des FSV für die Absage auf. „Das Auf und Ab der Corona-Maßnahmen macht eine Planung schwierig“, bringt es Ibe auf den Punk und führt weiter aus: „Niemand weiß, wie es in den nächsten Wochen aussieht.“

Der Zeitaufwand nur für das Mehrzweckgebäude ist enorm. Fast täglich liegt das Thema bei mir auf dem Tisch. Da bleibt einfach keine Zeit, um eine große Geburtstagssause vorzubereiten.

FSV-Vize Andreas Ibe

Zwar sei jüngst die Trainingssaison der Fußballer auf dem Sportgelände Am Anger in Barleben gestartet worden. Doch Spiele dürfen noch immer nicht stattfinden. Das mache die Planungen insgesamt sehr schwierig.

Außerdem drückt der Schuh noch an ganz anderer Stelle. So will sich der FSV einen langgehegten Traum erfüllen und ein neues Vereinshaus errichten. Ursprünglich sollte das Projekt eine Million Euro kosten. Im Dezember 2020 hatte der Gemeinderat einen Zuschuss in Höhe von 800000 Euro aus der Gemeindekasse beschlossen. Doch wegen der Pandemie kann der Verein den geforderten Eigenanteil in Höhe von 200000 Euro nicht leisten.

Deshalb steht das Thema auf der Tagesordnung der aktuellen Sitzungsperiode. Im Mittelpunkt steht dabei eine Beschlussvorlage der Verwaltung, nach der der Zuschuss der Gemeinde an den FSV von vormals 800000 Euro auf 1,665 Millionen Euro aufgestockt werden soll. So haben sich nämlich die einst veranschlagten Baukosten auf 1,85 Millionen Euro erhöht. Dies entspräche also einem Mehrbetrag in Höhe von 850000 Euro für die Gemeinde. Das Thema stand am Dienstag auch auf der Tagesordnung des Hauptausschusses. Doch eine Entscheidung gab es nicht, die Beschlussvorlage wurde zunächst zurückgestellt.

„Das Thema ist ein weitere Grund, warum wir die Geburtstagsfeier ausfallen lassen müssen“, sagt Andreas Ibe. „Der Zeitaufwand nur für das Mehrzweckgebäude ist enorm. Fast täglich liegt das Thema bei mir auf dem Tisch. Da bleibt einfach keine Zeit, um eine große Geburtstagssause vorzubereiten“, führt der Vize aus.

Aber er verspricht: „Im kommenden Jahr werden wir feiern, und zwar unseren 111. Geburtstag.“ Alle Mannschaften des FSV seien bereits informiert. So soll in Kürze eine Arbeitsgruppe aus der Taufe gehoben werden, deren Mitglieder sich um die Vorbereitungen der Feierlichkeiten kümmern. „Wir haben um Personal gebeten und um Ideen, die dann umgesetzt werden allen“, erklärt der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Achim Kiesler, einer der Fußballlegenden des FSV, weiß von den Schwierigkeiten und den enormen Belastungen der Vereinsführung. „Dass die Feier ausfallen muss, ist schade, aber nachvollziehbar“, sagt der ehemalige Stammspieler der I. Mannschaft. Dennoch möchte er einen Beitrag leisten und Anekdoten aus der Vereinshistorie zum Besten geben.

„Aber nicht so viel über mich schreiben, sonst denken die Leute, ich wär ein Angeber“, beginnt der „Fußballkenner par excellence“, wie er selbst über sich sagt, mit einem Augenzwinkern seine Ausführungen.

Die Chronik des FSV beginnt im Jahr 1911, als der erste Sportverein mit einer Fußballsektion in Barleben gegründet wurde. Im Zuge der Reorganisation des Betriebssportes auf Produktionsgrundlage entstand 1948 die BSG VEM Barleben, eine Betriebssportgemeinschaft.

In den darauffolgenden Jahren verbuchte der im Jahr 1950 in BSG Motor Barleben umbenannte Verein einige Erfolge. So gehörten die Fußballer von 1952 bis 1954 sowie 1956/1957 der Bezirksliga Magdeburg an. Von 1957 bis zur Wiedervereinigung spielte Barleben durchgehend in der Bezirksklasse, jedoch erfolgte 1987/88 der Abstieg in die Kreisliga. Mit dem Ende der DDR erfolgte die Umgründung der BSG Motor Barleben in die SG Motor Barleben.

Wir haben alle prima zusammengepasst und alle waren dufte Spieler. Nur unsere Frauen kamen zu kurz.

FSV-Urgestein Achim Kiesler

Im Jahr 1997 gingen die Fußballer dann ihren eigenen Weg, traten aus der SG Motor Barleben aus und gründeten ihren eigenen Verein. In Tradition an die erste Barleber Fußballmannschaft nannten sie den Verein FSV Barleben 1911.

Achim Kiesler selbst spielte in der I. Mannschaft des BSG Motor Barleben in den Jahren von 1963 bis 1974. „Wir haben alle prima zusammengepasst und alle waren dufte Spieler. Nur unsere Frauen kamen zu kurz“, erzählt der rüstige Senior, dem gleich mehrere Anekdoten einfallen. Diese möchte er vor dem Hintergrund der Vereinsjubiläums Revue passieren lassen.

Seine Erzählungen beginnt das Urgestein mit einem Spiel zum 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 1962. „Damals spielten wir gegen eine Auswahl des Bezirkes Magdeburg. Der damalige Trainer war Heiner Ruddat“, erinnert sich Achim Kiesler. In der Auswahl seien namhafte Spieler vertreten gewesen, unter anderem Sepp Meisel von Lok Stendal aus der Oberliga. Auch Klaus Zenker, Otto Stobernack oder Günter Frontzeck von Turbine Magdeburg aus der 1. DDR-Liga nennt das Urgestein die Namen wie aus der Pistole geschossen.

Auch an seine Mitspieler kann er sich genau erinnern und beginnt, sie alle aufzuzählen: Manfred Oelze, Lothar Tureck, Frank Schumacher, Rolf Hartmann, Horst Olschewski, Günter Nowak, Achim Fiesler und so weiter.

„Nach einem äußerst spannenden Spiel unterlagen wir als Bezirksligamannschaft mit 2:4“, berichtet der ehemalige Fußballer. Sogar die Torschützen kann er aufzählen. Und er erinnert sich an „einen bedauerlichen Zusammenstoß“ zwischen Frank Schumacher und Otto Stobernack. Nach einer medizinischen Behandlung konnte das Spiel jedoch fortgesetzt werden.

Schon wenn man sich die austrainierten Beine anschaut, ist zu erkennen: Die Brandenburger standen im Gegensatz zu uns voll im Profitraining.

FSV-Urgestein Achim Kiesler

Im Jahr 1963 trafen die Recken im Zuge der Saisonvorbereitungen auf den damaligen DDR-Liga-Vertreter Turbine Magdeburg. Und wieder kann das Urgestein jeden Spieler auf dem Feld namentlich nennen. „Nach einem Klassespiel siegten wir als krasser Außenseiter durch ein Tor von Jürgen Bethge“, erinnert sich der Kenner. „Für Günther Frontzeck sollte es das Abschiedsspiel für Turbine sein. Danach machte er erfolgreich beim 1. FCM Karriere.“

Außerdem erinnert er sich an ein Spiel zum 60. Vereinsgeburtstag im Jahr 1971. „Dieses Mal trafen wir auf die Spitzenmannschaft der damaligen DDR-Liga, Stahl Brandenburg. Später sollten die Jungs in der Oberliga unseres Landes kicken“, ruft Achim Kiesler in Erinnerung und verweist auf ein Foto mit beiden Mannschaften. „Schon wenn man sich die austrainierten Beine anschaut, ist zu erkennen: Die Brandenburger standen im Gegensatz zu uns voll im Profitraining.“

Das spiegelte sich auch im Endresultat wieder: „Nach einer 1:0-Führung durch Günter Nowak verloren wir nach einem guten Spiel mit 1:4“, erinnert sich Achim Fiesler. Trainer der Brandenburger war Wilfried Klingbiel, „ein ehemaliger Stendaler Nationalspieler“. Nur eine Woche vorher hatten die Barleber Recken in einem Vorbereitungsspiel den DDR-Liga-Vertreter Motor Schönebeck besiegt.