Wolmirstedt l „Wir haben festgestellt, dass es viele arme Menschen in Wolmirstedt gibt, die sich nur zwei oder drei Mal in der Woche eine warme Mahlzeit leisten können.“ Das sagt Guido Fuchs, der zur Bürgerinitiative zur gegenseitigen sozialen Hilfe gehört.

Diese Bürgerinitiative hatte sich zu Jahresbeginn zusammengetan. Die Mitglieder wollen Menschen zu Ämtern begleiten, Orientierung im Formularwust verschaffen, Erfahrungen mit dem Jobcenter oder dem Kindergeld teilen, älteren Menschen helfen, die alleine sind.

Nun will sich aus dieser Bürgerinitiative heraus ein Verein gründen und warme Mahlzeiten für Bedürftige anbieten. Der Haken: Das erste Jahr soll die Stadt die Finanzierung übernehmen. Das machte Guido Fuchs vor dem Stadtrat deutlich. Der Bürgerinitiativler rechnet mit etwa 50 Personen, die zweimal in der Woche eine warme Mahlzeit für kleines Geld in Anspruch nehmen würden. 2000 Euro soll das kosten. „Sollten wir doch nicht so viel Geld brauchen“, sagt Guido Fuchs, „bekommt die Stadt den Überschuss zurück.“

Im Haushalt ist dafür kein Geld eingeplant

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn nahm den Vorschlag zur Kenntnis und verwies sinngemäß darauf, das für derlei warme Mahlzeiten im Haushalt kein Geld eingeplant sei. Sie empfahl, den Kontakt zu vorhandenen Hilfsorganisationen aufzunehmen.

So eine Hilfsorganisation ist das Deutsche Rote Kreuz. Die Tafel in der Heinrich-Heine-Straße versorgt Menschen schon lange mit Nahrungsmitteln, allerdings wird nicht gekocht, dafür müsste umgebaut werden. Geschäftsführer Ralf Kürbis weiß um die Herausforderung, auch ohne Suppenküche die Tafelnutzer zu versorgen. In Wolmirstedt kommen etwa 450 Bedarfsgemeinschaften, das sind 450 Familien, zu denen meist mehrere Personen gehören. „Wir finanzieren uns über Spenden und aus Eigenmitteln“, sagt Ralf Kürbis, „viele Lebensmittelmärkte sind unsere Partner, dazu kommt eine große Zahl privater Spender, unter anderem Kleingärtner.“

Trotz großer Unterstützung arbeitet die Tafel nicht kostendeckend. Die Logistik übernimmt das DRK, holt die Lebensmittel ab, sorgt für die Verteilung. Meist bildet sich eine lange Schlange vor der Ausgabestelle. Der Bedarf ist also da. Doch der Wunsch, auch eine warme Mahlzeit zu bekommen, ist im Tafelbetrieb des Deutschen Roten Kreuzes nicht bekannt.

Wie stellt sich nun die Bürgerinitiative vor, zu kochen und das Essen zu verteilen? Woher kennt sie den Bedarf? „Wir haben eine Umfrage gestartet und erfahren, dass warmes Essen von einigen gewünscht ist“, sagt Guido Fuchs, „es gibt viele Arme, doch man sieht sie nicht.“

Die Bürgerinitiative hat keine Küche, die den Anforderungen genügt. Deshalb soll zuerst ein Catering-Service die Aufgabe übernehmen. Oder eine mobile Ausgabestelle eingerichtet werden. Wenn Geld fließt. Guido Fuchs sagt: „Wir wollen das Leben lebenswerter machen.“