Umleitung

Anwohner zwischen Farsleben und Mose fürchten Raser

Die Anwohner von Neu-Mose sind genervt. Seit Wochen quält sich eine Blechlawine vor ihren Häusern entlang. Wegen der Umleitung haben sie dafür Verständnis. Für die Fahrweise jedoch nicht.

Von Gudrun Billowie 16.07.2021, 18:55
Reiner Bläß und seine Nachbarn haben besonders in den Morgenstunden Probleme, aus ihren Grundstücken zu fahren. Auf der Straße sind viele Fahrzeuge recht schnell unterwegs.
Reiner Bläß und seine Nachbarn haben besonders in den Morgenstunden Probleme, aus ihren Grundstücken zu fahren. Auf der Straße sind viele Fahrzeuge recht schnell unterwegs. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Will Reiner Bläß sein Grundstück früh verlassen, muss er mehr Zeit einplanen, als sonst, muss warten, bis sich eine Lücke in der Blechlawine findet. Und das kann dauern. Die Verkehrsdichte ist enorm, weil die Strecke durch Neu-Mose derzeit als Umleitung für die B189 dient.

Mit dem fast unaufhörlichen Verkehrsfluss können Reiner Bläß und seine Nachbarn vorübergehend leben. Was wirklich ärgert, ist die Geschwindigkeit, mit der viele an seinem Haus vorbeirasen. In diesem Bereich sind 30 km/h erlaubt, doch werden nicht von jedem eingehalten. „Man kann sein Grundstück nur mit aller größter Vorsicht verlassen“, sagt Reiner Bläß, „da kaum ein Kraftfahrer Rücksicht nimmt.“ Er fürchtet, dass die schnellen Fahrer die Anwohner kaum wahrnehmen. Besonders in den Abend und Nachtstunden sowie vor sieben Uhr morgens werde die Straße zur Rennstrecke. Welche Handhabe hat die Polizei?

Polizei nimmt die Strecke in den Blick

„Die Kollegen werden sich die Situation vor Ort anschauen“, teilt Polizeisprecher Matthias Lütkemüller auf Volksstimme-Anfrage mit. Sollten die Beamten den Eindruck der Anwohner teilen, sind Geschwindigkeitsmessungen möglich.

Hilft ein zusätzliches Tempo-30-Schild?

Reiner Bläß kann sich zudem vorstellen, dass ein zusätzliches Tempo-30-Schild den Fahrern Orientierung bieten könne. Womöglich übersehen sie das Tempo-30-Schild zu Beginn der Umleitung, wenn sie sich auf die geänderte Streckenführung konzentrieren. „Vielleicht wäre ein Schild zur Erinnerung hilfreich“, schlägt der Anwohner vor. Für so ein Schild wäre der Landkreis zuständig. Die Mitarbeiter der Straßenbehörde sind erst in der kommenden Woche wieder im Dienst.

Die Kreisstraße zwischen Mose und Farsleben wird noch bis zum 13. August als Umleitungsstrecke dienen. Grund sind Bauarbeiten auf der B189. Derzeit wird der Abschnitt zwischen der Mittelstreifenüberfahrt Wolmirstedt Zentrum - Wolmirstedt Nord bis zur Abfahrt Wolmirstedt Nord Richtung Stendal auf Vordermann gebracht. Der Verkehr Richtung Stendal wird auf der Gegenfahrbahn an der Baustelle vorbeigeleitet. Durch Mose und Farsleben fahren vor allem die Fahrzeuge, die aus Richtung Stendal nach Magdeburg wollen.

Auf dieser Strecke sind viele Lkw unterwegs. Dazu zählen die Transporter, die Holz aus dem Harz zum Zellstoffwerk Arneburg liefern und leer zurückfahren. Aber auch Kiestransporter und Lieferanten für die großen Märkte im Wolmirstedter Lindenpark müssen nun dieses Stück der Kreisstraße nutzen.

Vollsperrung der B189 ab Ende Juli

Doch bald kommt es noch dicker. Wird derzeit nur eine Fahrspur der B189 über Mose und Farsleben geleitet, werden von Donnerstag, 29. Juli, bis Freitag, 13. August, alle Fahrzeuge die Umleitung nehmen müssen. Dann wird die B189 beidseitig zwischen Mose und Wolmirstedt-Nord gesperrt. Anschließend soll die Bundesstraße jedoch wieder komplett befahrbar sein. Die restlichen Arbeiten sollen am 27. August fertig sein und ohne Sperrungen zu Ende gebracht werden.

Einige Autofahrer sparen sich die Umleitung und nutzen die Landwirtschaftswege im Raum Mose und Wolmirstedt, sind darauf oft recht forsch unterwegs. Dabei ist der Landwirtschaftsweg zwischen Bauernweg und Esso-Tankstelle per Verkehrszeichen nur für Landwirte zugelassen. Der Landwirtschaftsweg neben der B 189, zwischen der Esso-Tankstelle und den Autohäusern in Mose, dient ebenfalls sichtlich allein den landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Landwirtschaftswege als Schleichwege genutzt

Auch dort gilt der Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung, die gegenseitige Rücksichtnahme. Doch die scheint nicht immer gegeben. Ob Landwirte von dem zusätzlichen Verkehr genervt sind, ist nicht bekannt, doch das Miteinander auf diesen Fahrspuren am Feldrand scheint insgesamt schwieriger geworden zu sein.

„Beim Abendspaziergang mit meinem Hund ist ein Traktor mit Anhänger und hoher Geschwindigkeit so an mir vorbeigefahren, dass ich mit meinem Hund in die Böschung springen musste“, berichtet die Wolmirstedterin Carmen Glöckner, „leider sind mir ähnliche Vorfälle dort schon häufiger passiert.“ Sie hofft, dass ein rücksichtsvolles Miteinander in Zukunft wieder die Oberhand gewinnt.

Reiner Bläß hofft ebenfalls auf Rücksicht der Autofahrer, damit Anwohner der Umleitungsstrecke Mose-Farsleben gefahrlos zu und von ihren Grundstücken fahren können.